Predigt am 15. Oktober 2023 zu Mt 22, 1–14
Liebe Schwestern und Brüder,
„wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Dieser Ausspruch wird Michael
Gorbatschov zugeschrieben, der 1989 mitentscheidend für die
Wiedervereinigung Deutschlands war. Seine Haltung war eindeutig.
Die Entwicklung der friedlichen Revolution in der DDR war so stark, dass es nur
noch möglich war, nach vorne zu schauen- die Wiedervereinigung wurde
möglich. Das System, das 40 Jahre die Menschen unterdrückt hatte, brach
zusammen.
Ich erinnere mich gut, dass ich damals als junger Student vor dem Fernseher
saß und nicht fassen konnte, was damals geschah. Ich war damals sehr
aufgeregt und froh. Viele Menschen wollten aber diese Entwicklung verhindern.
Sie waren nicht bereit für diesen historischen Moment, den Wandel, die
sogenannte Wende. Die Geschichte zeigt, dass vieles gelungen ist, aber vieles
auch weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist.
Für das heutige Evangelium möchte ich den Ausspruch Gorbatschovs
abwandeln. „Wer zur Hochzeit kommt, aber mit der falschen Haltung, den
bestraft das Leben.“
Denn das was wir heute im Evangelium hören, ist ja starker Tobak. Die zuerst
Eingeladenen kommen nicht nur nicht, sie bringen auch noch die Boten um. Als
Reaktion darauf werden sie selbst umgebracht und ihre Städte zerstört.
Stattdessen werden nun alle möglichen Menschen eingeladen, einfach so, wie
sie waren, von den Hecken und den Zäunen. Und diese Menschen kommen.
Einer von ihnen kommt zwar, ist aber unpassend gekleidet. Und er wird wieder
herausgeworfen.
Wir müssen diese Bibelstelle als das sehen, was sie ist: ein Gleichnis. Jesus war
auf keinen Fall jemand, dem ein Kleidungsstück wichtig war. Darum geht es
nicht. Er macht den Menschen damals und auch uns heute klar, dass die
Haltung wichtig ist.
Das Hochzeitsmahl ist das Bild für das Reich Gottes. Wir sind alle eingeladen ins
Reich Gottes. Und wir können natürlich grundsätzlich darauf vertrauen, dass wir
auch dorthin kommen – schließlich sind wir alle durch den Tod und die
Auferstehung Christi erlöst. Das entbindet uns aber nicht von unserer
Verantwortung, unser Leben mit der richtigen Haltung zu führen. Richtige
Haltung heißt: Gottes Wort und Gottes Wille sind wichtiger als meine Wünsche.
Richtige Haltung meint: Das Leben zu schätzen und zu schützen – von der
Schwangerschaft bis zum dementen Menschen im Pflegeheim.
Richtige Haltung heißt auch: Ich setze mich auseinander mit dem Evangelium
und versuche immer wieder, ihm in meinem Leben mehr Raum zu geben.
Richtige Haltung heißt, das Gebot der Liebe zum Nächsten und zu mir selbst zu
beachten.
Richtige Haltung heißt, die 10 Gebote zu beachten.
Gott schaut sich unser Leben an. Er liebt uns auf eine Weise, die wir nie
komplett erfassen können. Aber er ist auch der einzige, dem letztlich die
Beurteilung unseres Lebens zusteht.
Achten wir darauf, dass unsere Haltung stimmt. Und verpassen wir nicht die
Momente, in denen es auf uns ankommt.
Amen.