Predigt am 3. Advent 14.12. 2025 Weihnachten neu entdecken
Liebe Schwestern und Brüder,
was haben wir heute eigentlich am häufigsten in der Hand? Vermutlich unser Smartphone. Und in diesem Smartphone findet sich viel Unnötiges, viel Belangloses. Aber manchmal stößt man auch auf etwas, bei dem es sich lohnt, wirklich zu verweilen.
Vor einiger Zeit habe ich dort einen Artikel gelesen, in dem der Papst über Weihnachtsgeschenke gesprochen hat. Wir sind ja gerade in der Zeit des Einkaufens, Einpackens und Vorbereitens. Und der Papst schreibt: Beim Schenken an Weihnachten geht es im Kern darum, auf die Schönheit des Weihnachtsfestes hinzuweisen.
Er mahnt: Lassen wir uns nicht vom Shopping betäuben.
Denn bei der Suche nach Geschenken geht es nicht darum, nur unseren Wünschen nachzugeben. Vielmehr sollten unsere Weihnachtsgeschenke einen Sinn echter Schönheit haben – einen Sinn, der uns an die Geburt Jesu erinnert: an seine Kleinheit, seine Demut und seine Solidarität mit den Menschen.
Deshalb habe ich heute ein Weihnachtsgeschenk mitgebracht.
Wenn ich dieses Geschenk öffne, ist darin nichts Spektakuläres, nichts Goldenes oder Besonderes. Etwas ganz Alltägliches. Ein Buch mit einem Einband, der schon ziemlich abgegriffen und zerrissen ist.
Seit vielen Jahren trage ich dieses Buch mit mir herum. Es ist mein Arbeitsbuch – meine Bibel. Es gibt Bibeln in kostbaren Ausgaben, mit Goldschnitt und edlem Einband. Aus einer solchen Bibel haben wir eben das Evangelium gehört. Aber im Alltag brauche ich diese hier – seit vielen Jahren, noch aus meiner Studienzeit.
Als ich die Worte des Papstes gelesen habe, musste ich an dieses Buch denken. So oft erwarten wir zu Weihnachten etwas Außergewöhnliches, etwas Kostbares, etwas Besonderes. Aber das wirklich Kostbare ist oft das, was zum Alltag gehört – etwas, das uns begleitet, das uns trägt und immer wieder neu wertvoll wird.
Wenn ich diese Bibel aufschlage und noch einmal lese, was wir im Evangelium gehört haben, dann begegnet uns eine ganz grundlegende Frage. Johannes lässt Jesus fragen:
Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?
Das ist eine Grundfrage des Glaubens. Stimmt das eigentlich, was wir seit zweitausend Jahren glauben und weitergeben? Ist das wirklich wahr? Zweifel gehören zum Glauben dazu. Sie gab es damals, und sie begleiten auch uns.
Aber es darf nicht bei der Frage bleiben. Wir sollen auch auf Jesu Antwort hören:
Blinde sehen wieder, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet.
Das ist im Kern das Evangelium: die Augen zu öffnen und zu sehen, was Jesus bewirkt. Auch wenn wir ihn heute nicht mehr unmittelbar sehen, bleibt dieses Zeugnis. Es ist uns überliefert – in diesem Buch, das uns geschenkt ist.
Die Bibel sollte deshalb nicht nur im Regal stehen. Sie gehört in unseren Alltag – immer wieder neu.
Der Papst schreibt noch etwas anderes. Vielleicht, sagt er, gibt es kein schöneres Weihnachtsgeschenk, als einen einsamen oder bedürftigen Menschen einzuladen und Gemeinschaft zu schenken.
Das hören wir oft – und doch ist es nicht leicht umzusetzen. Auch wir erleben in unserer Gemeinde Menschen, die gestrandet sind: körperlich, seelisch oder existenziell. Manchmal finden sie für eine Zeit Unterkunft bei uns. Das ist nicht immer einfach. Die Umstände sind manchmal schwer auszuhalten. Aber es sind Menschen, die Hilfe brauchen.
Christliches Leben ist nicht immer bequem. Niemand hat gesagt, dass es einfach ist. Aber genau darin zeigt sich die Echtheit dessen, was Weihnachten bedeutet.
Manchmal werde ich gefragt: Was wünschst du dir zu Weihnachten?
Und ich denke: Eigentlich habe ich alles. Ich brauche nichts Besonderes. Natürlich freue ich mich über eine Kleinigkeit – vielleicht über ein Stück Lebkuchen oder selbstgebackene Plätzchen. Gestern haben Kinder und Jugendliche bei uns im Gemeindesaal gemeinsam gebacken. Solche Momente sind schön.
Und doch denke ich gleichzeitig an die vielen schwierigen Situationen in unserer Welt: an Krieg und Gewalt, an Flucht und Not, an so viel Leid. Dann wird mir bewusst: Mir geht es eigentlich gut.
Deshalb möchte ich Ihnen am Ende eine Frage mitgeben:
Was wünschen Sie sich wirklich zu Weihnachten?
Was sollte in diesem Geschenk enthalten sein? Was schenkt Ihrer Seele Frieden? Was bringt Ihnen echte Freude und Zufriedenheit?
Weihnachten darf nicht nur ein Fest sein, das wir unter Stress abhaken. Nicht nur die Frage: Haben wir an alle Geschenke gedacht? Haben wir alles eingepackt? Sind wir für die Reise vorbereitet?
Die eigentliche Frage ist: Was möchte ich selbst in dieses Geschenk hineinlegen? Vielleicht sogar ein Geschenk an mich selbst. Zeit. Ruhe. Eine Auszeit. Zeit für mich – und für Gott.
Was wünschst du dir wirklich zu Weihnachten?
Amen.