Grüß Gott: Theologie in zwei Worten

Predigt am 22.10.2023 zu  Mt 22, 15–21

Vor ein paar Jahren rief mich ein Kollege aus Norddeutschland an und sagte:
Edgar, ich bin eingeladen bei einem Empfang der Bayerischen Staatsregierung.
Ich werde wahrscheinlich dem Ministerpräsidenten begegnen. Wie redet man
den eigentlich an? Da gibt es doch bestimmt eine ganz besondere Anrede,
sowas wie Exzellenz oder etwas ähnliches?
Meine Antwort war: Sag doch einfach: Grüß Gott, Herr Ministerpräsident.
Der Kollege lachte. Das mach ich ganz bestimmt nicht. Der ist zwar
Regierungschef, aber er ist nicht Gott.
Grüß Gott. Das ist eine in Bayern und Österreich übliche Weise, sich anzureden,
auch wenn es inzwischen manchmal durch andere Grußformeln ersetzt wird.
Und es geht langsam verloren, was dieser Gruß zu bedeuten hat. Schon oft hab
ich als Antwort gehört, wenn ich jemanden mit Grüß Gott angesprochen habe:
Ja, wenn ich ihn sehe, dann grüße ich Gott.
Grüß Gott ist aber keine Aufforderung, Gott meine Grüße zu übermitteln. Grüß
Gott ist die Abkürzung von : Grüß dich Gott – und das bedeutet: Gott segne
dich. Grüß Gott heißt: Gott grüße dich, Gott segne dich.
Ich meine es gut mit den Menschen, wenn ich sie so anrede – weil es Gott ist,
der es gut mit uns meint. Auf ihn, auf Gott kommt es an.
Daher ist die Haltung der Pharisäer im heutigen Evangelium auch so daneben:
Sie spielen Gott gegen den Kaiser aus und wollen, dass Jesus sich für einen von
beiden entscheidet. Hätte Jesus gesagt: Dem Kaiser muss man Steuern
bezahlen, dann hätte er sich auf die Seite der Besatzungsmacht, also der Römer
gestellt und gegen die Juden. Hätte er sich dagegen entschieden, hätte man ihn
beim Kaiser verklagen können. Das war eine riesengroße Falle. Und sie war
allein deshalb schon so gemein, weil man Jesus auf irgendeine Weise schaden
wollte.
Jesus löst dieses Dilemma, indem er darauf verweist, dass auf der Münze ja das
Bild des Kaisers zu sehen sei, daher müsse man ihm das Geld auch geben – aber
zugleich macht er klar, dass man auch Gott das geben müsse, was ihm zustehe.
Und das ist und bleibt eine angemessene Haltung. Respekt, Liebe, Verehrung,
Anbetung – all das ist angemessen, es Gott zu geben und zu zeigen. Denn all das
zeigt er auch uns.
Wenn wir einander grüßen, dann sollten wir das in Gedanken immer so tun,
dass wir den anderen Menschen im Geiste Gottes grüßen. Wenn wir unseren
Gruß als Segen meinen, dann verändern wir die Welt.
Euch und Ihnen allen ein herzliches Grüß Gott!
Amen.

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