Predigt am 10.09.2023 zu Mt 18,15-20
So viele Sätze sind in diesem Evangelium – und man kann und muss eigentlich auch über jeden einzelnen Satz predigen. Das bedeutet, dass ich entweder JETZT die nächsten drei Stunden nonstop rede – und dann immer noch nicht fertig sein werde – oder aber ich habe Ideen für die Predigten der nächsten 18 JAHRE. Denn nach dem ersten Durchlesen sind da mindestens sechs verschiedene Ideen für Sonntagspredigten drin – und diese Bibelstelle kommt ja wegen der Leseordnung nur alle drei Jahre dran. Dann wären wir etwa im Jahr 2041 angekommen.
Beides ist nicht überschaubar – und daher greife ich für ein einziges Thema heraus. Und das wird heute nicht lange dauern.
Jesus spricht über den Umgang mit Fehlern. Und er sagt, dass man zuerst mit dem anderen unter vier Augen reden soll, wenn das nicht fruchtet, mit zwei Zeugen und dann soll man es der Gemeinde sagen. Das heißt, dass man dem anderen, der sich versündigt hat, gleich drei Chancen gibt zur Umkehr. Ich finde, dass schon der Ansatz, zunächst mal unter vier Augen zu reden, sehr wichtig ist. Es muss nicht alles in der Öffentlichkeit breitgetreten werden. Niemand von uns ist ohne Schuld und niemand kann sich zum Richter ernennen.
Und dann kommt Jesus zum Entscheidenden Punkt: Wenn all das nichts nützt, wenn also der Sünder in seinem Verhalten verharrt und quasi unbelehrbar ist, dann sei er für uns wie ein Heide oder ein Zöllner.
Und das, liebe Schwestern und Brüder, ist der Knackpunkt. Denn genau hier hat die Kirche über viele Jahrhunderte angesetzt und gesagt: Damit meint Jesus, dass dieser Mensch ausgeschlossen ist. Exkommuniziert. Für alle Zeiten nicht mehr dazugehört. Dadurch hat die Kirche viel Leid verursacht und sie tut es zuweilen heute noch.
Wir müssen aber genau hinschauen. Und dann fällt uns auf: Ich soll diesen Menschen wie einen Zöllner ansehen. Das heißt aber eben nicht, dass er nun ausgeschlossen ist. Jesus selbst hat den Zöllner Zachäus zu sich gerufen und hat mit ihm gegessen. Er hat ihn nicht verstoßen, sondern in die Gemeinschaft geholt. Jesus tut genau das Gegenteil von dem, was die Kirche getan hat.
Und auch wenn ich den anderen als Heide betrachte, ist er nicht ausgeschlossen. Denn der ausdrückliche Auftrag Jesu an uns alle lautet, zu allen Völkern zu gehen und alle Menschen zu ihm zu bringen – durch die Taufe. Solange jemand noch nicht getauft ist, ist er kein Christ, also Heide. Oder er ist Jude. Wir sollen diesen Menschen, der nicht umkehren will, wie einen Heiden und einen Zöllner behandeln – das bedeutet nichts anderes, als dass wir ihm das Evangelium verkünden sollen. Ihm vorleben, wie es ist, Jesus nachzufolgen. DAS heißt, dieses Evangelium ernst zu nehmen.
Wir dürfen niemanden ausschließen. Wir werden uns zuweilen schwer tun mit einzelnen Menschen. Wir müssen nicht alles gut finden, was die anderen so tun. Es steht uns aber nicht zu, sie auszuschließen.
Ich finde, dieser Auftrag ist ausreichend für heute. Damit haben wir schon eine Menge zu tun.
Amen.