Liebe am Limit

Der Buchkatalog Open Library führt, wenn man mal schnell einen ersten Überblick bekommen möchte, unter dem Themenbereich “Liebe/ Love” 93.651 Werke.
Die Gesamtzahl der Bücher, die weltweit über die Liebe geschrieben worden sind, ist aber nicht erfassbar.
Jeder Mensch braucht Liebe. Wie kompliziert wir uns das aber machen, wie verletzend das so oft ist, und wie wenig liebevoll wir tatsächlich sind, wissen wir alle, obwohl doch so viele Bücher darüber geschrieben werden. Auch die Vorhängeschlösser, die weltweit so gerne befestigt werden, um ewige Liebe eines Paares sicherzustellen, helfen uns letztlich nicht dabei, liebevoller zu leben.

Und da kommt nun Jesus vorbei und gibt uns ein Wort über die Liebe, das zu den wichtigsten Versen des Evangeliums gehört. Auf eine sehr juristisch klingende Frage eine Pharisäers, nämlich “Welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?” sagt Jesus die berühmten Worte: “Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das wichtigste und erste Gebot.
Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.” (Vgl. Mt 22,34-40).

Gott ist Gott und braucht unsere Liebe nicht. Es ändert nichts an seinem Gott-Sein, wenn wir ihn lieben. Aber UNS verändert es, wenn wir das tun. Je mehr wir Gott lieben, desto mehr kommen wir weg von dem, was uns von ihm trennt, und außerdem sehen wir viel eher und viel mehr, wer neben uns steht und unsere Liebe braucht, nicht nur theoretisch in Gedanken, sondern ganz praktisch.
Und das ist der Anfang des zweiten Gebotes: Den Nächsten zu lieben.
Es reicht aber nicht aus, Gott und den Nächsten zu lieben, so wichtig das auch ist. Wenn ich mich selbst vergesse, mich selbst nicht liebe, dann gerät etwas aus dem Gleichgewicht, das notwendig ist für unseren seelischen Frieden.

Sich selbst zu lieben hat, jesuanisch verstanden, nichts mit Egoismus, Selbstverliebtheit oder Narzissmus zu tun. Es bedeutet, sich selbst anzunehmen, sich wertzuschätzen, sich als von Gott geschaffen und angenommen zu fühlen – mit all den eigenen Talenten und auch den Einschränkungen.

Wir brauchen eine Balance zwischen der Liebe zu Gott, zum Nächsten und zu uns selbst, um nicht in eine einseitige, krankhafte Selbstaufopferung zu kommen. Denn das wäre eine Liebe an einem sehr ungesunden Limit.

Die beiden wichtigsten Gebote Jesu zu beachten ist da eine gute Prävention.

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