Predigt am 28.01.2024 zu Mk 1,21-28
Liebe Schwestern und Brüder,
es gibt vieles, an was ich glaube und das ich als Christ für wirklich wahr halte.
Eines davon ist, dass Jesus Christus seinen Namen mit Fug und Recht trägt.
Christus ist der Heiland, der Heilende.
Heute tritt er einen ganz besonderen Beweis an: Es geht um unreine Geister.
Der Mann, um den es heute geht, schreit sehr viel in Synagoge. Damit stört er
natürlich die Menschen, er stört den Ablauf des Ritus und er bekommt die volle
Aufmerksamkeit von Jesus.
Und Jesus macht kurzen Prozess. Er befiehlt dem Geist, den Mann zu verlassen
– und prompt wird der Mann auch vom Geschrei verlassen, oder um es mit
modernen Worten zu sagen: Er hört auch zu schreien.
Was soll das?
Was haben wir uns darunter vorzustellen, dass hier ein „Unreiner
Geist“ ausgetrieben wird?
Die Medizin und die Psychologie der damaligen Zeit war bei weitem nicht so
entwickelt wie sie es heute ist. Bestimmte Krankheitsbilder, vor allem seelische
Krankheiten, konnten nicht erklärt werden und deshalb brauchte man
besondere Bilder und Bezeichnungen. Sehr beliebt waren daher die unreinen
Geister, oder auch die bösen Geister. Und wenn so ein Geist den kranken
Menschen verlassen hatte, war dieser eben wieder gesund.
Wir aber, die Menschen 2000 Jahre später, brauche etwas, an dem wir uns
festhalten können, um dieses Phänomen verstehen und einordnen zu können.
Und daher möchte ich heute mal dazu einladen, ganz konkret zu werden.
Jesus heilt die Menschen, Jesus heilt letztlich die ganze Menschheit. Aber
wovon? Was sind die unreinen, die bösen Geister heute? Wie können wir das
verstehen?
Wenn wir uns überlegen, woran die Menschheit leidet, dann ist es das
unzählige Böse, das wir erleben. Ob auf der Ebene von ganzen Staaten, in
denen die Menschen unterdrückt und verfolgt und getötet werden oder aber
durch einzelne Parteien, die Vertreibung von allen Menschen planen, die
irgendwie anders sind als ihre eigene kurzsichtige Doktrin es verlangt – wir
finden genug Beispiele dafür. Menschen, die aus Gier und Habsucht, aus dem
unendlichen Wunsch nach Macht heraus oder aus Gemeinheit anderen
schaden – davon gibt es nun wirklich unendlich viele.
Jemand, der so denkt und handelt, dass der Frieden in der Welt nicht nur
gefährdet ist, sondern zerbricht, der hat biblisch gesprochen unreine und böse
Geister in sich. Der lässt zu, dass der wichtigste Auftrag Gottes an uns
Menschen, nämlich einander zu lieben, kaputt geht.
Unreine Geister – diesen Begriff können wir übersetzen in unser Leben hinein
mit allem, was uns andere Menschen antun, wo sie den Frieden zerstören,
Menschen ausrauben, körperlich und seelisch vernichten, wo sie zutiefst böse
handeln.
Und wir haben ein Rezept dagegen, das sehr großzügig angewendet werden
muss. Unser Rezept lautet, in unserem eigenen Leben, in unserem beruflichen
und privatem Umfeld das Gegenteil zu tun. Nämlich die Menschen zu lieben
und stets Gutes zu tun. Uns zu Wort zu melden, wo unsere Demokratie in
Gefahr ist.
Und all das tun wir, indem wir Christus nachfolgen. Auf in hören, sein Wort
lesen, uns mit ihm beschäftigen. Dadurch werden wir den bösen Geistern
unserer Zeit Herr werden.
Amen.