Warum feiern wir Weihnachten?

Predigt an Heiligabend 2022 – Ökumenische Christmette
24.12.2022, International Lutheran Church, Seoul

Warum feiern wir Weihnachten?
Liebe Kinder und Jugendlichen, liebe Schwestern und Brüder hier in der Kirche und an den
Bildschirmen irgendwo in der Welt!
Ich habe in den letzten Tage viel Post bekommen. Das meiste davon kam digital, über
WhatsApp zum Beispiel oder über E-Mail.
Und es berührt mich, wie viele Menschen an mich denken und mir oft sehr persönliche
Dinge erzählen. Da geht es um die Kinder, die heranwachsen und ihren eigene Weg suchen.
Von Jugendlichen wird erzählt, wie kritisch sie die Welt sehen und dass sie nicht mit allem
einverstanden sind, was die Eltern so sagen und tun. Und die Erwachsenen sind oft sehr
nachdenklich – es passiert einfach sehr viel in der Welt. Zu viele negative Schlagzeilen, zu viel
Leid auf der Welt. Und wenn dann ein Spendenaufruf kommt, dann muss man sich heute viel
intensiver fragen, wofür man das Geld gibt, weil die Energiepreise immer mehr steigen und
die Lebensmittel auch nicht billiger werden.
Mir wird berichtet von Krankheiten und von lieben Menschen, die kürzlich verstorben sind.
Es gibt so viel Dunkles auf der Welt – und das hat Konsequenzen.
Ich möchte heute von einem guten Freund erzählen, dessen Weihnachtsbrief letzte Nacht
ankam. Dieser Brief ist ziemlich kurz. Und er zeigt uns, was wichtig ist an Weihnachten – und
über Weihnachten hinaus.
Zunächst schreibt er ein Zitat aus der Bibel, aus dem Alten Testament. Wir finden diesen Satz
beim Propheten Jesaja:
„Das Volk, das im Dunkeln saß, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des
Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.“
Und dann schreibt er weiter:
Danke und Vergelt’s Gott allen, die mich im vergangenen Jahr immer wieder mit diesem Zitat
daran erinnert haben, dass es neben all der Dunkelheit, die wir wahrnehmen, noch viel mehr
Licht gibt.
Es ist mir nicht immer gelungen, diesem Licht zu folgen und es sichtbar zu machen -vielleicht
weil ich mich an die Dunkelheit schon mehr gewöhnt hatte als ans Licht.
Aber gerade in einer Zeit, in der es einfacher scheint, es sich in der Dunkelheit gemütlich
einzurichten und dabei über zu wenig Licht zu jammern, habe ich das Beispiel eines Lebens
aus der Kraft der Hoffnung und des Vertrauens gebraucht und zu schätzen gelernt.
Gottes Licht strahlt wirklich – in der Höhe, in der Krippe, in der Kirche, in Menschen.
Gesegnete Weihnachten und Gottes ermutigendes Licht für das neue Jahr 2023!
Ich glaube, dass dieser Brief viele von uns angeht. Geschrieben hat ihn ein Mann, der wieder
neu entdeckt hat, wie wichtig das Licht ist und wie gut es ihm tut, aus dem Dunkeln wieder
in das Licht zu kommen.
Die Pandemie hat uns allen sehr viel Freude genommen. Und wenn ein Volk im Krieg leben
muss, ist das sehr schlimm. So vieles läuft schief in unserer Welt.
Und deswegen habe ich heute vier Wünsche mitgebracht. Ein Wunsch an die Kinder, ein
Wunsch an die Jugendlichen und ein Wunsch an die Erwachsenen. Und am Schluss noch ein
Extrawunsch.
Der erste Wunsch geht an euch, die Kinder:
Ich wünsche dir, dass du nie vergisst, wie schön es ist, auf das Licht zu schauen. Das Licht an
