Predigt Osternacht 2023
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendlichen!
Ich mache gerne Zeitreisen. Also, theoretisch. Zum Beispiel im Rückblick auf die
Geschichte der Menschheit. Wenn ihr mal eben mitgehen wollt, dann lade ich
euch ein ins Jahr 500 vor Christus, und zwar nach Griechenland. In diesem Jahr
wurde Anaxagoras geboren. Er war ein Naturphilosoph. Wahrscheinlich
gehörten Demokrit und Sokrates zu seinen Schülern.
Anaxagoras wurde zum Tode verurteilt, weil er etwas gesagt hat, dass damals
als Gotteslästerung galt. Er behauptete, dass Sonne und Mond keine Götter
sind, sondern Objekte am Himmel. Diese Aussage brachte ihn vor Gericht.
Das Todesurteil wurde nicht vollstreckt, weil Anaxagoras ins Exil ging.
Die Menschen konnten sich einfach nicht vorstellen, dass ihre Sicht auf die
Welt, ihr Bild auf die Götter, ihre ganze Weltanschauung so grundsätzlich in
Frage gestellt wurde. Es hat eine Weile gedauert, bis sich diese Sicht auf die
Himmelskörper auch offiziell verändern durfte.
Springen wir 500 Jahre weiter auf unserer Zeitreise, in die Zeit Jesu. Örtlich sind
wir jetzt in Israel. Im Evangelium heißt es, dass der Engel zu den Frauen sagt:
Jesus ist von den Toten auferstanden- und siehe, er geht euch voraus nach
Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen.
Diese Aussage stellte ebenfalls alles auf den Kopf, was damals als zulässige
Theologie galt. Schon am Karfreitag haben wir gehört, dass die Menschen
misstrauisch waren und extra Wachen vor das Grab von Jesus gestellt haben,
damit niemand seinen Leichnam stehlen konnte, um dann die Auferstehung zu
erfinden.
Das Christentum hat sich aber dann durchgesetzt, der Glaube breitete sich aus
und heute finden wir in vielen Ländern der Welt den christlichen Glauben.
Setzen wir unsere Zeitreise fort und springen zeitlich zurück nach heute, nach
Südkorea. Was nehmen wir mit aus der heutigen Osternacht?
– Die Erfahrung, dass Christus das Licht der Welt ist und uns in unseren
Dunkelheiten zur Seite steht? Oder…
– Die Zusage des Engels an die Frauen, dass Jesus wahrhaft auferstanden
ist? Denn diese Frauen gehen dann ja zwar voller Furcht, aber auch mit
Freude weg, um von der Auferstehung zu erzählen.
Die Welt braucht Menschen, die zu ihrer Überzeugung stehen und die anderen
helfen, einen neuen Blick zu bekommen. Das gilt auch in der Vermittlung von
unserem christlichen Glauben.
Haben wir den Mut, von unserem Glauben zu erzählen und ihn auch durch
unsere Leben zu verkünden.
Christus ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden. Halleluja!
Amen.