Friede diesem Haus

Predigt am 06.07.2025 zu Lk 10,1–12.17–20

Liebe Schwestern und Brüder,

zwei Menschen ziehen los – ohne großen Plan, ohne Koffer, ohne Rückversicherung. Keine Kreditkarte, keine Checkliste, kein Notfall-Handy. Nur mit einem Satz im Gepäck: „Friede diesem Haus!“

So schickt Jesus seine Jünger damals los. Zwei und zwei. Einfach unterwegs, mit einer Botschaft, die bis heute Kraft hat: Den Frieden bringen.

Und ich finde, gerade jetzt passt das wunderbar. Sommerzeit – viele sind unterwegs: im Urlaub, auf Reisen, zu Freunden. Einige von euch ziehen gerade um. Da begegnet man neuen Menschen, neuen Kulturen, manchmal auch ungewohnten Situationen.

Genau da hinein sagt Jesus:
„Wenn ihr irgendwo hinkommt – sagt zuerst: Friede diesem Haus.“

Was für eine einfache, aber starke Haltung. Stellen wir uns das mal vor:

  • Beim Einchecken im Hotel – innerlich denken: Friede diesem Haus.
  • Im Zug, wenn der Platznachbar schon müde guckt – Friede sei mit dir.
  • Beim Nachbarn, der neu ins Viertel zieht – Friede diesem Haus.
  • Oder, wenn wir selbst neu irgendwo ankommen – Friede diesem Haus.

Ich glaube, so etwas verändert die Atmosphäre. Nicht immer spektakulär, aber spürbar.

Jesus sendet die Menschen damals mit leeren Händen, aber mit vollen Herzen. Sie sollen nicht Druck machen, keine Moralkeulen schwingen, nicht mit erhobenem Zeigefinger auftreten. Sondern einfach da sein – mit Respekt, mit Herzlichkeit, mit Frieden.

Und dieser Friede ist mehr als das, was wir oft meinen, wenn wir sagen „Hoffentlich gibt’s keinen Streit.“
Es ist das biblische Schalom: Fülle des Lebens, Heil, Versöhnung, Ganzheit. Frieden, der Räume öffnet, der Beziehungen heilt, der Menschen verbindet.

Das Schöne ist: Dieser Auftrag gilt nicht nur den Profis. Nicht nur denen, die theologisch geschult sind oder rhetorisch glänzen können.
Er gilt uns allen – dir und mir, ganz egal, ob wir uns manchmal eher unscheinbar fühlen oder nicht.

Du brauchst keine perfekte Rede, um Frieden zu bringen.
Du musst kein Superheld sein.

Vielleicht kannst du einfach gut zuhören.
Oder du bringst mit deiner ruhigen Art Entspannung in hitzige Situationen.
Vielleicht hast du Humor, der Spannungen löst.
Vielleicht bist du der Mensch, der zwei andere wieder ins Gespräch bringt, die sich aus dem Weg gegangen sind.

Denke nie, du wärst zu klein für den Frieden.
Großer Friede beginnt immer im Kleinen. Und die Welt – unsere Welt – sehnt sich gerade danach.

Die Jünger, von denen das Evangelium erzählt, kommen später zurück – und sie sind voller Freude. Nicht, weil sie sich selbst so großartig finden, sondern weil sie erleben durften:
Frieden wirkt. Herzen öffnen sich. Hass verliert seine Macht.

Jesus sagt ihnen: Freut euch nicht nur über das, was ihr bewegt habt, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind.
Oder anders gesagt: Ihr müsst nicht alles schaffen. Aber ihr gehört zu mir. Und das genügt.

Liebe Schwestern und Brüder,
ob Ihr diesen Sommer verreist oder zuhause bleibt, ob Ihr weitere Länder erkundet oder in die Heimat zurückkehrt – nehmt diese Haltung mit:

„Friede diesem Haus.“

Sagt es laut. Oder leise. Oder einfach innerlich.
Lebt es – unterwegs, am Urlaubsort, am Arbeitsplatz, in der Familie, im neuen Umfeld.
Seien wir Friedensmenschen – gerade in dieser so unendlich zerrissenen Welt.

Denn das ist unsere Berufung. Und die Welt wartet darauf.

Amen.

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