Wenn Gott hält, was er verspricht

Predigt Ostersonntag 2023
Ein jüdischer Rabbi, ein muslimischer Imam und ein katholischer Diakon treffen
sich zum interreligiösen Dialog und tauschen sich auch aus, wie sie mit der
Kollekte umgehen: was sie vor Ort behalten, für andere geben usw. Da sagt der
Imam: Nun, ich ziehe einen Kreis in der Moschee, werfe alles Geld nach oben
und sage: Allah, was im Kreis ist, behalten wir hier, alles über den Kreis hinaus
ist für dich.
Sagt der Rabbi: Machen wir so ähnlich: ich zieh eine Linie in der Synagoge,
werfe die Kollekte hoch und rufe: Jahwe, alles was links runter kommt,
behalten wir, alles was rechts ist, ist für dich.
Sagt der katholische Diakon: Ihr habt ja gar kein Gottvertrauen: Ich gehe in die
Kirche, werfe alles Geld hoch und sage: Gott, alles ist für Dich! Wenn Du aber in
Deiner Güte uns etwas geben willst, dann lass es wieder runter kommen.
Liebe Schwestern und Brüder,
ich kann euch versichern, dass unsere Kollekte anders behandelt wird. Beim
jüngsten Finanzbericht, den ich vor kurzem nach Bonn geschickt habe, konnte
ich mir ein Bild davon machen, dass das hier alles zuverlässig gehandhabt wird.
Zuverlässigkeit ist das Gebot der Stunde. Unser Leben braucht Konstanten, wir
brauchen Verlässlichkeit und wollen spüren, dass die anderen Menschen in der
Familie oder am Arbeitsplatz solidarisch sind und zu ihrem Wort stehen. Wir
verlassen uns darauf, dass ein gegebenes Wort auch gehalten wird.
Nun sind wir alle Menschen und handeln auch menschlich – und das bedeutet,
dass es da auch Enttäuschungen gibt. Dann müssen wir uns neu zusammen
raufen und schauen, wie wir weiter machen können.
Bei Gott ist das anders. Das hören wir im heutigen Evangelium: Maria
Magdalena findet das leere Grab vor. Sie verstehen das erst nicht, weil ja
schließlich ein Leichnam nicht einfach so verschwinden kann und vermutet,
dass er gestohlen wurde. Und als Nachricht bekannt wird, müssen sich Petrus
und der Jünger Johannes davon überzeugen, dass das Grab leer ist. Bis zum
echten Verstehen, dass Jesus auferstanden ist, hat es dann noch gedauert.
Aber es hat sich herum gesprochen. Die Menschen haben davon erzählt. Sie
haben angefangen, sich zu freuen – nach der großen Trauer um den Tod Jesu
am Kreuz war das ein Gefühl, das sich erstmal entwickeln musste. Aber dieses
Gefühl wurde immer stärker. Es wurde so stark, dass der Auferstehungsglaube
immer mehr Menschen erreicht und begeistert hat. Ein großer Ballast fiel von
den Menschen ab – Jesus hatte es doch gesagt vor seinem Tod, dass er wieder
auferstehen würde! Jesus hat sein Wort gehalten! Jesus ist wahrhaft Gottes
Sohn! Auf ihn können wir uns wirklich verlassen!
Diese Botschaft erreicht auch uns heute. Mit neuer Kraft, mit großer Freude
erfüllt uns die Botschaft von der Auferstehung mit Mut und Zuversicht.
Jesus Christus ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden. Halleluja!
Das ist die frohe Botschaft! Das ist das Evangelium! Das ist das, was uns trägt,
was uns Hoffnung gibt in den Irrungen und Wirrungen des Lebens. Heute ist der
Tag, an dem wir feiern, dass Jesus den Tod überwunden hat.
Zeigen wir es einander. Lächeln wir einander zu – jetzt zum Beispiel ist ein
guter Moment dafür. Und nachher beim Friedensgruß. Und danach beim
Kirchencafé.
Jesus Christus ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden. Halleluja!
Amen.

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