Predigt am 09.02.2025
Liebe Schwestern und Brüder,
gestern Vormittag gab es etwas ganz Besonderes in unserem Gemeindesaal. Vier Kinder aus unserer Gemeinde sind auf dem Weg zur Erstkommunion, und sie haben sich viele Gedanken gemacht. Gemeinsam haben wir verschiedene Bibelstellen angeschaut. Da war die Geschichte vom Zachäus, der sein Leben verändert hat und die Menschen nicht mehr übervorteilt hat. Da war die Geschichte vom Bartimäus, der blind war und von Jesus geheilt wurde und wieder sehen konnte. Wir haben gemerkt: Jesus möchte für die Menschen etwas Gutes. Er verändert ihr Leben.
Und dann haben wir auch einen Blick in das heutige Evangelium geworfen.
Dort geht es um Fischer, die in der Nacht ausgefahren sind. Sie haben ihre Netze ausgeworfen – und sie sind leer geblieben. Ein leeres Netz bedeutet: keine Fische, nichts zu verkaufen, nichts zu essen. Die Jünger waren müde, enttäuscht und frustriert. Die ganze Nacht gearbeitet – und nichts.
Dann kommt Jesus und sagt: Fahrt noch einmal hinaus und werft die Netze aus. Das widersprach eigentlich jeder Vernunft. Wenn man nachts nichts fängt, warum sollte es am Tag besser sein? Petrus war müde und wahrscheinlich nicht besonders begeistert. Aber er sagt: Wenn du es sagst, dann machen wir es noch einmal.
Und dann geschieht das Unglaubliche: Die Netze sind plötzlich voll. So viele Fische, dass sie kaum zu tragen sind. Die Fischer sind erstaunt und überwältigt.
Das zeigt: Wenn Jesus etwas sagt und wir uns darauf einlassen, dann hat das Auswirkungen auf unser Leben – für Große und für Kleine, für Junge und für Alte.
Die Fische mussten natürlich aus den Netzen geholt werden. Es gab genug zu essen, genug zu verkaufen. Das war wichtig für ihr Leben.
Aber dann sagt Jesus noch etwas: Von jetzt an sollt ihr nicht mehr Fische fangen, sondern Menschen.
Was bedeutet das?
Es geht nicht darum, Menschen einzufangen und festzuhalten, als würde man sie in ein Netz einsperren und ihnen sagen: Du musst jetzt glauben. Darum geht es nicht.
Es geht darum, Menschen zu Jesus zu bringen. Das Netz ist ein Bild. Man kann Menschen „gewinnen“ durch Liebe, durch Zuwendung, durch das Erzählen von dem, was man selbst von Jesus erfahren hat. Dann werden andere vielleicht neugierig und sagen: Vielleicht ist das auch etwas für mich.
Liebe Schwestern und Brüder, das, was die Kinder uns gezeigt haben, gilt auch für uns alle.
Am Anfang des Gottesdienstes haben wir gefragt: Wie ist eigentlich mein Gottesbild? Wie sehe ich Gott? Was habe ich in meiner Kindheit gelernt?
Ist Gott für mich einer, der alles kontrolliert und Buch führt über meine Fehler? Einer, der straft? Oder ist er der Gott, der an meiner Seite steht? Der mir nahe ist? Der – wie Paulus sagt – für uns gestorben und auferstanden ist?
Theologisch ist diese Frage klar beantwortet. Aber entscheidend ist: Was mache ich persönlich daraus? Wird das Teil meines Lebens? Nehme ich diesen Jesus an – freiwillig, ohne Zwang, ohne Druck?
Glaube bedeutet Freiheit. Immer wieder neu die Entscheidung zu treffen für Jesus Christus. Für Versöhnung. Für Gerechtigkeit. Dafür, dass Menschen im Mittelpunkt stehen.
Als Christinnen und Christen sind wir aufgerufen, uns für den Frieden einzusetzen. Frieden beginnt nicht irgendwo weit weg. Frieden beginnt in unserem Herzen, in unserer Familie, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz, in unserer Gemeinde – und von dort kann er wachsen.
Jesus wollte uns nicht einsperren. Er wollte, dass wir Menschen zu ihm führen.
Darum bleibt die entscheidende Frage: Was ist mein Gottesbild? Wie gehe ich mit den Texten um, die wir Sonntag für Sonntag hören? Wie sehr öffne ich mich dafür? Und wie sehr trage ich in meinem eigenen Leben dazu bei, dass es mehr Gerechtigkeit gibt in dieser Welt?
Amen.