Mit Herz, Hirn und Seele

Lk 14, 25-33 – Antrittspredigt 04.09.2022 in der Deutschsprachigen Katholischen Gemeinde Korea

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, 안녕하십니까? 

Der Diakon mit der Mütze – na gut, nicht hier in der Kirche – und seine Frau
Christine sind angekommen. So wie viele andere Menschen in den letzten
Tagen auch aus dem Ausland hier in Südkorea angekommen sind. Wir sind also
zwei unter vielen, sind nichts Besonderes. Oder aber: Wirklich alle Menschen
sind etwas Besonderes, dann sind wir es auch.
An meinem Geburtstag im Januar 2021 haben wir die Zusage bekommen, in die
Auslandsseelsorge zu gehen, für die ich mich weltweit beworben hatte, und
Monsignore Peter Lang hat uns Südkorea angeboten. Christine und ich haben
uns nur einen Blick zugeworfen – und sofort ja gesagt. Es hat sich einfach
richtig angefühlt, zur Gemeinde in Seoul und zur deutschsprachigen
katholischen Seelsorge zu gehen. Die Erfahrungen im letzten September, als wir
zum ersten Mal hier waren, haben uns da mehr als bestätigt – wir sind mit
einer großen Sicherheit nach Deutschland zurückgeflogen, dass Südkorea zu
unserem Lebensweg dazu gehören soll.
Unser Kernanliegen und Auftrag ist es, mit euch und Ihnen herauszufinden, was
das Evangelium für uns alle bedeutet, was wir davon verstanden haben und
was wir entsprechend für Konsequenzen daraus ziehen. Wir wollen die
Sakramente feiern und uns in Wort und Sakrament von Christus beschenken
lassen. Wir wollen auch das Kirchenjahr feiern – mit allem, was an Tradition
möglich und sinnvoll ist, und mit allem, was an Kreativität in der Gemeinde
vorhanden ist.
Christine und ich möchten mit euch zusammen christliche Gemeinde sein, eine
gute sinnvolle und sinnstiftende Gemeinschaft, – und da ist uns vieles wichtig.
Zwei Punkte greife ich heraus:
Der erste Punkt ist die Ökumene. Es ist für uns selbstverständlich, dass wir als
Christinnen und Christen verschiedener Konfessionen gemeinsam unterwegs
sind – in der Nachfolge des Herrn. Dass wir dabei eigene Akzente in Liturgie und
Glaubenspraxis und zuweilen auch in der Dogmatik setzen, wird uns nicht
davon abhalten, mit der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache eng
zusammen zu arbeiten. Liebe Mi-Hwa, wir wollen mit euch zusammen Salz der
Erde und Licht der Welt sein.
Der zweite Punkt ist die Offenheit für alle Menschen. Wer sich in der deutschen
Sprache halbwegs wohlfühlt und einen Draht zur Katholischen Kirche hat, ist
willkommen, ganz gleich, wo er oder sie herkommt, was im Leben wichtig ist
oder wie die persönlichen Lebensumstände aussehen. Wir wollen in einer
Gemeinde mitarbeiten, die das lebt – und das ist ja hier auch der Fall. Mir hat
es so gut getan, zu hören und zu erleben und zu spüren, dass hier eine gute
Willkommenskultur herrscht. Das ist sicher eine ganz wichtige Eigenschaft einer
Auslandsgemeinde.
Und so wünschen wir uns, dass die deutschsprachigen Christinnen und Christen
in Korea in der Gesellschaft und untereinander mit Herz, Hirn und Seele
erfahrbar und spürbar sind.
Mit einem Herzen, das voller Liebe und Nächstenliebe und Glaube ist und das
zu guten Taten ermuntert.
Mit dem Hirn, weil wir in unserer Zeit der Kirchenskandale und Untaten und
Verbrechen mit klarem Kopf und Verstand für Transparenz und Konsequenz
sorgen müssen und vieles nun mal nüchtern angeschaut werden muss. Das
heutige Evangelium zeigt uns in großer Radikalität, dass Jesus von uns
Nachfolge will – und das bedeutet nun mal Leben nach dem Evangelium. Die
Verbrechen der Kirche stehen im Gegensatz dazu. Es braucht hier eine große
Bereitschaft zur Umkehr und zur systematischen Aufarbeitung.
Und mit Seele – denn die deutschsprachige katholische Seelsorge in Korea ist
nicht dadurch getan, dass da ein Diakon angekommen ist und der wird das
schon alles richten. Letztlich sind wir sind alle Seelsorgerinnen und Seelsorger,
weil wir uns um unsere eigene Seele und um die Seele der anderen kümmern
sollen.
Wir sind außerdem nicht nur Gemeinde in Seoul, wir sind Gemeinde in
Südkorea – und wir brauchen jede und jeden, der sich einbringen möchte und
Zeichen setzt und das Evangelium lebt und danach handelt.
Mit Herz, Hirn und Seele. Das sollte immer im Blick sein.
Christine und ich freuen uns auf Begegnungen und Gespräche und
Gottesdienste und Alltag. Wir wollen so vieles kennen lernen – die Sprache, die
Kultur und die Küche, die Gesellschaft, die Religionen, die koreanische Kirche
und so vieles mehr.
Und daher schließe ich mit einem tief empfundenen Dank. Ich danke für das
Willkommen sein und für jede Hilfe, die wir im Alltag bekommen. Ich danke
dem Erzbistum Seoul, das uns unter anderem unterstützt durch Weihbischof
Timotheus und einige Priester, die mit uns die Eucharistie feiern. Ich danke
meinem Augsburger Bischof Bertram und dem Katholischen
Auslandssekretariat in Bonn für die Entsendung und das große Vertrauen, das
uns entgegen gebracht wird.
Und ich danke Ihnen und euch allen für die Gemeinschaft, die wir durch
Christus und in Christus und mit Christus sind und gestalten.
Danke von Herzen, dass wir hier sein dürfen. 감사합니다.
Amen.

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