Wo ist der Himmel?

21.05.2009 Predigt an Christi Himmelfahrt zu Mk 16, 15-20

Liebe Schwestern und Brüder,

Christus wurde in den Himmel aufgenommen. Das hören wir nun jedes Jahr am Fest Christi Himmelfahrt. Die Lesung aus der Apostelgeschichte ist uns vertraut. Das Evangelium kennen wir auch.

40 Tage lang nach seiner Auferstehung hatten die Jünger damals die Gelegenheit, ihren Meister noch mal zu erleben – zu erleben nach seinem Tod am Karfreitag, nach seiner Auferstehung am Ostersonntag. Und Jesus hatte die Zeit gut genutzt. Immer wieder hatte er in dieser Zeit erklärt, was Auferstehung bedeutet. Immer wieder hatte er darauf hingewiesen, dass sich in seiner Auferstehung all das erfüllt, was er ihnen vor Ostern angekündigt hatte. Und er hatte auch aufzeigt, wie wichtig das Alte Testament ist für das Verständnis von seiner Botschaft vom Reich Gottes.

Und nun wurde er also in den Himmel aufgenommen.

In den Himmel?

Wo, liebe Schwestern, soll das sein?

Wo, liebe Brüder, vermuten Sie diesen Himmel?

Ja, wo fängt denn der Himmel an?

Reden wir hier von der Atmosphäre, die unsere Erde umspannt?

Ist Jesus jetzt da oben und umkreist wie ein Satellit den Erdball?

 

Nein? Aber er ist doch in den Himmel aufgenommen worden?

Wo ist er denn dann? Wo müssen wir ihn suchen?

 

Offensichtlich müssen wir an diesem Punkt sehr behutsam mit unserer Sprache umgehen.

Einen guten Hinweis darauf, wo Jesus jetzt ist, finden wir, wenn wir einen kurzen Ausflug in die Englische Sprache machen.

Dort gibt es zwei verschiedene Wörter für den Himmel:

Das eine Wort ist SKY – und das meint den Himmel, den wir da draußen sehen, und der heute so wunderbar blau ist.

Das andere Wort aber ist HEAVEN – und damit meint die englischsprachige Welt den religiösen Himmel, das Paradies, das ewige Leben, das Reich Gottes und den Aufenthaltsort der himmlischen Heerscharen.

Und so kommt in den englischen Bibelübersetzungen beim heutigen Evangelium auch nicht das Wort SKY, sondern das Wort HEAVEN zum Einsatz, während im Deutschen einfach vom Himmel die Rede ist.

Nur – wo beginnt denn nun dieser Himmel?

Die Menschen damals schauten nach oben – unverwandt schauten sie ihm nach zum Himmel empor – aber sie waren damit auf dem Holzweg. Und das wurde ihnen denn auch sehr unverblümt gesagt: was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?

Und das gilt auch für uns heute: was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?

Wenn wir uns aber nicht wie ein Hans-Guck-in-die-Luft benehmen sollen, dann sollen wir wohl wo anders hinschauen.

Wir sollen nicht nach oben in den Himmel schauen, der auf englisch SKY heißt, sondern wir sollen zu jenem anderen Himmel, dem Heaven, schauen.

Und dieser Himmel ist nur zu entdecken, wenn wir gezielt und ausschließlich auf das Wort Jesu hören.

Dieser Himmel ist nur zu entdecken, wenn wir Jesus selbst suchen.

Und wir finden ihn nach seinem eigenen Wort

  1. in jedem Menschen, der uns begegnet. Jeder Mensch ist Abbild Gottes, und in jedem Menschen begegnet uns das Gesicht Christi.
  2. In jedem Menschen, der unsere Hilfe braucht: kranke und sterbende Menschen, Gefangene und einsame Menschen. Nach seinem Wort: Was ihr dem geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.
  3. Wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, da ist er mitten unter ihnen – und wo sich 200 am Fest Christi Himmelfahrt in Maria unterm Kreuz versammeln, da ist er mitten unter ihnen.
  4. Finden wir ihn, wenn wir das tun, was er uns aufgetragen hat: Tut dies zu meinem Gedächtnis – das hatte er am letzten Abendmahl gesagt, und wir tun es heute und hier an diesem Altar auch und feiern die Eucharistie! Und schließlich
  5. Sollten wir uns genau so verhalten, wie es die Jünger ab der Himmelfahrt Christi getan haben: Sie haben auf den Geist Gottes gewartet, den Jesus ihnen versprochen hatte. Und der kam ja auch – 10 Tage später, am 50. Tag nach Ostern.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn wir auf das Wort des Herrn vertrauen und das tun, was er uns sagt, dann finden wir ihn auch. Und immer dann, wenn wir ihn finden, beginnt für uns der Himmel – dann haben wir diesen Himmel gefunden. Also ist der Himmel auch bei uns, in uns und in unserer Gemeinschaft. Für uns ist das dann der Himmel auf Erden. Und genau daran sollten wir uns orientieren: Beten wir darum, und wir werden es erfahren.

Amen.

 

 

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