Predigt am 5. Sonntag iJ B, 4.2.2024 zu Mk 1,29-39, Ijob 7,1-4.6-7 und 1 Kor 9,16-19.22-23
Liebe Schwestern und Brüder,
viele Menschen sind gerade an Corona oder der Grippe erkrankt. Sie liegen im
Bett und hoffen auf baldige Besserung. Wegen er Ansteckungsgefahr sind sie in
der Regel in Quarantäne, so dass sie auch keinen Besuch empfangen können.
Da tut es gut, dass sich jemand bei ihnen meldet, für sie einkaufen geht oder
sich um die Post kümmert.
Der Schwiegermutter des Petrus geht es im heutigen Evangelium (Mk 1,29-39)
ähnlich. Sie ist krank – so wie viele Menschen in jenem Dorf, und braucht Hilfe.
Vor allem aber möchte sie geheilt werden.
Jesus tut das, er richtet sie auf und heilt sie und er heilt viele weitere
Menschen, die an allen möglichen Krankheiten leiden.
Das ist so die christliche Idealform: Jemand ist krank und wird durch Jesus
geheilt. Das lesen wir in der Bibel immer wieder, in unserem Leben sieht es
meistens anders aus.
Denn da gibt es viel häufiger die Erfahrungen, die wir in der ersten Lesung aus
dem Buch Ijob (Ijob 7,1-4.6-7) präsentiert bekommen haben: Das Leben ist ein
Hauch, meine Tage gehen viel zu schnell zu Ende, ich bin unruhig und
enttäuscht und überhaupt ist das ganze Leben Kriegsdienst.
Zwischen diesen beiden Bibelstellen scheinen Welten zu liegen. Ist das, was uns
Jesus lehrt, so weit weg von unserem Alltag? Hat es mit unserem Leben etwas
zu tun, was er damals gemacht hat? Oder sind wir hier in einer schönen
Märchenstunde, unterhalten uns ein bisschen über das liebe Jesulein und
ansonsten war es das?
Ich bin versucht, eine ganz einfache Antwort zu geben. Und die würde so
klingen, wie es in Deutschland im Religionsunterricht vor 50 Jahren gelehrt
wurde.
Da wurde den Kindern beigebracht, dass sie immer nur auf Jesus hören sollen
und ihr ganzes Leben kommt in Ordnung.
Und was soll ich sagen: Ich glaube sogar, dass diese Antwort richtig ist!
Ohne Jesus herrscht Chaos in unserem Leben; er ist unser Erlöser, er gibt den
Takt vor, er hat Worte ewigen Lebens.
Das Problem bei der Sache ist nun aber, dass das nicht die einzige Sichtweise ist,
die einzige Sichtweise sein darf. Denn auch wenn dieser Satz stimmt, dass Jesus
so wichtig für unser Leben ist: Jesus entlässt uns nicht aus der Verantwortung,
die wir selbst für unser Leben haben.
Zu dieser Verantwortung gehört, dass wir das Leben mit seinen Höhen und
Tiefen möglichst nüchtern anschauen und dabei überlegen, wie wir uns IM
SINNE JESU dazu verhalten. Jesus steht nicht neben uns als Souffleur oder als
kleiner Mann im Ohr, der permanent einflüstert, was wir zu sagen und zu tun
haben. Wir sind aufgefordert, und zwar jeden Tag neu, durch unsere
Entscheidungen und unsere Worte anderen Menschen ehrlich, aufrecht und
zuversichtlich entgegen zu treten und sie neugierig darauf zu machen, welche
Bedeutung Jesus auch für ihr Leben haben kann.
Das gilt für uns alle. Wenn es mir also nicht möglich ist, so zu handeln, weil ich
selber in einem Loch stecke, weil mir die Probleme über den Kopf wachsen,
dann darf ich davon ausgehen, dass ein anderer aus meiner Gemeinde auf mich
zukommt, der mich aufrichtet.
Paulus hat heute im Brief an die Korinther (1 Kor 9,16-19.22-23) geschrieben:
„Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, um die Schwachen zu
gewinnen“. Das heißt für uns: Wenn mich der andere so erlebt, dass er spürt:
Oh – der hat auch seine Probleme, der ist nicht überheblich – dem kann ich
mich anvertrauen – dann tu ich das, was Jesus möchte.
Genau dadurch wächst nämlich unsere Gemeinde: Dass wir füreinander da sind
und uns gegenseitig zu Jesus bringen. Jeden Tag neu.
Dann dürfen wir schwach sein und dann dürfen wir stark sein, jedes zu seiner
Zeit.
Amen.