Predigt am Sontag den 07. Juli 2024 zu Mk 6,1b.2-6
Liebe Schwestern und Brüder,
es ist Sommerzeit und viele aus unserer Gemeinde sind in Urlaub gefahren. Andere sind umgezogen oder stehen kurz davor, Korea zu verlassen, um in einem anderen Land zu leben.
Viele spüren, dass es gut ist, einfach mal etwas langsamer zu machen. Ich merke das schon beim Wetter – die Hitze macht mir schon zu schaffen, und die Luftfeuchtigkeit ist manchmal schwer auszuhalten.
Wenn wir unsere Aktivitäten etwas runterfahren, dann gibt es mehr Gelegenheit, auf Gott zu hören, auf sein Wort, das uns durch Christus näher gebracht wird.
Auch jetzt und hier ist das der Fall. Wir sind hier in der Kirche vor Ort oder über YouTube zugeschaltet, um uns eine kleine Auszeit zu nehmen.
Wir erhalten eine kleine Erfrischung – einfach durch das Zuhören und Nachdenken.
Im heutigen Evangelium gehen die Menschen in die Synagoge zum Gottesdienst und kommen ins Staunen. Das was Jesus da erzählt hat eine Tiefe, hat etwas Besonderes, etwas Neues – es tut einfach gut, ihm zuzuhören.
Und sie geraten außer sich vor Staunen. „Ist das nicht der Zimmermann?“ sagen sie – Was nichts anderes heißt als: Das ist doch nur ein einfacher Mann, der ist doch bei uns hier im Dorf aufgewachsen, den kennen wir doch, der ist nichts Besonderes, was bildet der sich da ein?
Und schon ist die Stimmung ganz anders. Die Menschen trauen nicht den Worten, die Jesus erzählt, sie trauen nicht ihren eigenen Gefühlen, die gerade noch so schön waren – nein, sie halten sich fest an Klischees und Vorurteilen. Und deswegen lesen wir bei Markus: „Sie nahmen Anstoß an ihm“.
Jesus wundert sich. Er staunt. Er hatte schon so viele Zeichen gesetzt, er hatte schon so viele Brücken gebaut, um den Menschen vom Reich Gottes zu erzählen, und dennoch: Sie lassen sich nicht darauf ein. Sie glauben ihm nicht und sie glauben Gott nicht. Zunächst aber glauben sie sich selbst nicht und ignorieren ihr eigenes Staunen.
Daher zieht Jesus weiter – in den benachbarten Dörfern hofft er offenere Ohren zu finden und den Glauben an Gottes Taten wachsen zu sehen,
Ich finde seine Haltung bemerkenswert. Er könnte sich ja auch aufregen, dass die Menschen in seinem Heimatort ihn nicht akzeptieren. Er könnte traurig sein über den Unverstand der Menschen.
Statt dessen wundert er sich, er staunt – und dann heilt er – quasi im Vorbeigehen – noch ein paar Kranke, dann ist er weg.
Da sind vier Punkte, die wir uns merken können:
- Nicht jeder, der besonders angesehen ist, hat viel zu sagen
- Auch die scheinbar einfachen Menschen haben Gedanken, die uns weiterbringen können – wenn wir ihnen denn zuhören
- Es gilt, auf die Taten eines Menschen zu schauen. So wie Jesus noch ein paar Kranke heilt, was zunächst kaum aufgefallen sein dürfte, gibt es viele Menschen, die sehr viel Gutes tun – im Verborgenen, ohne viel Aufsehen. Und genau diese Taten helfen mit, dass unsere Welt ein bisschen friedlicher und heiler wird.
- Und schließlich viertens: Es lohnt sich, dem eigenen Staunen oder dem Staunen eines anderen Raum zu geben und es nicht gleich zu zerreden. Wenn wir staunen, öffnet sich unser Herz für etwas, das uns gut tut. Und die Beziehung zu Jesus Christus tut uns immer gut.
Amen.