Braucht Gott auch mal Urlaub?

„Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk erschaffen hatte.“ (Gen 2,3)

Die Schöpfung war nach sechs Tagen vollendet, alles war gut so wie es war – und Gott ruht sich am siebten Tag aus. So erzählt es uns das Buch Genesis. Mal abgesehen von der lyrischen Komponente dieses Schöpfungsberichts: Dass wir Menschen Urlaub, Pausen, Auszeiten brauchen, wissen wir. Aber Gott? Braucht Gott Urlaub? War er erschöpft vom Erschaffen?

Wer eine solche Frage stellt, muss sich mit dem eigenen Gottesbild auseinander setzen. Wer ist Gott für mich? Was ist Gott für mich? 
Vor allem: Was ist Gott für mich im Kontext der Schöpfung?
Dass er vorher viel Arbeit hatte, kann man vermuten – je nachdem, wie man den Schöpfungprozess versteht. Oder wie man naturwissenschaftlich daran geht und dies mit der Theologie verknüpft. Eine Überlegung für mich ist hier: Er steckt dahinter, es ist sein Plan, dass sich die Schöpfung so entwickelt hat. Er gab den entscheidenden Impuls, der dann schließlich zum Urknall führte. Als Theologe denke ich mir das so.

Eine theoretische Physikerin könnte es ganz anders sehen. Oder eben feststellen, wie es es im Grunde alle aus dieser Gilde tun, dass keiner weiß, was vor dem Urknall war. Und das schließt ja dann das Wirken Gottes nicht aus.

Berühmt wurde in diesem Kontext zum Beispiel John Polkinghorne (1930–2021), der nicht nur Physiker, sondern auch anglikanischer Priester und Theologe war und viele Brücken gebaut hat zwischen diesen Welten.

Wie auch immer: War Gott nun erschöpft? Wer von einem allmächtigen Wesen ausgeht, wird dies nur verneinen können. Was dann? Wenn es keine übergriffige Ausschmückung des biblischen Autors war, dass Gott geruht hat, dann muss es einen anderen Sinn darin geben.

Ich finde: Gott setzt hier ein Zeichen, das wir nicht ignorieren dürfen. Er wollte ein grundlegendes Muster von Arbeit und Ruhe setzen. Der Mensch soll sechs Tage arbeiten, am siebten Tag aber ruhen und sich an ihn erinnern. Sprich: Ihm immer und immer wieder Raum geben im eigenen Leben. 

Diejenigen unter uns, die das mit dem „den ganzen Tag ruhen“ nicht immer so schaffen, seien erinnert, dass es in der Tradition christlicher Spiritualität einen Rat gibt, der immer wieder auftaucht, auch wenn er nicht einem bestimmten Autor zugeordnet werden kann. Er lautet: „Gib Gott jede Woche eine Stunde, jeden Monat einen Tag und jedes Jahr eine Woche.“

Das ist schon eher zu schaffen. Fangen wir an mit der Stunde jeden Sonntag im deutschsprachigen Gottesdienst. Und denken wir dort über unser Gottesbild nach.

Übrigens:
Wenn Gott Urlaub machen würde, dann sicher in einer Gegend, in der wir ihm begegnen können. Egal, ob wir selber gerade Urlaub haben oder nicht. 

Wenn er aber keinen Urlaub macht, dann ist er ja sowieso für uns da.

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