Predigt am 5.11.2023 zu Mt 23,11.12
Liebe Schwestern und Brüder,
In der Kirche haben wir bestimmte Spielregeln. Dazu gehört zum Beispiel, dass am Sonntag hier vorne einer steht, der eine Predigt hält.
Predigt heißt: Einer redet, alle anderen hören zu. Oder sie schlafen. Je nach Gemeinde und Prediger ist das zuweilen unterschiedlich. Wobei ja die, die gerne schlafen, eher im Bett bleiben als in die Kirche kommen.
Es gibt noch mehr Regeln: Zum Beispiel, dass es noch keine weiblichen Diakone in der Kirche gibt. Und auch keine Priesterinnen. Naja, darüber kann man ja mal nachdenken.
Eine andere Regel lautet: Wir verhalten uns angemessen. Das heißt: Niemand setzt sich auf den Altar, und wir kommen auch nicht in Badekleidung in die Kirche.
Wir wissen, welche Antworten wir im Gottesdienst geben, wo wir im Gotteslob die Lieder finden und dass hier vorne der Tabernakel ist mit dem Leib Christi, das wissen wir auch.
Viele Regeln verstehen sich von selbst, andere müssen wir uns erst mühsam erarbeiten. Und einige müssen völlig neu gedacht werden, vielleicht sogar gestrichen werden.
Jesus sagt uns heute aber eine Regel, die nicht diskutabel ist. „Der Größte von euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“
Das stellt alles auf den Kopf, was die Menschheit im Großen und Ganzen als normal ansieht. Wer viel Geld hat, hat viel Macht. Wer in der Firma einen hohen Posten hat, der hat viele Untergebene und viel zu sagen.
Heute wird das aber umgedreht. Jesus macht uns klar, dass das höchste Ziel im Leben nicht ist, ein möglichst prall gefülltes Bankkonto zu haben. Sondern: dem anderen zu dienen. Dienen heißt, wahrzunehmen, dass ich nicht allein auf der Welt bin. Dienen heißt, die Not des anderen zu sehen.
Dienen heißt: Dem anderen auf die Füße zu helfen, wenn er gestürzt ist. Und stürzen kann man
körperlich, finanziell oder auch seelisch.
Diese Spielregel gehört zum Kern unseres christlichen Selbstverständnisses.
Nehmen wir uns jetzt im Anschluss an diese Predigt eine kurze Zeit der Stille, um mal zu überprüfen, an welcher Stelle jeder einzelne von uns etwas nachjustieren könnte.
Amen.