Predigt am 28.06.2026 in Maria unterm Kreuz, Königsbrunn zu MT 10,37-42
Das hier, liebe Schwestern und Brüder, ist ein 10.000 Won-Schein aus Südkorea.
Das sind umgerechnet etwa 5,72 Euro.
Wichtig ist aber nicht die Summe, sondern die Person, die hier abgebildet ist: Es
handelt sich um den berühmtesten König von Korea, König Sejong.
Sejong der Große (세종대왕) regierte von 1418 bis 1450 und war einer der bedeutendsten
Herrscher Koreas, weil er Reformen förderte, die das Leben vieler Menschen
verbesserten. Er gilt bis heute als ein weiser Herrscher.
Seine wichtigste Leistung war die Einführung des Hangul, das ist die bis heute gültige
Schrift. Ich hab eine Weile gebraucht, um diese Buchstaben zu lernen. Aber es ist
möglich und viele, vor allem junge Menschen aus Deutschland tun das auch.
Vor der Einführung des Hangul konnten vor allem Gelehrte lesen und schreiben, weil
nur sie die schwierigen chinesischen Schriftzeichen beherrschten. Hangul war nun
bewusst so gestaltet, dass auch gewöhnliche Menschen lesen und schreiben lernen
konnten. Sie bekamen dadurch Zugang zu Bildung.
Darüber hinaus unterstützte König Sejong Wissenschaft, Landwirtschaft, Medizin
und Astronomie und verstand Herrschaft als Dienst am Wohl des Volkes.
Sejong wird bis heute verehrt, und das zeigt sich auf vielerlei Weise:
* Sein Portrait ist auf dem Geldschein.
* Am 9. Oktober wird in Südkorea der Hangul-Tag gefeiert. Er erinnert an die
Veröffentlichung des Hangul-Alphabets und würdigt damit unmittelbar Sejongs
Vermächtnis.
* Es gibt Statuen und Denkmäler und eine ganze Stadt ist nach ihm benannt.
* Zahlreiche Schulen, Institute, Kulturpreise und Einrichtungen tragen seinen
Namen. Er wird oft als Vorbild für kluge und verantwortungsbewusste Führung
genannt.
* Sejong erscheint in Filmen, Fernsehserien, Büchern und Dokumentationen
Er steht für nationale Identität, kulturelles Erbe und den Wert von Bildung.
Sejong ist wichtig für die Menschen in Korea. Er setzte vor 600 Jahren seine Macht
ein, um den Menschen Bildung und Teilhabe zu ermöglichen und er wirkt dadurch
bis heute in den Alltag hinein.
Er wollte, dass auch einfache Menschen lesen und schreiben konnten.
Er war ein König, der seinem Volk dient.
Ein König, der seinem Volk dient. Solche Worte kennen wir natürlich. Wir glauben an
den König Jesus Christus, der uns Menschen dient. Der wollte, dass alle Menschen
vom Evangelium erfahren.
Aber während König Sejong den Zugang zu den Buchstaben öffnete, öffnet Jesus den
Zugang zu Gott. Das Alphabet hilft Menschen zu lesen; und dann soll man das
richtige lesen, das Evangelium. Das Evangelium hilft uns, Gottes Liebe zu erkennen.
Wenn Sejong ein guter König war, weil er seinem Volk diente, dann zeigt Jesus, was
der vollkommene König ist: Er gibt nicht nur Bildung oder Gesetze, sondern sein
eigenes Leben für die Menschen.
Und damit bin ich beim heutigen Evangelium. Wir haben das vorhin gehört. Jesus
verlangt, dass wir sein Wort über alles andere stellen.
Jesus stellt klare Forderungen an uns, weil er mehr ist als ein großer Lehrer oder ein
gerechter Herrscher.
Sicher: König Sejong verdient Achtung und Dankbarkeit. Das verdient Jesus natürlich
auch. Er aber fordert eine Hingabe, die kein menschlicher König verlangen darf: Er
ruft Menschen dazu auf, ihn über alles zu stellen. Wir glauben, dass Jesus nicht nur
ein weiser Mensch, sondern Gottes Sohn ist.
Die Radikalität des heutigen Evangeliums kann durchaus erschrecken. Wenn man
gleich am Anfang nicht so genau hinhört, das klingt es so, dass wir zum Beispiel Vater
und Mutter nicht mehr lieben sollen. Das steht da aber nicht. Wir sollen sie lieben,
aber wir sollen Jesus MEHR lieben.
Damit uns das gelingt, müssen wir lernen, das Alphabet von Jesus Christus zu lernen.
Das ist kein Alphabet mit ganz besonderen Buchstaben: Es ist ein Alphabet der
Nachfolge. Seine Buchstaben heißen: Vertrauen, Hingabe, Gastfreundschaft,
Barmherzigkeit und Liebe, und dazu Demut, Gerechtigkeit, Vergebung, Geduld,
Treue, Frieden und Mut.
Das ist dann eine ganz eigene, ganz besondere Art, lesen zu lernen, um den
entscheidenden Zugang zum Wort Gottes zu bekommen.
Sejong war ein großer König, dessen Vermächtnis hoch gehalten wird. Sein Name
und sein Wirken ist in Korea überall bekannt und wird überall gelehrt. Schon die
kleinen Kinder hören von ihm.
Ich finde, dass Jesus das erst recht verdient hätte. Ihn, sein Leben und sein Wirken
überall bekannt zu machen, sollte unser aller Anliegen sein.