Kein Frieden

„Anniversary“ heißt nicht immer Jubiläum. Man kann das Wort auch als Jahrestag
übersetzen.
Der Jahrestag des Kriegsbeginns zwischen Nord- und Südkorea ist kein Grund zum
Jubeln, das versteht sich ja von selbst.
Es ist eine tiefgehende, bewegende und mahnende Erinnerung daran, dass kurz nach
dem zweiten Weltkrieg wieder ein Krieg begann. Zuvor gab es den Chinesischen
Bürgerkrieg (1945-1949), der erste Indochinakrieg (1946-1954), der indonesische
Unabhängigkeitskrieg (1945-1949), die Malayan Emergency (Guerillakrieg in Malaya
1948-1960), der griechische Bürgerkrieg (1946-1949) begonnen oder wurden auch
wieder beendet. Und auch auf der koreanischen Halbinsel entlang des 38.
Breitengrades hatte es schon vor dem 25. Juni 1950 bewaffnete
Auseinandersetzungen gegeben.
Bis heute gibt es keinen Friedensvertrag zwischen den beiden Teilen Koreas, lediglich
ein Waffenstillstand, der bis heute gilt, wurde am 27. Juli 1953 vereinbart. Damit sind
die beiden Koreas bis heute, technisch gesehen, immer noch im Kriegszustand.
Die Liste der Kriege lässt sich immer weiter schreiben. Sie hat kein Ende. Die
Ereignisse der letzten Tage haben dies erneut mehr als schmerzhaft gezeigt. Es gibt so
viel Sprachlosigkeit angesichts des unendlichen, von Menschen verursachten,
tausendfachen Todes sowie angesichts der Schmerzen und der unerträglichen Trauer,
die alle Menschen guten Willens erleiden.
Offensichtlich haben viele Menschen mit politischer und militärischer Macht wenig oder
gar kein Interesse an einem Frieden, der seinen Namen auch verdient. Denn Frieden
ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Und den Schritt zur Abwesenheit von Krieg
müssen wir ja auch erstmal schaffen.
Mir fällt zur Zeit immer wieder der Aufruf des Apostels Paulus ein: „In eurem Herzen
herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes“ (Kol
3,15). Das sind keine leeren Worte. Das ist eine schreiende Mahnung aus der Tiefe
göttlicher Wahrheit, die uns alle meint, besonders aber jene, die auf die Knöpfe
drücken, um die Raketen loszuschicken.
Inmitten unserer zerrissenen Welt ist die ganze Menschheit aufgerufen, den Frieden zu
wählen. Jetzt.
Und da sind wir wirklich alle gemeint. Der Geist des Evangeliums ist der Geist des
Friedens. Das bedeutet für uns:

  • Wir setzen uns ein gegen Kriegspropaganda und Hassrhetorik und für Abrüstung und
    friedensfördernde Initiativen und NGOs.
  • Wir beten um den Frieden.
  • Und wir sorgen für den Frieden in unseren eigenen Herzen.
    Papst Franziskus hat in seiner Weihnachtsansprache 2024 gesagt: „Die Waffen sollen
    schweigen – Öffnet die Türen des Dialogs und des Friedens“.
    Fangen wir bei uns an, aber bleiben wir nicht bei uns stehen…

    …meint Ihr und euer Diakon Edgar

Entdecke mehr von Edgars Reiseblog

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen