Predigt zur Dreifaltigkeit
Es ist unter Theologen und Theologinnen ein ganz bekannter Satz: Wenn man sagt: „Du musst über die Dreifaltigkeit predigen“, dann kommt schon mal die Frage: „Wie machst du das?“
Das Thema ist nicht so leicht zu greifen. Es ist ja auch etwas, das uns aus Sicht anderer Religionen immer wieder zum Vorwurf gemacht wird.
Dreifaltigkeit wirkt schwierig, irgendwie abstrakt. Dieses 1 + 1 + 1 … mathematisch können wir da irgendwie nicht herangehen.
Die Frage ist: Was sagt uns die Dreifaltigkeit über Gott? Und was sagt sie über uns Menschen aus?
Die Zahl Drei kennen wir aus ganz vielen Kontexten. Zum Beispiel aus dem Alltag: Anfang, Mitte, Ende. Das ist so ein Dreischritt. Oder Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Oder ein Stativ, ein Dreibein, das steht stabil. Mit zwei Beinen wird das nicht so leicht, auf einem schon gar nicht.
In der Bibel haben wir zum Beispiel bei Abraham drei Besucher. Jona ist drei Tage im Bauch des Fisches. Jesus betet dreimal in Getsemani. Petrus verleugnet Jesus dreimal und sagt anschließend dreimal, dass er ihn liebt. Und die Auferstehung Jesu geschieht am dritten Tag.
Auch hier zieht sich die Zahl Drei durch. In der Tradition haben wir Glaube, Hoffnung und Liebe, ebenfalls ein biblisches Motiv. Oder wir haben das dreimalige „Heilig“ des Sanctus in unseren Gottesdiensten.
Drei ist etwas Vollständiges. Die Zahl steht für Fülle und Vollendung. Zwei können sich einander gegenüberstehen. Aber bei drei merkt man schon: Da entsteht Gemeinschaft, da entsteht eine noch intensivere Beziehung.
Das heißt: Wenn wir über Gott nachdenken, dann geht es darum, wie Menschen Gott erfahren, und zwar als Gott, den Schöpfer. Das bringt uns zum Staunen über die Welt. Im Sohn Jesus Christus erfahren wir Orientierung, die Nähe Gottes und Erlösung. Im Heiligen Geist erfahren wir Trost, Kraft und Hoffnung.
Und was wir immer im Hinterkopf und im Herzen haben sollten: Es sind nicht drei verschiedene Götter. Wir sind immer noch monotheistisch unterwegs. Wir glauben an den einen Gott.
Es sind verschiedene Erfahrungen des einen Gottes.
Die ersten Christen haben Gott als Vater erfahren, Jesus als Herrn erkannt und die Kraft des Geistes an Pfingsten erlebt. Deshalb kamen sie sehr schnell zu diesem Bekenntnis, das letztlich der Kern unseres ganzen Denkens und Glaubens ist: ein Gott, und doch Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Und letztlich hat Jesus es ihnen auch so beigebracht.
Ich hab euch heute eine Spiegel mitgebracht.
Was passiert, wenn du in einen Spiegel schaust? Olivia, was siehst du? Paulina, was siehst du? Christine, was siehst du, wenn du in den Spiegel schaust?
Ja, wenn ich in den Spiegel schaue, dann sehe ich mich selbst. Ich sehe mein Gesicht. Ich sehe auch mein Leben.
Ich kann erkennen, dass ich ein Geschöpf bin. Kein Zufallsprodukt. Ich habe mich nicht selbst erschaffen. Gott hat mich gewollt.
Nur: Der Spiegel zeigt nicht alles. Er zeigt nicht meine Gedanken, nicht meine Liebe, nicht meine Sehnsucht.
Hinter dem Sichtbaren liegt irgendwie ein Mysterium, ein Geheimnis.
Wenn wir das auf Gott übertragen, dann können wir uns die Frage stellen: Wenn wir Gott erkennen wollen, dürfen wir nicht beim Spiegelbild stehen bleiben. Wir müssen gewissermaßen durch den Spiegel hindurchschauen. Das geht natürlich nicht – sonst wäre es kein Spiegel. Aber wir brauchen diese Vorstellung, diese Idee, dass wir durch den Spiegel hindurchschauen können. Denn wir wollen ja mehr sehen als nur unser Gesicht.
Wir wollen Erkenntnis gewinnen. Wir suchen Gott.
Es gibt einen wunderschönen Vers bei Paulus. Er sagt: „Jetzt sehen wir wie in einen Spiegel und erkennen nur rätselhafte Umrisse.“ (1 Kor 13,12)
Gott bleibt Geheimnis. Wir erkennen ihn nur teilweise.
Aber trotzdem noch einmal die Frage: Was ist hinter dem Spiegel? Was sehen wir dort? Was erkennen wir mit den Augen des Herzens, mit den Augen des Glaubens?
Darum geht es: dass wir glauben, dass da eine Wirklichkeit ist, die wir nicht einfach greifen können, von der wir nicht einfach sagen können: „Aha, da ist er.“
Sondern dass wir uns aus dem Glauben heraus als Geschöpfe sehen, als Erlöste und Begabte: durch den Vater erschaffen, durch den Sohn erlöst und durch den Heiligen Geist begabt und belebt.
Man könnte auch sagen: wieder ein Dreischritt.
Gott ist über uns: Dann denken wir an den Vater.
Gott ist mit uns: Dann denken wir an den Sohn.
Und Gott ist in uns. Dann denken wir an den Heiligen Geist.
Im Spiegel sehe ich mich selbst.
Durch den Spiegel erkenne ich meinen Schöpfer.
Hinter dem Spiegel ahne ich das Geheimnis Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Noch einmal zur Erinnerung: Die Dreifaltigkeit ist keine Rechenaufgabe. Mit 1 + 1 + 1 kommen wir hier nicht weiter.
Bei der Dreifaltigkeit geht es um Glauben. Und es geht um Liebe.
Und zu dieser Liebe sind wir berufen.