Predigt zum 21. Sonntag im Jahreskreis A 27.08.2023
Mt 16,13-20
Ich erinnere mich an meine Studentenzeit. Ich hatte einen Job als Werkstudent in einer Verwaltung und vertrat die Sekretärin, die im wohlverdienten Urlaub war.
Ein anderer Student war dort auch angestellt gewesen, aber er hatte seinen letzten Arbeitstag und sollte nun seine Schlüssel abgeben. Ein ganz normaler Vorgang.
Nur war das damals ein bisschen anders. Wer nämlich den Schlüssel hatte, konnte dort ein- und ausgehen und vor allem viele nette Menschen treffen. Man bekam auch wichtige Entscheidungen mit und wurde auch mal um Rat gefragt, wenn es um studentische Fragen und Probleme ging. Diese Verwaltung war für Studenten sehr wichtig. Die Atmosphäre war gut und man war schon ein bisschen privilegiert, wenn man dort Zugang hatte.
Und so tat sich der andere Student ein bisschen schwer mit dem Abgeben der Schlüssel.
Diese Szene fiel mir ein, als ich das heutige Evangelium las. Jesus setzt Petrus ein als zentrale Basis der Kirche, als Fels, auf dem die Kirche aufgebaut werden sollte. Und er gibt ihm die Schlüssel des Himmelreiches.
Petrus hatte ab da Zugang zum Himmelreich. Und das ist nun mal das Ziel, das uns allen versprochen ist. Das Himmelreich ist das Reich Gottes, das Reich der Liebe und des Friedens.
Einen wichtigen Schlüssel zu haben verleiht Autorität, Vorteile, Zugang zu wichtigen Räumen.
Soweit, so gut.
Die Frage ist nun für uns: Was machen wir mit dieser Erkenntnis?
Petrus bekommt von Jesus die Schlüssel zum Himmelreich. Aber doch nicht als einziger! Er ist der erste, das ist richtig. Aber nach ihm hat doch jeder von uns, der sich mit dem Evangelium auseinandersetzt, der an Jesus Christus als den Auferstandenen glaubt, der ihm nachfolgt ebenfalls diese Schlüssel! Hier geht es nicht darum, dass Petrus ein absolutes Privileg hat, dass also nur er entscheidet, wer in den Himmel kommt. Denn der Himmel ist uns allen versprochen, alleine dadurch, dass Jesus für uns gestorben und auferstanden ist.
Das heißt, dass wir alle als Beinamen Petrus oder Petra heißen könnten. Nicht mit dem Anspruch, dass wir alle jetzt zu Päpsten und Päpstinnen mutieren. Sondern mit der Gewissheit, dass wir als diejenigen, die Christus nachfolgen, einen Platz im Himmel haben werden.
Das aber braucht ein paar Konsequenzen.
Die erste Konsequenz: Wir sollten uns nicht scheuen, uns dazu zu bekennen, dass wir Christen sind. Das ist nicht immer einfach, aber fast immer möglich. Wir sollten vielleicht mit unserer Überzeugung nicht allzu aufdringlich umgehen, wenn wir in Nordkorea oder in Somalia unterwegs sind. Es geht ja auch um den Schutz unseres eigenen Lebens. Aber in unserem geschützten Alltag hier in Südkorea oder in Deutschland oder Österreich – was spricht dagegen, auch in der Öffentlichkeit beim Essen ein Tischgebet zu sprechen und dabei das Kreuzzeichen zu machen?
Gar nichts.
Was spricht dagegen, uns mit unserer Überzeugung und unserem Glauben einzumischen in aktuelle politische Diskussionen, zum Beispiel wenn es um den Lebensschutz im hohen Alter geht?
Auch nichts.
Ich denke, dass wir viele solcher Beispiele finden können. Wir haben hier eine Schlüssel-Position. Den Schlüssel haben wir von Jesus bekommen und die Position ergibt sich aus unserer Nachfolge.
Nutzen wir diese Schlüsselposition zum Guten, zum Heil der Welt und der anderen Menschen, die uns anvertraut sind und für die wir Verantwortung haben.
Amen.