Nachfolge im Alltag

Predigt am 25.01.2026 zu Mt 4, 12–23 

Liebe Schwestern und Brüder,

das Evangelium von diesem Sonntag erzählt eine kurze, aber sehr starke Geschichte. Jesus geht am See von Galiläa entlang. Er sieht Menschen bei ihrer täglichen Arbeit. Sie sind Fischer. Sie werfen ihre Netze aus. Sie tun, was sie jeden Tag tun. Genau dort spricht Jesus sie an. Er sagt: „Kommt, folgt mir nach.“ Mehr sagt er nicht. Kein langer Vortrag. Keine Erklärung. Nur diese Einladung. 
Diese Szene ist wichtig, weil sie uns zeigt, wie Nachfolge beginnt. Jesus wartet nicht, bis alles vorbereitet ist. Er wartet nicht auf den „perfekten Moment“. Er kommt mitten in den Alltag.

Das ist auch heute so. Jesus begegnet uns nicht nur in besonderen Stunden. Er begegnet uns in unserem normalen Leben: auf dem Weg zur Arbeit, zu Hause, im Gespräch, in Sorge und Freude. Nachfolge beginnt dort, wo wir gerade stehen.

Die Fischer reagieren sehr schnell. Im Evangelium heißt es: „Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.“ Das klingt einfach, ist aber sehr zentral für das Verständnis des Textes.

Die Netze sind ihre Arbeit. Die Netze geben Sicherheit. Die Netze sichern das tägliche Brot.

Die Männer lassen all das zurück. Das bedeutet nicht, dass Arbeit unwichtig ist. Es bedeutet: Jesus bekommt einen neuen Platz im Leben. Er steht an erster Stelle.

Auch für uns ist das eine Frage. Was sind unsere „Netze“? Was hält uns fest? Woran klammern wir uns? Vielleicht ist es die Angst, etwas zu verlieren. Vielleicht ist es der Wunsch nach Kontrolle. Vielleicht ist es Gewohnheit. Nachfolge heißt nicht, alles sofort aufzugeben.

Nachfolge heißt, zu prüfen: Was bestimmt mein Leben wirklich? Wem vertraue ich? 
Jesus sagt dann einen wichtigen Satz: „Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“ Das klingt fremd. Es bedeutet nicht, andere einzufangen oder zu zwingen. Es bedeutet: Euer Leben soll für andere wichtig werden. Ihr sollt Menschen Hoffnung bringen. Ihr sollt ihnen zeigen, dass Gott sie sieht und liebt. Das geschieht nicht zuerst durch große Worte. Es geschieht durch Nähe, Geduld und Aufmerksamkeit. Nachfolge ist deshalb immer auch Sendung. Wer Jesus folgt, bleibt nicht nur bei sich selbst. Er schaut auf andere. Er fragt: Wer braucht Hilfe? Wer braucht ein gutes Wort? Wer braucht Zeit? So wird der Glaube sichtbar. So wird das Evangelium lebendig im Alltag. Wichtig ist auch: Die Jünger wissen nicht, wohin der Weg führt. Sie kennen das Ziel nicht. Sie gehen Schritt für Schritt. Das gilt auch für uns. Nachfolge bedeutet nicht, alles zu verstehen. Nachfolge bedeutet, unterwegs zu bleiben. Heute einen Schritt. Morgen den nächsten. Mit Vertrauen. 
Liebe Schwestern und Brüder,
Nachfolge im Alltag heißt: Jesus hören, wenn er ruft. Ihm Raum geben im eigenen Leben. Sich nicht von Angst leiten lassen, sondern von Vertrauen. Und den Mut haben, das eigene Leben für andere zu öffnen. So beginnt Gottes Reich – ganz einfach, mitten im Alltag.

Amen

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