In der Begegnung mit Jesus beginnt Kommunikation (Mk 7,31-37)
Predigt am Sonntag, den 8. September 2024
Zum Segnungsgottesdienst für Paare
Liebe Gemeinde, vor allem aber liebe Paare.
Wie geht es euch in eurer Beziehung?
Ob ihr nun verheiratet seid oder nicht – ihr habt mehr oder weniger lange Erfahrung damit, gemeinsam durchs Leben zu gehen.
Da gibt viel, sehr viel Alltag. Ihr geht arbeiten oder studieren, ihr habt den Haushalt.
Und zu den manchmal schwierigeren Aspekten dieses Alltags gehört es, dass man sich so ganz und gar kennenlernt. Das ist ja eigentlich etwas Schönes, und das wollen ja auch alle, die sich in jemanden verliebt haben – einander durch und durch kennen lernen.
Diejenigen von uns, die schon sehr lange zusammen sind – bei Christine und mir sind es 37 Jahre inzwischen – wissen, dass es nicht nur Vorteile hat, den anderen so gut zu kennen. Je besser man sich kennt, desto mehr kennt man auch die kleinen und großen Fehler des anderen – und wer von uns gibt schon gerne zu, Fehler zu haben?
Es ist aber nun mal Teil einer intensiven Liebensbeziehung, dass man sehr viele Eigenarten des Partners, der Partnerin kennenlernt. Und dadurch zuweilen erlebt dass die Kommunikation gestört ist.
Man kann über bestimmt Aspekte nicht mehr reden. Die Beziehung ist gestört.
Und das lässt mich nachdenken über die Grundfrage: Was ist denn eigentlich Beziehung? Eine Beziehung ist eine Verbindung oder ein Verhältnis zwischen zwei Menschen, bei der Kommunikation eine große Rolle spielt. Natürlich geht es auch um Emotionen und Interaktionen.
Und da hilft uns auch die Bibel weiter.
Die Heilung des taubstummen Mannes in Markus 7,31-37 können wir als eine Geschichte verstehen, in der es um eine Beziehung geht, die ermöglicht wird. Es geht um eine körperliche Heilung, durch es wieder möglich wird, in sozialen Beziehungen wieder Fuß zu fassen. Die Gehörlosigkeit und dadurch die Sprachbehinderung haben den Mann sehr eingeschränkt. Er war dadurch sehr isoliert. Jesus greift ein in diese Isolation, indem er ihn heilt. Er verwendet dabei Gesten und Rituale (er nimmt ihn beiseite, er berührt seine Ohren und Zunge, er blickt zum Himmel, er seufzt tief), die eine tiefe Verbindung und Mitgefühl ausdrücken. Wir spüren: Diese Heilung hat nicht nur eine körperliche, sondern auch eine spirituelle Dimension.
Nach der Heilung kann der Mann nicht nur wieder hören, sondern auch klar sprechen. Er kann wieder aktiv am sozialen Leben teilzunehmen. Er kann seine Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse ausdrücken und sich mit anderen Menschen austauschen. Dies ermöglicht ihm, neue und tiefere Beziehungen aufzubauen, die zuvor aufgrund seiner Behinderung nicht möglich waren.
Jesus, also Gott, greift ein in das Leben, durchbricht Barrieren und führt Menschen in die Gemeinschaft zurück.
Und damit komm ich wieder zurück auf die Frage, wie es euch in eurer Beziehung geht.
Wir schauen so gerne dahin, wo es gut läuft, und nur sehr ungerne dorthin, wo die Beziehung problematisch ist.
Und auch wenn wir genau wissen, was wir selber falsch machen, finden wir doch immer wieder Grund, dem anderen einen Vorwurf zu machen. Das ist scheinbar viel leichter, als sich den eigenen Problemen zu stellen. Tatsächlich aber wird genau dadurch die Beziehung belastet.
Wir kommen dann auf Dauer gut miteinander aus, wenn wir radikal ehrlich sind – zuerst ehrlich zu uns selbst. Der Partner, die Partnerin spürt das Ringen darum, sich zu ändern, und weiß das zu schätzen.
Wenn wir das tun, befreien wir uns von den Barrieren, bauen Mauern zwischen uns ab und finden neu zueinander. Ich kann nicht den anderen ändern – ich kann nur mich selbst ändern. Und immer wieder brauch ich dazu die Hilfe von Jesus. Wir können ihn einfach bitten um seine Unterstützung, um sein Eingreifen, und darum, dass er uns heilt.
Wenn das geschieht, ist immer Segen dabei. Segen heißt: Ein gutes Wort sprechen. Oder auch, in unserem Kontext: Gott sein gutes Wort in unser Leben sprechen lassen.
Amen.