Mit leeren Händen ins neue Jahr

Gedanken zum Jahresschluss 2025

Am Übergang vom alten ins neue Jahr halten wir inne.
Wir schauen dankbar zurück, ehrlich auf das Unvollendete
und hoffnungsvoll nach vorne.
Wir tun dies im Geist von Franz von Assisi,
der uns lehrt: Gott in allem zu loben, gerade wenn sich alles verändert, wenn alles im Wandel ist.

Franz von Assisi wusste, dass man das Leben nicht gewinnt, indem man es festhält.
Im Gegenteil. Er hat erfahren: Wer sich an Sicherheiten klammert, verliert am Ende die Freiheit des Herzens.

Franz musste lernen, loszulassen. Nicht nur Besitz, nicht nur Geld, nicht nur Status. Er ließ Erwartungen los – die seines Vaters, die der Gesellschaft, vielleicht auch seine eigenen. Das war seine Aufgabe: loslassen, was ihn festhielt. Nicht, weil diese Dinge an sich schlecht gewesen wären, sondern weil sie ihn banden. Weil sie ihm sagten, wer er zu sein hatte, und nicht mehr zuließen, wer er vor Gott sein konnte.

Loslassen ist schmerzhaft. Es fühlt sich an wie Verlust. Wie Leere. Franz kannte diese Leere. Er stand buchstäblich mit leeren Händen da. Aber genau dort begann etwas Neues. Denn leere Hände sind nicht nutzlos – sie sind offen.

Und hier beginnt die Gabe. Franz empfing, was er sich nicht hätte erarbeiten können. Eine Freiheit, die nicht erkauft ist. Eine Freude, die nicht abhängig macht. Eine Beziehung zu Gott, die nicht auf Leistung beruht, sondern auf Vertrauen. Franz entdeckte: Gott füllt nicht das, was wir festhalten, sondern das, was wir ihm überlassen.

Diese Bewegung ist ein Lebensrhythmus. Immer wieder loslassen. Immer wieder empfangen. Franz hat das gelebt in der Einfachheit seines Alltags, in der Nähe zu den Armen, in der Zärtlichkeit gegenüber der Schöpfung. Er brauchte nichts zu besitzen, um reich zu sein. Er wusste sich beschenkt.

Vielleicht liegt genau hier eine Anfrage an uns. Was hält mich fest? Woran klammere ich mich, weil ich Angst habe, ohne es nicht zu bestehen? Kontrolle? Anerkennung? Sicherheit? Selbstbilder, die mir Halt geben sollen, mich aber eigentlich einengen?

Franz lädt uns ein, diese Fragen nicht zu verdrängen. Denn Aufgabe ist kein Verlust, wenn sie Raum schafft für Gabe. Wer loslässt, fällt nicht ins Nichts – er fällt in Gottes Hand.

So wird das Leben nicht ärmer, sondern weiter. 

Und vielleicht ist das die eigentliche Freiheit, die Franz uns hinterlassen hat: den Mut, loszulassen, um beschenkt zu werden.

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