Biblische Mathematikstunde

Predigt 17. September 2023

Mathematik, liebe Schwestern und Brüder, wird sehr unterschiedlich bewertet. Wenn ich mich als Schüler Schülerin  mit Statistik und Stochastik beschäftigen muss, kann es schon mal sein, dass mich das Thema eher weniger interessiert oder ich sogar überfordert bin.

Aus unternehmerischer Sicht allerdings ist Statistik in vielerlei Weise wichtig.

Auch bei uns geht es heute ein bisschen um Mathematik. Allerdings eine Mathematik, die sich ganz anders gestaltet als alles, was wir in der Schule gelernt haben.

Willkommen zu einer kurzen biblischen Mathematikstunde.

Wie oft soll ich meinem Bruder vergeben? Sieben mal?

Jesus sagt: Siebenundsiebzig mal

ODER: SIEBEN MAL SIEBZIG MAL (je nach Übersetzung des biblischen Textes).

Es geht nicht um den exakten WERT der Zahlen.

Selbst bei 7×70 = 490 stünden wir vor der Frage, was denn wäre, wenn wir schon 490 mal vergeben hätten und es nun um den 491. Fall handeln würde.

Ist 490 Schluss, und danach müssen wir nicht mehr vergeben?

So ist es nicht gemeint.

Zahlen in der Bibel haben in der Regel eine sehr hohe Symbolkraft

Schauen wir uns kurz ein paar Zahlen in der Bibel an:

7 – Die Zahl der Vollkommenheit und Harmonie in Gottes Plänen und Taten, Fülle und Ganzheit

7 Tage der Woche ist der Sabbattag

  1. Jahr das Sabbatjahr

7 Wochen von Ostern bis Pfingsten

7 Tage dauern die großen Feste in Israel.

 

10 – Die Zahl der Verantwortlichkeit des Menschen vor Gott, Vollständigkeit,

10 Gebote

10 Jungfrauen im Gleichnis

10 Aussätzige, nur einer der dankbar war

10 Plagen in Ägypten

 

70 – Die Zahl der Vollständigkeit in Gnade und Gericht

Auch die Zahl 70 als das Vielfache von 7 findet sich oft (70 Älteste, Apostel, 70 Jahre dauert das babylonische Exil).

70 Jahre Lebensalter – Das Leben ist rund, das irdische Leben geht zu Ende, der Mensch steh bald vor seinem Schöpfer…

 

Und nun fängt die Bibel an, mit dieser Zahlensymbolik in gewisser Weise zu spielen.

Die Verknüpfung von solchen Zahlen ergibt eine neue Aussage. Und Jesus ist Kind seiner Zeit. Er nimmt die Zahlensymbolik der damaligen Welt – die jeder kannte – und erklärt nun seinen Auftrag, er erklärt damit Gottes Willen.

 

Und die mathematische Aufgabe, die Jesus uns heute aufgibt, lautet aufgeteilt in die einzelnen Bestandteile 7 mal 7 mal 10, also 490.

7, die Zahl der Vollkommenheit, wird mit sich selbst multipliziert. Vollkommenheit im Quadrat also. Das ist von der Logik her nicht zu fasen – wenn es etwas vollkommen ist, dann muss und kann ich es nicht mehr mit sich selbst multiplizieren. Jesus macht es trotzdem – und er multipliziert das Ergebnis nochmal mit 10, der Zahl der Verantwortlichkeit des Menschen vor Gott.

Es geht also nicht um die Abgrenzung der Zahlen 490 zu 491, sondern es geht darum, dass wir erkennen, was immer und überall unser Auftrag ist: Nämlich Gott in unserem Leben zu verkünden, seine Gebote zu halten, von Jesus zu erzählen, auf das Ziel unseres Lebens zu schauen: nämlich Gott immer näher zu kommen bzw. ihm immer mehr Raum in unserem Leben zu geben.

Und dazu gehört, dem anderen immer und immer wieder neu zu vergeben. Das allerdings geht komplett ohne Mathematik. Die Grundlage für diese Haltung ist einfach die Liebe.

Amen.

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