Wandlung

Es gibt Dinge in uns, die wir lieber nicht hätten. So etwas wie Neid, Eitelkeit, Angst oder Aggression. All das eben, das nicht zu dem Bild passt, das wir gerne von uns selber hätten. Oder wie andere uns sehen sollten.
Solche Dinge machen uns auch weniger lebendig. Sie hindern uns daran, für andere da zu sein. Und die anderen merken das auch – wir sind nicht erreichbar, irgendwie erstarrt, wie festgekettet.
So gerne würden wir das ändern, würden uns gerne mit Hilfe eines Zauberspruchs verwandeln. Aber irgendwie klappt das nicht.

C.G. Jung, der berühmte Psychiater, hat mal gesagt: Man wandelt nur, was man annimmt. Das ist nicht so einfach, weil wir uns damit auseinander setzen müssen, wie wir wirklich sind, damit Veränderung, damit Wandel beginnen kann.

Annahme passiert aber nicht nur in mir drin. Sie kommt auch von außen, von Menschen, denen ich wichtig bin. Die mit mir ihren Alltag teilen, mich zum Essen einladen, mir ihre Zeit schenken.
Wenn ich solche Annahme spüre, kann es mir helfen, mich zu verändern. Manches kommt in Bewegung, wenn man aufhört, vor sich selbst wegzulaufen.

Angenommen zu sein bedeutet dabei nicht, dass plötzlich alles gut ist, so wie es ist. Es bedeutet auch nicht, dass Neid plötzlich keiner mehr ist oder Angst verschwindet, nur weil man sie freundlich betrachtet.
Es bedeutet zunächst nur: Auch das gehört zu mir. Auch damit darf ich da sein. Mit meiner Eitelkeit und meiner Kleinlichkeit, mit meiner Härte und meiner Angst. Mit diesem ziemlich unvollkommenen, gewöhnlichen Menschen, der ich nun einmal bin.

Wenn Menschen uns so annehmen können, wie wir sind, dann kann Christus das erst recht. Und er zeigt uns das immer und immer wieder neu. Er gibt uns ein ganz gewöhnliches Zeichen: Brot. Er lädt uns zum Essen ein. Wir nennen dies Kommunion. Wir dürfen kommen, so wie wir sind. In der Annahme dieser Einladung beginnt unser Wandel. Es ist nicht einfach eine Erinnerung an Christus, es ist Christus selbst.
Und er ist es, weil zuvor ein ganz besonderer Wandel stattgefunden hat. Dafür haben wir einen eigenen Namen: Wir nennen das Wandlung. Das Brot wird zum Leib Christi.
Diese Wandlung ist die beste Voraussetzung für einen Wandel in uns.

Denn: Man muss nicht erst verwandelt sein, um zum Mahl zu kommen. Man geht zum Mahl, um verwandelt zu werden. Dafür brauchen wir auch gar keinen Zauberspruch.

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