Predigt am 16.02.2025 Auf Augenhöhe mit den Menschen
Liebe Schwestern und Brüder,
die Worte, die wir gerade aus dem Lukasevangelium gehört haben, gehören zu den sogenannten Seligpreisungen. Jesus spricht hier zu seinen Jüngern, aber auch zu einer großen Menschenmenge. Sie sind aus allen Richtungen gekommen, weil sie spüren: In diesem Mann ist eine Kraft, die heilt – nicht nur den Körper, sondern auch das Herz.
Lukas überliefert diese Szene anders als Matthäus. Während Matthäus Jesus auf einen Berg steigen lässt, spricht Lukas von einer Ebene. Jesus stellt sich also auf eine Stufe mit den Menschen, die zu ihm kommen. Er schaut sie an – die Armen, die Hungernden, die Weinenden – und er sagt: Selig seid ihr.
Nicht, weil Armut oder Leid an sich gut wären, sondern weil Gott sie ansieht, weil er ihr Schicksal nicht übersieht.
Jesus verkündet: Das Reich Gottes ist nahe. Das bedeutet nicht nur eine Hoffnung auf das Jenseits, sondern eine neue Wirklichkeit, die schon hier beginnt. Mit Jesus selbst ist diese Wirklichkeit angebrochen. Wo er Menschen berührt, wo er heilt und aufrichtet, da geschieht das Reich Gottes bereits.
Doch diese Botschaft ist auch unbequem. Jesus spricht nicht nur Seligpreisungen aus, sondern auch Weherufe. „Wehe euch, die ihr jetzt satt seid, denn ihr werdet hungern.“ Er warnt diejenigen, die meinen, sich auf ihrem Reichtum oder ihrer Sicherheit ausruhen zu können, ohne die Not anderer wahrzunehmen.
Damit macht Jesus deutlich: Das Reich Gottes ist nicht nur ein schöner Traum für die Zukunft. Es fordert uns schon jetzt heraus. Es ist nicht nur eine Trostbotschaft für die Leidenden, sondern auch ein Anruf an uns alle, die Welt mit den Augen Gottes zu sehen und entsprechend zu handeln.
Wer sich auf dieses Reich einlässt, wird vielleicht auf Widerstand stoßen, wird vielleicht anecken – so wie die Propheten es getan haben. Aber genau dann, sagt Jesus, sind wir auf dem richtigen Weg.
Denn das Reich Gottes ist mitten unter uns. Wir können es erahnen, wenn wir nach Gerechtigkeit suchen, wenn wir teilen, wenn wir uns berühren lassen von der Not anderer.
Amen.