Predigt am 5. Sonntag im Jahreskreis C zu Lk 5, 1-11
Fast jeden Abend nehme ich mir Zeit, um den an mir vorüberziehen zu lassen. Was habe ich gehört? Was habe ich geredet? Worüber und mit wem? Es sind so viele Worte, die wir sprechen.
Manche werden leicht dahingesagt, sind fast bedeutungslos.
Manche wiegen schwer, bahnen eine Veränderung an.
Manche sind spitz wie ein Pfeil und treffen tief, verletzen.
Manche prägen sich ein und oft entscheidet ein einziges Wort über das weitere Leben.
Und dann habe ich Sehnsucht nach einer anderen Art des Sprechens, und ich möchte andere Worte hören.
Worte, die mir mehr sagen, die für mich Bedeutung haben.
Ich empfinde es als ein großes Geschenk, wenn mir jemand Worte schenkt, in denen ich Vertrauen und Offenheit, in denen ich Leben und Lebendigkeit finden kann. Worte, die mir helfen, meinen Weg zu finden, die Mut machen, mit denen wir einander unterstützen. Ganz ähnlich erlebe ich es, wenn mir jemand seine eigene Geschichte erzählt, von seinen Erlebnissen und Erfahrungen, die ihn geprägt haben und die ihn dahin geführt haben, wo er jetzt ist. Dann wird Reden und Hören zum lebendigen Gespräch, das unter die Oberfläche geht.
Das Volk, das zu Jesus drängte, hat seine Worte gehört, seine Taten gesehen. Es drängte sich um Jesus, weil es Gottes Wort hören wollte. Offensichtlich haben die Menschen genau hingehört, welche Sprache Jesus spricht – und sie verstanden diese Sprache. Sie haben gehört, dass es nicht leere Worte sind. Sie haben gespürt, dass diese Sprache nicht nur ein Alltagsgespräch ist. Und sie haben erkannt, dass in diesen Worten eine Botschaft enthalten ist.
Jesus erzählt von Gott, von einem lebendigen Gott, der Leben und Heil für die Menschen will. Er erzählt von Gott, der befreit aus Lähmungen, Hass und Sinnlosigkeit. Seine Worte führen zum glauben, dass Gottes Reich hier begonnen hat. So wächst der Glaube der Menschen! Jesu Worte stillen die Sehnsucht nach Gottes Wort.
Das Evangelium zeigt, wie praktisch und lebensnah Jesus gedacht und gehandelt hat.
Viele, zu viele Menschen haben sich gefunden, um zuzuhören, und sie haben einfach keinen Platz mehr.
Deshalb bittet Jesus den Fischer Simon, ihn mit seinem Boot ein Stück auf den See hinauszufahren, damit ihn alle hören können.
Die Menschen können sich so auf sein Wort, auf seine Botschaft konzentrieren.
Und ein zweites zeigt, wie achtsam Jesus die Menschen um sich herum wahrgenommen hat: er hat gesehen, dass die nächtliche Arbeit der Fischer erfolglos war, dass ihr Mühen umsonst und entmutigend war.
Und er will ihnen helfen.
Was bewegt nun die Fischer, sich auf das Wort Jesu einlassen?
Was bewegt mich, gegen die eigene Erfahrung den Worten eines anderen zu trauen?
Ist es der Klang der Worte? Ist es, dass ich spüre, dass hinter diesen Worten mehr steckt? Ist es, dass ich glaube, dass es dem anderen wirklich um mich geht und nicht nur um seine eigenen Interessen?
Manchmal ist es doch so, dass ich mit meinem eigenen Latein am Ende bin. Die Ideen sind ausgegangen, der Mut verloren, die Kraft verbraucht. In solchen Momenten bin ich oft eher bereit, mich auf die Worte eines anderen einzulassen, statt auf mich und mein eigenes Wissen zu setzen. In Zeiten der Dunkelheit ist es schwer, Erfolg zu haben, einen Weg zu finden, trotz jahrelanger beruflicher Erfahrung.
Manchmal sind wir einfach blind und können das nicht mehr sehen, was vor uns liegt. Krisenmomente – sie mögen kleiner oder größer sein – können uns offen machen, wenn wir es zulassen. Da tut es gut, wenn uns jemand sagt, was wir tun sollen und damit Licht in die Dunkelheit bringt. Jemand, der uns in den Alltag zurückschickt. Jemand, der uns den Ort weist, wo wir hingehören.
Und so lassen sich die Fischer auf einen weiteren Versuch ein – gegen ihre Erfahrung. Denn wie soll man, wenn man schon nachts nichts fängt, am Tag Erfolg haben? Jesus dreht ihren Blick, gibt ihnen eine neue Perspektive.
Gegen alle Erfahrung lassen sich die Fischer auf die Arbeit am Tag ein – und sie haben mehr Erfolg, als je erwartet werden konnte. Dort, wo eigentlich »ihr« Ort ist, dort, an dem sie immer schon gearbeitet haben, —
dort, wo Jesus Gottes Wort verkündet – mitten auf dem See -, dort finden sie, was sie suchen. Und nicht nur das, sie merken, dass sie andere brauchen, um diese Fülle zu bewältigen, dass dieser reiche Fischfang für mehr da ist als nur für sie selbst.
Simon hat das verstanden. Er hat begriffen, was geschehen ist.
Er hat eine neue Perspektive, eine neue Dimension. Und er spürt wohl auch, dass der bisherige Raum dafür nicht mehr reicht: Es geht um mehr als Fische, um mehr als Alltagserfolg, um mehr als Reichtum.
Es geht um eine andere Nahrung, die die Menschen genauso brauchen wie das tägliche Brot. Es geht um Gottes Wort, um die Nähe zwischen Gott und Mensch, um Verkündigung.
Was bewirkt, dass wir alles stehen und liegen lassen? Dass wir eine neue Richtung einschlagen? Was bringt uns dazu, Bisheriges hinter uns zu lassen und unbekannte Wege zu gehen? Vielleicht, weil wir spüren, dass diese Veränderung zu uns, zu unserem Leben passt und es weiterführt.
Vielleicht, weil wir spüren, dass wir Gegenargumenten eine Berufungsgeschichte gegenüberstellen können, und dass diese Berufungsgeschichte all den Anfragen standhält.
Vielleicht, weil wir spüren, dass Gott es ist, der uns zur Nachfolge ruft, der uns Verantwortung für die Welt und die Menschen überträgt und dessen Botschaft wir immer wieder verkünden dürfen. Vielleicht, weil uns die Sehnsucht nach Gottes Wort ergreift, mitten in unserem Leben.
Hören wir auf die Worte Jesu, und fangen wir an, darin das Wort Gottes zu entdecken, das uns anspricht.
Lassen wir es zu, dass uns diese Sehnsucht ergreift.
Amen.