Es ist immer wieder interessant, den Namen nachzugehen, die die Menschen den Tieren gegeben haben. Carl von Linné (1707–1778), der berühmte schwedische Naturforscher, Arzt und Botaniker, gab der Gottesanbeterin, die ich vor ein paar Tagen fotografieren konnte, 1758 ihren wissenschaftlichen Namen Mantis religiosa. In anderen Sprachen wird dieses Tier ähnlich benannt: Französisch mante religieuse („religiöse Fangschrecke“) und englisch praying mantis („betende Mantis“).
Die Haltung der Fangschrecke hat die Menschen zu religiösen Assoziationen inspiriert.
Ich finde das spannend, zeigt es doch auch, dass Spuren Gottes in der Schöpfung gesehen wurden.
Dabei erinnert die charakteristische Haltung mit den nach vorne zusammengelegten Fangarmen an die menschliche Gebetshaltung. Die Gottesanbeterin wirkt, als richte sie sich gesammelt und aufmerksam auf etwas vor ihr aus.
Das ist eine gute Erinnerung daran, wie wir anbeten sollten: Wir richten uns auf Gott aus. Und aus der fast regungslosen, konzentrierten Haltung können wir ein Bild für die Stille und Sammlung im Gebet verstehen. Wir lassen Ablenkungen zurück und richten unser Herz auf Gott.
Noch ein Punkt ist mir wichtig: Die Gottesanbeterin ist ein Geschöpf, so wie wir es auch sind. Das gibt uns den Impuls, zu erkennen, dass wir unser Leben letztlich Gott verdanken. Anbetung bedeutet nicht bloß, Gott um etwas zu bitten, sondern anzuerkennen: Gott ist Gott, und der Mensch ist Geschöpf. Daraus erwächst die Haltung der Ehrfurcht vor Gott, der immer der Größere sein wird.
In jeder katholischen Kirche können wir das tun: Da, wo das ewige (rote) Licht ist, dort ist der Tabernakel und damit Jesus Christus selbst. Er lädt ein zum Innehalten, zum Gebet und zur Anbetung. Willkommen in der katholischen Kirche.