der Krippe, das Licht am Weihnachtsbaum, das Licht in der Kirche. Denn Licht tut uns gut!
Wenn du merkst, dass du traurig bist, dann schau dorthin, wo etwas Licht ist. Und wenn es
das Licht noch so klein ist, zum Beispiel nur so groß wie dieses Teelicht hier – es wird dir
helfen. Es wird dein Licht etwas heller machen. Es wird dir zeigen, dass es weiter gehen wird
in deinem Leben. Vergiss es nie: Schau immer wieder auf das Licht.
Der zweite Wunsch geht an euch, liebe Jugendliche:
Es ist für euch nicht immer so leicht, euren Weg ins erwachsene Leben zu finden. Ich
wünsche euch, dass ihr euch treu bleibt. Denn ganz tief in eurem Inneren spürt ihr, dass es
ein Ziel in eurem Leben gibt. Dass es einen Sinn gibt. Auch wenn dieser Sinn und dieses Ziel
immer wieder überdeckt sind. Wenn ihr euch Zeit für euch nehmt und in euch hinein spürt,
dann werdet ihr finden, wonach ihr sucht. Und wenn ihr dann noch daran denkt, dass auch
euch ein Licht geschenkt ist, euch ganz persönlich – nämlich das Licht aus der Krippe, dann
werdet ihr immer genug Kraft und Energie haben, um Schritt für Schritt durch dieses Leben
zu gehen. Übrigens sind es zuweilen auch eure Eltern, die für euch Licht sein möchten – es
lohnt sich, da mal hinzuspüren.
Der dritte Wunsch geht an alle Erwachsenen.
Ich wünsche euch, dass ihr euch erinnert. An eure Kindheit und an eure Jugend. An die
Träume, die ihr mal hattet. Und daran, welche Zuversicht ihr gespürt habt. Unser Leben als
Erwachsene ist so oft geprägt von den Notwendigkeiten des Lebens. Versicherungen,
Rechnungen, Hektik, Leistungsdruck, Verantwortung für andere, Einkaufen, Haushalt,
Putzen. Oft bis zur Erschöpfung. An Weihnachten ist eine gute Gelegenheit, mal dem
anderen Teil des Lebens Raum zu geben. Dem Schönen, dem Lichtvollen. Überhaupt mal
unseren Gefühlen: In der Trauer sich über die schönen Momente des Miteinanders zu
freuen. In der Krankheit zu sehen, was Ärztinnen und Ärzte und das Pflegepersonal für mich
leisten, auch wenn die alle nicht zaubern können. In der Sehnsucht nach Frieden und
Gerechtigkeit die eigenen Möglichkeiten sehen und dort einsetzen, wo es möglich ist.
Liebe Kinder und Jugendlichen, liebe Schwestern und Brüder,
Weihnachten ist das Fest des Lichtes, weil wir alle so viel Licht brauchen. Und weil wir Licht
oft übersehen. Dann ist es gut, daran erinnert zu werden. Dann ist es gut, wenn uns jemand
sagt: Schau mal dahin: Es gibt nicht nur Dunkelheit. Es gibt viel viel mehr Licht.
Jesus Christus ist das Licht der Welt. Das Licht in unseren Dunkelheiten. In unsere Dunkelheit
hinein.
Und das ist mein vierter Wunsch:
Feiern wir Weihnachten, feiern wir die Geburt Gottes als Mensch, feiern wir die Geburt des
Erlösers, indem wir uns öffnen für das Licht. Wir können das einüben. Zunächst das Licht
eines Teelichtes wahrnehmen. Und dann das Licht einer großen Kerze. Und schließlich
können wir uns auch öffnen für das Licht der Sonne.
Ganz gleich, wie wir damit anfangen: Jesus ist und bleibt das Licht in unserer Welt, in
unserem Leben.
Frohe und lichterfüllte Weihnachten – euch den Kindern, euch den Jugendlichen, euch den
Erwachsenen – und allen, die ihr lieb habt und die euch anvertraut sind.
Amen.

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