Anlageberatung in der Bibel?

Es klingt zunächst wie eine Anlageberatung, was wir im Buch Maleachi im Alten Testament lesen können:

„Bringt den ganzen Zehnten ins Vorratshaus, damit in meinem Haus Nahrung vorhanden ist! Ja, stellt mich auf die Probe damit, spricht der HERR der Heerscharen, ob ich euch dann nicht die Schleusen des Himmels öffne und Segen im Übermaß auf euch herabschütte.“ (Mal 3,10)

Was ist das? Eine Art spiritueller Sparvertrag?
Diese Bibelstelle ist in der Vergangenheit zuweilen missbraucht worden: Gebt Geld, und erhaltet Segen. Denn der Zehnte bedeutet 10 Prozent meines Einkommens.

Es ist aber kein Geschäft, das hier vorgeschlagen wird, sondern es geht um den Bund mit Gott.

Eine Bank verspricht eine berechenbare finanzielle Verzinsung, zumindest theoretisch. In Maleachi ist der Segen Gottes umfassender: Er kann Ernte, Frieden, Gemeinschaft oder geistliche Erneuerung umfassen. Er ist nicht auf Geld reduzierbar und nicht vollständig berechenbar.

Maleachi spricht zu Israel in einer konkreten Situation, etwa in der Zeit 500 bis 450 vor Christus. Das Volk Israel war aus dem babylonischen Exil zurückgekehrt. Weil aber auch in der Heimat keine paradiesischen Zustände herrschten, gab es viel Enttäuschung und Lustlosigkeit. Wirtschaftliche Not, Missernten und religiöse Gleichgültigkeit prägten den Alltag.

Der ungewöhnliche Satz „stellt mich auf die Probe damit” ist keine Einladung, Gott auszutesten wie ein Finanzprodukt. Er ist eine rhetorische Herausforderung an ein Volk, das Gottes Treue infrage stellt. Gott sagt sinngemäß: Lebt wieder im Vertrauen zu mir, und ihr werdet meine Fürsorge erfahren. Das heißt auch, dass Gott unsere Initiative erwartet.

Das ist wie der Umgang mit einer Brücke. Ich kann sie lange vom einen Ufer aus anschauen, aber wenn ich mich nicht bewege, komme ich nicht auf die andere Seite und weiß nicht, was es dort zu entdecken gibt. Es könnte ja auch Gott sein, dem ich dadurch näher komme. Und wenn die Brücke menschenleer ist, dann könnte ich ja auch zum Trendsetter werden und mal vorausgehen.

Ohne Geld ging es damals nicht, und heute geht es auch nicht ohne. Das gilt auch für die Kirche. Mit Geld kann sehr viel sinnvolles getan werden. Ein Kollege, den ich sehr schätze, nennt sich sebst Leib- und Seelsorger: Die Sorge um den ganzen Menschen mit Leib und Seele steht im Vordergrund.

Es ist also kein Investmentvertrag, der hier von Maleachi beworben wird. Es ist ein Aufruf, sich Gott zuzuwenden. Man geht keinerlei Risiko dabei ein. Im Gegenteil: Der Gewinn ist einfach göttlich.

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