Frusterlebnisse eingerechnet

Predigt zum 15. Sonntag am 13.07.2008  im Jahreskreis A zu Mt 13,1-9

Stellen Sie sich einmal vor, dass nachher, gleich wenn Sie aus der Kirche kommen und auf dem Kirchplatz stehen, eine Frau auf Sie zukommt und Sie fragt, was Sie denn eigentlich tun, so als Christ oder als Christin. Und dann sagt die Frau noch: „Jesus hat doch mal gesagt, dass alle Menschen die frohe Botschaft erfahren sollen, also jene Botschaft, die vom Reich Gottes und von Tod und Auferstehung erzählt. Was machen Sie eigentlich dafür?“

Ja, und dann sollen Sie eine Antwort geben.

Vielleicht antworten Sie: Naja, das ist ja gar nicht so einfach, das Evangelium weiter zu geben. Das ist ziemlich mühsam!

Nun, es hat ja auch niemand gesagt, dass es leicht ist, die Frohe Botschaft anderen Menschen weiter zu geben. Auch Jesus hat das nicht gesagt. Aber nichtsdestotrotz steht sein Auftrag klar im Raum.

Wie gehen wir da dran?

Ich lade Sie ein, ein wenig auf den Apostel Paulus zu schauen. Von dem kann man eine ganze Menge lernen, was die Verkündigung des Evangeliums angeht. Und dabei geht es nicht darum, alles genau so zu machen, wie Paulus das gemacht hat. Nein, es geht darum, bei Paulus das eine oder andere zu entdecken, was man im eigenen Leben umsetzen, verwirklichen, integrieren kann.

Vor kurzem hat ja auch das Paulus-Jahr begonnen. Ein ganzes Jahr lang bedenkt die katholische Kirche weltweit in ganz besonderer Weise, wie der Apostel Paulus das Evangelium Christi verkündet hat.

Paulus war ja jemand, der erstmal einen langen Weg gehen musste, bis er zur Nachfolge Christi gefunden hatte. Als Jude, als hochgelehrter Mann, der sich prima auskannte in Schriften des Alten Bundes, war ihm zunächst diese aufstrebende Sekte von Christus-Nachfolgern ziemlich suspekt gewesen. Und weil er eine Gefahr gesehen hatte für das Judentum, verfolgte er diese Christen, wo auch immer er die Gelegenheit dazu hatte.

Das ging so lange, bis er ein Erlebnis hatte, das sein Leben komplett umkrempelte – und das war seine ganz persönliche und unendlich tief gehende Begegnung mit Jesus Christus. Wir kennen diese Begegnung auch unter dem Namen „Er hatte sein Damaskus-Erlebnis“ – weil er vor Damaskus wie vom Blitz getroffen vom Pferd fiel und mehrere  Tage brauchte, bis er sich wieder richtig bewegen konnte. Und, was natürlich noch viel wichtiger ist – Paulus krempelte sein ganzes Leben um und er folgte bedingungslos Jesus Christus nach. Er machte sich seine bisherigen Feinde zu Freunden und umgekehrt.

Das heißt nun nicht, dass wir erst ein Damaskus-Erlebnis brauchen, um Christus nach zu folgen! Schon das Hören auf sein Wort und die Mitfeier der Eucharistie können uns Anlass geben, um unseren Weg zu finden.

Paulus erzählte den Menschen immer wieder neu von Jesus Christus – und viele von denen  wollten das gar nicht hören! Und er machte sich auch unbeliebt dabei.

Paulus lebte letztlich so, wie Jesus das in seinem Gleichnis vom Sämann erzählt. Paulus ging – für die damaligen Verhältnisse und Kenntnisse – in die gesamte damals bekannte Welt – und er erzählte unermüdlich von seinem Glauben.

Und hier sehe ich einen guten und wichtigen Punkt, den wir uns zu Herzen nehmen könnten:

Warum fangen wir nicht einfach an und erzählen von unserem Glauben? Davon, dass wir am Sonntag in die Kirche gehen, davon, dass es schön ist, katholisch zu sein?

Kein Mensch kann uns versprechen, dass wir dabei immer auf offene Ohren stoßen werden. Aber letztlich können wir es ja nicht wissen, was wir den anderen Menschen auslösen durch unsere Erzählung.

Das ist wie beim Sämann, der den Samen verstreut. Er tut das im klaren Wissen, dass lange nicht alle Samenkörner aufgehen werden. Aber deswegen wäre es ja falsch, gar nicht mehr zu säen. Manche Körner werden aufgehen, und die bringen dann auch Frucht – 30, 60, 100fach.

Der Glaube des Paulus an diesen Jesus von Nazareth und seine Botschaft war so tief, dass kein Mensch Paulus stoppen konnte. Ob im Gefängnis, auf dem Schiff oder in den Gemeinden, die er gegründet hatte – Paulus erzählte immerfort von der frohen Botschaft.

Und das Erzählen vom Glauben – das geht erstaunlicher Weise auch ganz ohne Worte oder nur mit sehr wenigen Worten. Das beginnt nämlich im Alltag, im eigenen Leben, in  der eigenen Familie, am Arbeitsplatz, in der Freizeit. Wenn wir bestimmte Dinge und Verhaltensweisen nicht mitmachen, dann kann das schon zum Nachdenken bei den anderen führen.

Wenn wir treu sind in der Ehe, wenn wir keinen Menschen mobben, wenn wir keinen übervorteilen, wenn wir keine Versicherung betrügen, obwohl das alles doch so oft vorkommt und es doch eigentlich alle so machen – dann verändert sich bereits die Welt.

Das geht auch ohne Worte.

Aber wenn wir dann gefragt werden, warum wir denn nicht mitmachen, warum wir uns denn so anders verhalten und ob wir denn eigentlich nur als Spaßbremse durch die Welt laufen wollen – dann sollten wir auch Antwort geben.

Und die beste Antwort lautet: Ich lebe und ich denke und ich handle anders, weil ich Christ bin und in Jesus Christus nicht nur ein gutes Vorbild, sondern das beste Vorbild habe, das es gibt.

Probieren Sie es aus!

Sie werden es merken – die Welt verändert sich. Und mit einem solchen Bekenntnis zu Jesus Christus haben Sie den ersten und wichtigsten Schritt getan, auf Ihre eigene Art und Weise, mit ihren ganz eigenen Möglichkeiten dem Auftrag Jesu nachzukommen, das Evangelium allen Menschen zu bringen.

Sie werden zum Sämann oder zur Säfrau in Christi Namen.

Frusterlebnisse eingerechnet.

Aber: Es lohnt sich.

Amen.

 

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