Selig seid ihr

Predigt 4. Sonntag i.J. A, 29.01.2023

Liebe Schwestern und Brüder,
die Seligpreisungen gehören zu den bekanntesten Texten aus dem Neuen
Testament. Sie sind Teil der Bergpredigt Jesu. Diese Bergpredigt steht am
Anfang seines öffentlichen Wirkens.
Wir können davon ausgehen, dass Jesus mit etwa 30 Jahren aus dem
geschützten Bereich seiner Familie herausgegangen ist. Bis dahin hat er als
Zimmermann gearbeitet. Wahrscheinlich hat er sogar ganze Häuser gebaut:
Verschiedene Gleichnisse lassen uns das vermuten.
Ein Zimmermann, der ganze Häuser baut, ist ein sehr praktisch begabter
Mensch. Ein Praktiker, der mitten im Leben steht. Jemand, der weiß, was die
Menschen brauchen.
Jesus war aber auch jemand, der dreißig Jahre seines Lebens mehr oder
weniger zu Hause gelebt hat. Er war neben seiner handwerklichen Arbeit auch
sehr belesen. Wir wissen von ihm, dass er schon mit 12 Jahren im Tempel saß
und den Schriftgelehrten die Bibel erklärt hat. Jesus hat das Wissen um die
Schriften immer mehr vertieft. Letztlich hat er sich 30 Jahre lang vorbereitet auf
seinen ersten richtigen Auftritt. Und den hatte er mit der Bergpredigt.
Mit diesem Text, den wir vorhin gehört haben, mit dieser Predigt stellt sich
Jesus in eine ganz alte Tradition: In die Tradition der Makarismen. Ein
Makarismus ist eine Heilszusage.
Schon seit dem Jahr 1300 vor Christus, also seit der Zeit von Ramses dem
Zweiten, gibt es in Ägypten Sprüche, die einzelne Personen anreden mit dem
Wort „Glücklich ist derjenige, welcher…“ . Damit wurden Tugenden gelobt.
In der Bibel stehen die meisten Makarismen in den Psalmen. Jesus kannte
natürlich alle diese Seligpreisungen im Alten Testament. Und er wusste auch,
dass viele dieser Makarismen gerichtet waren an Menschen, die große soziale
Not litten.
Beim Propheten Jesaja finden wir ebenfalls genau solche Seligpreisungen.
Und Jesus, der Praktiker und Schriftgelehrter zugleich war, nimmt nun diese Art
der Seligpreisungen und beginnt seine Bergpredigt damit.
Wie macht er das? Ich stelle mir vor, dass er sich die Menschen angeschaut hat,
die ihm da zugehört haben. Viele davon kannte er schon, er hatte für sie schon
Häuser gebaut. Er kannte ihre Not und ihre Trauer, er wusste um
Gewalterfahrungen, er hatte miterlebt, wie ungerecht es in der Welt zugeht. Er
wusste um die Sehnsucht der Menschen nach Frieden. Und auch damals gab es
schon Mobbing und Verleumdung und Verfolgung.
Jesus weiß das alles. Und er weiß, dass die Menschen seinen Trost brauchen.
Daher nimmt er die stilistische Form der Seligpreisungen und verknüpft sie mit
der Heilszusage, dass es den Menschen besser gehen wird, weil Gott an ihrer
Seite steht. Er macht das genauso, wie es eben auch Jesaja gemacht hat. Die
Menschen brauchen in ihrer Not die Zusage Gottes, sie brauchen diese
Perspektive in ihrer großen Not.
Zudem bringt er sich selber ins Spiel. Am Schluss heißt es: Selig seid ihr, wenn
ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise
verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.
Jesus illustriert hier seine Botschaft,
in dem er die Brücke schlägt vom ganz normalen Alltag mit aller Not der
Menschen hin zur Heilszusage Gottes für alle Menschen.
Gleichzeitig präsentiert er sich als derjenige, der der Weg und die Wahrheit und
das Leben ist.
Die Botschaft kommt an bei den Menschen. Wir wissen, dass die Menschen
sich sehr für seine Worte interessiert haben. Sie wurden damals auch
diskutiert, und das ist bis heute so.
Jesus sagt uns heute: Ihr seid selig, auch wenn ihr große Not leidet, ganz gleich
welche Not das ist, weil ich an eurer Seite stehe. Weil die Zusage Gottes auch
euch gilt. Euch allen, die ihr an mich glaubt und euch mit meinem Wort
beschäftigt und euer Leben nach der frohen Botschaft ausrichtet.
Das ist eine gute, eine frohmachende Botschaft. Lassen wir uns von ihr
beschenken und nehmen wir sie an als etwas, das unser Leben auf wunderbare
Weise bereichert. Amen.

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