Selig die Friedensstifter

Predigt am 01.02.2026  „Selig die Friedensstifter“ zu Mt 5

Liebe Schwestern und Brüder,

die Worte Jesu in den Seligpreisungen sind ein politisches Programm für unsere Zeit, eine Einladung, den Frieden nicht nur geistlich zu suchen, sondern in die Welt hineinzutragen – gerade in eine Welt, die von Konflikten, Krisen und Machtfragen geprägt ist.

Heute möchte ich drei dieser Seligpreisungen mit konkreten Entwicklungen unserer globalen Gegenwart 2026 verbinden. Es geht drei Mal um den Frieden: den inneren Frieden, den äußeren Frieden und den Frieden als Gottesfrage.

  1. Innerer Frieden – ein Widerstand gegen die Logik der Angst

Jesus sagt: Selig, die arm sind vor Gott; selig die Sanftmütigen.

Innerer Frieden entsteht, wo Menschen nicht von Angst regiert werden. Nicht von Furcht vor Gewalt, nicht von Furcht vor dem Verlust der eigenen Macht.

Ein großes Thema ist in unserer Zeit zu sehen, wie sehr Angst Politik prägt. Die symbolische „Weltuntergangsuhr“ steht 2026 näher an Mitternacht als jemals zuvor: ein Mahnmal für das Risiko atomarer Eskalation, Klimakrise und globaler Spannungen.

Angst wird politisch instrumentalisiert: Angst vor Krieg, vor internationalen Gegnern, vor Verlust von Einfluss. Doch Jesus sagt: Seid arm vor Gott, seid sanftmütig.
Wir können das übesetzen: Friede beginnt mit der Entwaffnung des Herzens. Da geht es um den inneren Frieden. Er macht uns stark gegen jene, die Politik aus Angst gestalten.

  1. Äußerer Frieden – ohne Gerechtigkeit nur ein trügerischer Waffenstillstand

Jesus spricht:

Selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit…

…selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden.

Um Gerechtigkeit zu bekommen, setzen sich Menschen intensiv ein mit  gewaltlosen Protesten, Massendemonstrationen und zivilem Widerstand.

In Ländern wie dem Iran sehen wir landesweite Protestbewegungen, in denen Menschen für soziale und politische Veränderungen eintreten und sogar mit Repression konfrontiert sind.

In Afrika stehen Staaten wie Sudan oder Südsudan im Schatten wieder aufflammender Gewalt, während Friedensabkommen und internationale Vermittlungsversuche noch keine nachhaltigen Lösungen gebracht haben.

In den USA eskaliert die Ungerechtigkeit von Tag zu Tag.

Und auch in Europa bestimmen Debatten über Atomwaffen, Sicherheit und Abschreckung die politische Agenda – Debatten, die zeigen, wie schwer Frieden ist, wenn er nur als strategisches Gleichgewicht verstanden wird.

Jesus nennt diese Menschen selig: nicht nur die Erfolgreichen, sondern jene, die für Gerechtigkeit hungern, die daran leiden, dass Menschenrechte verletzt werden, dass Ressourcen ungerecht verteilt sind und dass Mächte ihre Interessen über das Leben der Vielen stellen.

  1. Frieden als Gottesfrage

Schließlich sagt Jesus:

Selig die Friedensstifter; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.

Friedensstifter sind heute nicht nur Diplomaten in Verhandlungen. Sie sind all jene, die versuchen, Brücken zu bauen – auch über Konfliktlinien hinweg. Und sie sind real betroffen von den politischen Konstellationen unserer Zeit, in denen multilaterale Kooperation unter Druck steht, während Rivalitäten und Machtpolitik wachsen.

Die UNO zum Beispiel selbst steht vor strukturellen und finanziellen Herausforderungen, die ihre Rolle im Weltgeschehen erschweren und damit das Leben von Millionen beeinflussen.

Und doch gibt es Zeichen des Friedenswillens: Initiativen wie die erneuerte Tradition der olympischen Waffenruhe, die weltweit zum Innehalten aufruft, sind ein Symbol dafür, dass der Wunsch nach Einheit und Geschwisterlichkeit nicht verstummt ist.

Jesus stellt Frieden nicht neben die Macht, sondern gegen die Macht, die Leben zerstört. Wer Frieden stiftet, erzeugt neue Beziehungen. Wer Frieden liebt, lässt sich nicht instrumentalisieren – weder von aggressiven Interessen noch von gefährlicher Gleichgültigkeit.
Und das hat sehr viel mit unserem Gottesbild zu tun.  Und dieses Gottesbild muss immer wieder mal auf den Prüfstand.
Wir glauben an einen Gott des Friedens. Wir bezeichnen Jesus als Friedensfürst. Wir sehen den Heiligen Geist als Friedensstifter an.

Liebe Schwestern und Brüder,

Die Seligpreisungen sind kein frommes Beiwerk.

Sie sind ein politisches Evangelium:

Frieden kommt von Gott, beginnt in unseren Herzen und er führt hinaus in unsere Welt, in die konkreten Herausforderungen unserer Zeit.

Es geht um einen Frieden, der gerecht macht.

Einen Frieden, der verändert.

Einen Frieden, der Gemeinschaft stiftet, statt zu spalten.

Selig, die diesen Frieden suchen und leben.

Denn durch sie wird Gottes Friede sichtbar – hier und jetzt.

Amen.

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