Ende des Schweigens
5.18
Das ist ein sehr wichtiges Datum in Korea. Am 18. Mai 1980 begann der Studentenaufstand in Korea mit Schwerpunkt in Gwangju. Der Aufstand richtete sich gegen das brutale Militärregime von General Chun Doo-hwan.
Dieser Tag ist untrennbar mit der Demokratisierungsbewegung in Südkorea verbunden. Das Bild ist Teil einer Ausstellung auf dem 5.18 – Demokratieplatz in Gwangju und eine Pyrographie (Brandmalerei auf Holz) mit dem Titel “Babel of Silence (기억 위애 세운 탑, “Turm erbaut auf Erinnerung).
Die Fenster zeigen gefangene, leidende oder protestierende Menschen und damit die Opfer der brutalen Niederschlagung durch die Armee.
Der Turm von Babel symbolisiert die Sprachlosigkeit und das erzwungene Schweigen (daher der englische Titel Babel of Silence). Das wird noch durch die Person rechts oben verstärkt, die sich den Finger an die Lippen hält – ein Zeichen für die jahrzehntelange Zensur, die den Überlebenden und der koreanischen Bevölkerung insgesamt von der Militärdiktatur auferlegt wurde, um die Wahrheit über das Massaker (154 Demonstranten getötet und 4141 verletzt) zu vertuschen.
Die katholische Kirche spielte beim Aufstand eine zentrale und historisch entscheidende Rolle, auch bei der anschließenden Aufarbeitung. Die Katholiken machten damals weniger als drei Prozen der Bevölkerung von Gwangju aus, war aber eine der wenigen intakten Institutionen, die den Bürgern Schutz und eine Stimme geben konnten.
Priester waren vor Ort, als Fallschirmjäger begannen, brutal gegen die Bevölkerung vorzugehen. Sie gründeten ein Komitee, um mit dem Militär über einen friedlichen Abzug und die Freilassung Unschuldiger zu verhandeln. Pater Cho Pius und Pater Kim Seong-yong gelang es, tausende von den Bürgern erbeutete Waffen einzusammeln, um die Gewalt zu deeskalieren. Kirchen wurden zu zentralen Knotenpunkten des Widerstands und boten Asyl vor den Razzien der Militätpolizei. Die Kirche nutzte zudem ihr internationales Netzwerk, um die Nachrichtensperre des Militärregimes zu durchbrechen. Der Bericht “More Out of Sorrow Than Anger” von Pater Kim Seo-yong gelangte u.a. durch Nonnen nach Japan und weiter in den Westen und in die Weltöffentlichkeit.
Nach dem Aufstand wurde trotz der Verhaftung führender Priester das Ereignis akribisch dokumentiert. Der Jahrestag des Massakers wurde von der Catholic Assiciation for Justice im kollektiven Gedächtnis gehalten. Die Aktivitäten führten zum Juni-Demokratieaufstand 1987, der das Militärregime endgültig zu Fall brachte.
Auch in der Evangelisch-Presbyterianischen Kirche gab es analog zur katholischen Kirche viele Menschen, die u.a. durch Einsatz ihres Lebens, Verstecken von Studenten, Blutspendeaktionen und Dokumentation der Gräueltaten gegen die Diktatur arbeiteten.
Die Kirche in Südkorea hat das Schweigen durchbrochen und mit dafür gesorgt, dass das Land seit 1988 demokratisch ist. Viele in ihr setzen sich bis heute für Demokratie und Menschenrechte ein.
Diese Menschen sind Vorbild für die Menschen in allen Ländern, in denen die Demokratie in Gefahr ist. Wie sie auf der Grundlage des Evangeliums zu denken und zu handeln und sich für Demokratie und Menschenrechte einzusetzen: Das ist Nachfolge Christi.