Nun lässt du Herr…

Predigt zum Fest der Heiligen Familie, Sonntag 31.12.2023 zu Lk 2,29

Liebe Schwestern und Brüder,
am letzten Tag des Jahres 2023 schau ich dankbar zurück auf eine gute Zeit. Es
war das erste komplette Kalenderjahr meines Dienstes hier in Korea. Wir haben
Erstkommunion und Firmung gefeiert, wir haben das Kirchenjahr auf ganz
unterschiedliche Weise angeschaut und gefeiert, und es gab einige besondere
Veranstaltungen wie zum Beispiel die meditativen Taizéabende hier in der
Kirche. Wir haben Gründonnerstag zusammen mit der englischsprachigen
Gemeinde und die Osternacht als echten bilingualen, zweisprachigen
Gottesdienst deutsch-französisch gefeiert. Nach jedem Sonntagsgottesdienst
gab es das Kirchencafé und hier gab es Begegnungen in mindestens 8 Sprachen,
nämlich deutsch, französisch, englisch, spanisch, italienisch, koreanisch,
japanisch und chinesisch.
Ich finde das ganz gut, wenn wir uns erinnern an die vielen guten Begegnungen,
Situationen, Atmosphären.
Zuweilen gab es auch schwierige Momente – Momente des Ärgers und des
Unverständnis. Das waren Situationen, die nicht nur mit kulturellen Differenzen
zu erklären sind, sondern durchaus auch mit menschlichem Versagen. Das war
schwer auszuhalten, aber einiges konnte wieder geklärt und friedlicher werden.
Das was noch nicht geklärt ist, braucht wohl noch Zeit – aber wir sollten alle das
Ziel im Blick haben, letztlich mitzuarbeiten am Frieden in der Welt – und der
beginnt bekanntlich bei uns selbst.
Daher ist es auch gut, wenn wir uns an das nicht Gelungene erinnern. Wir
sollten dabei aber nicht stehen bleiben und uns bewusst machen, dass wir alle
nur Menschen sind, die sich bemühen, einen guten Weg zu gehen. Als Single, in
der Partnerschaft, in der Familie. Da geht es manchmal durchaus chaotisch zu.
Nun feiern wir ja heute das Fest der heiligen Familie. Es gibt hier ein sehr
großes Missverständnis. Der Begriff „Heilig“ bezieht sich nicht darauf, dass es
zwischen Maria, Josef und Jesus immer nur friedlich zugegangen wäre – wir
wissen, dass es dort auch Streit und Sorgen gab. Das Attribut „Heilig“ bezieht
sich auf die Tatsache, dass in dieser Familie Gott ganz besonders mit im Spiel ist.
Er, dessen Geist mit Maria das Kind Jesus gezeugt hat, hat in seinem Heilsplan
beschlossen, dass dieses Kind der Erlöser ist. Er hat beschlossen, dass er, Gott,
selbst auf die Welt kommt und Mensch wird, um uns zur Seite zu stehen, um
unsere Schuld auf sich zu nehmen und uns durch den Tod am Kreuz zu erlösen.
Jesus, der Heilige, der Heiland, ist in dieser Familie geboren und aufgewachsen
und hat dadurch diese Familie geheiligt. Überall da, wo Jesus ist, ist das Heil, ist
etwas schon heilig oder wird etwas heilig.
Wenn wir also Jesus in unser Leben unserer Familie aufnehmen und ihm Raum
geben, dann wird auch unsere Familie, dann wird auch unser Leben heilig.
Der greise Simeon hat das begriffen. Er hält das Kind Jesus in den Armen und
spürt, dass er am Ziel seines Lebens angekommen ist. „Nun lässt du, Herr,
deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.“ – das sagt er und fährt
fort: „Denn meine Augen haben das Heil gesehen.“
Jeder von uns, der – ob Mann oder Frau, ob Kind oder Jugendlicher oder alter
Mensch -Jesus aufnimmt, wie Simeon das getan hat, schaut das Heil. Und wird
selber heilig.
Amen.

Entdecke mehr von Edgars Reiseblog

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen