Visitenkarte Jesu

Predigt am 18.08.2024 zu Joh 6,51-58

Heute gibt Jesus seine Visitenkarte ab.

Ich stell mir das mal so vor: Jesus betritt hier diesen Raum, diese Kirche, jetzt gleich, und gibt dir seine Visitenkarte.

Und da steht drauf: Jesus. Das lebendige Brot.

Mehr nicht. Keine Kontaktdaten, keine Handynummer, keine Email-Adresse, keine Website.

Und dann geht Jesus wieder, nachdem er dir sehr freundlich und aufmunternd zugenickt hat.  Und im Gehen sagt er noch: Wir bleiben in Kontakt.

Wie würdest du reagieren?

Im Kontakt bleiben? Wie soll das gehen?

Und du erinnerst dich daran, dass du im Evangelium genau das gehört hast: Ich bin das lebendige Brot.

Hilft das nun, um mit Jesus in Kontakt zu bleiben??

Nun gut, mehr Informationen haben wir ja jetzt nicht. Also gehen wir es an.

Es geht ums Brot. Brot ist für viele von uns wichtig. Immer mehr Bäckereien in Seoul bieten deutsches Brot an, und es wird auch viel selber gebacken. Brot ist etwas, das uns gut tut. Das ist doch mal ein erster Hinweis: Brot tut uns gut, also tut uns Jesus gut.

Dann geht es um ein Lebensmittel. Es geht ums Essen, das ist ja auch wichtig für uns, für unser Leben, für unser Überleben.

Was, wenn ich nun kein Brot habe? Wenn ich in einem Umfeld lebe, in einer Kultur lebe, die eher Reis isst?

Reis ist ja hier in Korea ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Würde Jesus nicht vielleicht eher sagen: Ich bin der lebendige Reis?

Ich hab hier Reiskörner. Die kann ich jetzt aber nicht so einfach essen. Ich muss etwas machen damit, so wie ich auch anderes Getreide brauche, um Brot herzustellen.

Hier hab ich gekochten Reis. Der ist nun essbar geworden.

Ich denke: Jesus könnte auch sagen: Ich bin der lebendige Reis. Und zwar deshalb, weil er ein Bild benutzt, um uns zu helfen, seine Botschaft zu verstehen und an ihn zu glauben.

Es geht Jesus nicht darum, ob wir nun lieber Brot oder lieber Reis essen.

Der ganze Satz aus dem heutigen Evangelium lautet:

Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.

Noch einmal:

Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.

 

Brot oder Reis ist nicht entscheidend. Es geht darum, dass

  1. Jesus uns nahe sein will – und im Bild der Nahrung können wir das sehr gut verstehen
  2. Er ist vom Himmel gekommen, er ist von Gott gekommen – das heißt, dass wir durch ihn direkte Berührung mit Gott haben.
  3. Er ist tatsächlich Nahrung. Denn nachher feiern wir hier an diesem Altar zusammen mit P. Josef Eucharistie und wir werden Jesus als Nahrung empfangen in der Kommunion.
  4. Und schließlich: Die Aussage lautet: ich bin das LEBENDIGE Brot. Lebendig können wir verstehen als lebensspendend. Es geht Jesus um uns, um unser Leben, um unsere Seele.

Er möchte, dass wir lebendig sind. Die einzige Speise, die uns wirklich am Leben hält, ist und bleibt die Eucharistie. Wir empfangen den Leib Christi – wir empfangen das lebendige Brot.

Damit überleben wir in schweren Zeiten, und dadurch leben wir in Ewigkeit.

In diesem Sinne: Bleiben wir lebendig.

Amen.

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