Was für ein Evangelium!

Predigt zum 20. Sonntag im Jahreskreis A, 20.08.2023
Mt 15,21-28

Liebe Schwestern und Brüder,
dass diese Begebenheit nicht nur aufgeschrieben wurde, sondern
sogar im Neuen Testament gelandet ist, passt überhaupt nicht in
unsere Sicht von Jesus.
Was ist da los?
Eine Frau aus Kanaan kommt zu ihm, bittet ihn um Hilfe – ihre Tochter
ist krank. Und Jesus antwortet ihr nicht mal. Die Jünger wollen, dass
die Frau verschwindet und Jesus versteigt sich zu der Aussage: Es ist
nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den kleinen
Hunden vorzuwerfen.
Jesus bezeichnet diese Frau als Hund – eine größere Beleidigung ist zu
jener Zeit kaum denkbar.
Wir haben vorhin gehört, wie die Geschichte ausgeht. Der Frau wird
geholfen, weil sie dranbleibt, weil sie ihren Glauben zeigt. Die Tochter
wird geheilt.
Das wissen wir nun – aber die Frage bleibt: Wie kann Jesus so
handeln? Wie kann er so beleidigend reden?
Dazu brauchen wir zwei Informationen.
Die erste Information: Jesus war ein Mensch.
Ja klar, sagt ihr jetzt, wissen wir ja schon – er war eben wahrer Gott
und wahrer Mensch. Das bekennen wir ja jeden Sonntag im
Glaubensbekenntn.is. Das ist nichts neues, lieber Diakon Edgar.
Naja, vielleicht ist ja doch neu – denn unser Bild von Jesus ist ja das
des perfekten Wesens – kann ja gar nicht anders sein, denn er ist ja
auch Gott – und da passt dieses heutige Verhalten ganz und gar nicht
dazu.
Also: Jesus war Mensch! Und zum Mensch sein gehört dazu, dass es
eine Entwicklung gibt im Verlauf des Lebens. Entwicklung heißt: Wir
lernen dazu. Wir bekommen neue Erkenntnisse, wir verändern
unsere Haltung, unser Sprechen, unser Handeln.
Jesus ging es genauso! Auch Jesus hat dazugelernt. Im Lukas-
Evangelium steht im zweiten Kapitel, dass Jesus an Weisheit
zugenommen hat. Das ist Zeichen seines Menschseins! Und er war in
der Lage, sich sagen zu lassen, dass er zunächst mal komplett falsch
lag. Dass seine Mission eben nicht nur die Juden anging, sondern alle
Menschen.
Die zweite Information: Das Herkunftsland der Frau, Kanaan, war ein
Land, in dem aus Sicht der Juden kein Glaube war. Es war voller
Unglaube. Und mit Ungläubigen Menschen wollte niemand etwas zu
tun haben – auch Jesus nicht.
Und die Bibel lehrt uns: Genau diese Frau wird zur Lehrerin für Jesus.
Sie zeigt ihm auf, dass er auf dem Holzweg ist, dass er das alles
nochmal neu denken muss. Denn: Auch den Hunden gibt man etwas
zu fressen, sie werden nicht völlig ignoriert.
Und sie erreicht ihr Ziel: Ihre Tochter wird geheilt, weil Jesus erkennt,
dass sie einen großen Glauben hat. Und jeder, der an Jesus glaubt,
hat Anteil am ewigen Leben. Also auch am Heil.
Beide Informationen zusammen sind wichtig, also: Jesus war ein
Mensch und: die Frau hat einen großen Glauben.
Wir können daraus lernen:
Zum Beispiel, dass wir als Menschen immer wieder mal innehalten
sollten und mal schauen, ob wir vielleicht gerade auf dem Holzweg
sind. Oder auch, dass da vielleicht gerade eine Frau (oder ein Mann)
neben uns steht, von der wir viel lernen könne. Vielleicht gerade
dann, wenn sie die Welt und die Kirche und den Glauben und Gott
ganz anders sieht als wir das so tun.
Das ist nicht immer angenehm, aber es ist notwendig. Und heilsam ist
es auch. Amen.

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