Die Fastenzeit ist die Zeit zum Innehalten, Auszeit nehmen, auf sich und auf Gott hören.
Regelmäßig machen viele von uns das eher selten, schon gar nicht im mit hohem Leistungsdruck ausgestatteten Südkorea.
Umso wichtiger ist es dann, jede Gelegenheit dazu zu nutzen. Solche Momente werden uns im Alltag immer wieder geschenkt, es ist einfach wichtig, sie zu auch wahrzunehmen. Zu erkennen, dass mir da gerade so ein Moment geschenkt wird, während ich zum Beispiel mit dem Auto vor der roten Schranke stehe, ist sicher ein wenig Übungssache, aber machbar.
Und dann könnte ja im Handschuhfach unserer Gedankenwelt eine Bibelstelle parat liegen. Zum Beispiel diese hier aus dem Buch des Propheten Joel: “Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider, und kehrt um zum Herrn, eurem Gott!” (Joel 2,13).
Das ist eine oft gelesene Fastenzeit-Bibelstelle. Sie bezieht sich auf die damals üblichen Zeichen der Buße: Fasten, in Sack und Asche leben, die eigenen Kleider zerreißen. Das heißt nichts anderes als nach außen hin zu zeigen, dass man gläubig ist und alle Vorschriften einhält.
Der Prophet Joel geht nun hin und übt eine scharfe Kultkritik. Und wie bei den Propheten so üblich, können wir auch bei ihm davon ausgehen, dass er damit angeeckt ist. Wer lässt sich schon gerne kritisieren?
Jesus kannte natürlich auch diesen Text aus dem Alten Testament. Auch er kritisiert demonstratives Fasten und warnt vor religiöser Selbstdarstellung vor Menschen (vgl. Mt 6,16–18). Für ihn soll das Fasten im Verborgenen geschehen und allein auf Gott ausgerichtet sein.
Dieses “Im Verborgenen” können wir auch auf unseren Alltag übertragen. Nach dem Evangelium zu leben hat nicht zwingend die Konsequenz, ein Megaphon zu nehmen und es damit allen zu erzählen. Es heißt vielmehr, das eigene Tun immer wieder auf Gott auszurichten, den eigenen Kompass immer wieder neu zu justieren. Das geht auch an der roten Schranke.