Koreanische Märtyrer

Predigt am 20. September 2026
Märtyrerfest (koreanische Märtyrer)
zu Lk 9,23-26

In meinem Heimatbistum Augsburg sind gestern acht neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für den pastoralen Dienst ausgesendet worden. Sie gehören verschiedenen Berufsgruppen an und werden im Auftrag des Bischofs von Augsburg in verschiedenen seelsorglichen Bereichen des Bistums eingesetzt.

Sie gehören trotz aller finanziellen Probleme, die die Kirche in Deutschland hat, zu einer immer noch reichen Kirche, die sie gut bezahlen kann. Sie leben mit ihren Familien damit von der Kirchensteuer – das tue ich übrigens auch.

Wenn man eine sichere Stelle hat, dann gibt es ein paar Probleme weniger im Alltag. Man kann sich gut auf die eigenen Aufgaben konzentrieren, sich ganz den anvertrauten Menschen widmen und seinen Glauben in Frieden leben.

Das ist nicht überall der Fall. Es gibt und es gab immer wieder Menschen, die weder ein sicheres Einkommen haben noch ihren Glauben frei leben und verkünden können. Wir können und müssen dankbar sein dafür, dass wir unseren Glauben in Freiheit und öffentlich leben können.

Wir denken nun heute an Menschen, die für den Glauben und die Kirche in Korea gelitten haben und, weil sie katholisch waren und das gelebt haben, deswegen auch getötet wurden.
Wir denken an Andreas Kim Taegon, an Paulus Chong Hasang und an ihre Gefährtinnen und Gefährten.

Zu ihrer Gruppe gehören 103 Heilige, die während der grausamen Christenverfolgungen im Korea des 19. Jahrhunderts wegen ihres Glaubens hingerichtet wurden. Sie wurden am 6. Mai 1984 von Papst Johannes Paul II. hier in Seoul heiliggesprochen.

Andreas Kim Taegon lebte von 1821–1846. Er war der erste in Korea geborene katholische Priester und ist der Schutzpatron des koreanischen Klerus. Er wurde im Alter von nur 25 Jahren enthauptet. Paulus Chong Hasang (1795–1839) war ein einflussreicher Laienführer und Katechet, der die verfolgte christliche Gemeinschaft organisierte und Missionare ins Land schleuste. Die Gruppe der 103 Märtyrer setzt sich aus 3 Bischöfen, 8 Priestern und 92 weiteren Männern, Frauen und Kindern jeden Alters zusammen. Aber als Märtyrer gestorben sind damals noch tausende von Katholiken und Katholikinnen mehr.

Die verschiedenen Verfolgungswellen im Land waren fürchterlich und prägen das Selbstverständnis der Kirche hier in Korea bis heute. Dazu gehört ein gutes Selbstbewusstsein – wir sind katholisch und stehen dazu – und auch ein riesengroßes Engagement für die Menschen in Not, zum Beispiel durch die katholischen Krankenhäuser oder die tägliche Essensausgabe für hunderte und tausende Menschen.

Das sind tatkräftige Folgen, die sich zunächst aus dem Auftrag Jesu und seines Evangeliums ergeben.

Im Evangelium haben wir das gehört: „Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich der Menschensohn schämen, wenn er in seiner Herrlichkeit kommt und in der des Vaters und der heiligen Engel.“ (Lk 9,26).

Damit uns das gelingt, brauchen wir Vorbilder im Glauben. Die Kirche von Korea findet sie in den Märtyrern des 19. Jahrhunderts, die für ihren Glauben gelitten haben und für ihn gestorben sind.

Wir dürfen aber nicht vergessen, dass auch heute in vielen Ländern der Erde Menschen verfolgt werden, weil sie an Christus glauben, nicht zuletzt ein paar Kilometer von hier in Nordkorea.

Voraussichtlich niemand von uns muss damit rechnen, wegen seines Glaubens verfolgt und getötet zu werden. Die Märtyrer Koreas haben an ihrem Glauben festgehalten, obwohl sie wussten, dass sie deswegen sterben werden.

Das sollte uns, die wir von der Religionsfreiheit profitieren, zu denken geben. Gerade weil wir nicht in Gefahr sind, das Leben durch eine Christenverfolgung zu verlieren, sollten wir unseren Glauben bekennen. Uns nicht verstecken. Dazu stehen, dass wir katholisch sind. Dass wir an Christus glauben. Dass uns das Evangelium wichtiger ist als alles andere.

Der heilige Andreas Kim Taegon ist einer der beiden Patrone unserer Deutschsprachigen Katholischen Gemeinde. Vor zwei Jahren haben wir uns dafür entschieden, zusammen mit dem heiligen Erzengel Raphael, der für die Reisenden und Migranten zuständig ist – und ganz modern gesprochen, für alle ExPats auch.

Die gestern ausgesendeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Seelsorge im Bistum Augsburg sind alle gerufen, mutig und selbstbewusst den Glauben zu verkünden und auf die Not der Menschen zu reagieren.

So wie auch die Kirche von Korea das Selbstbewusstsein hat, sich für das Evangelium einzusetzen. Sie hat Andreas Kim Taegon als Vorbild. Und so sollten auch wir an unserem eigenen christlichen Selbstbewusstsein arbeiten. Der Auftrag Jesu ist sowieso klar: Ihn sollen wir verkünden. Die Märtyrer Koreas bringen uns zum Nachdenken und zum Handeln.

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