Liebe Schwestern und Brüder,
heute Morgen, kurz vor dem Frühstück, hat Christine zu mir gesagt: „Edgar, jetzt musst du erst einmal dein Osternest suchen.“ Und ich habe es – Gott sei Dank – gefunden und mich einfach gefreut.
Es ist eine Tradition, eine wunderbare Erfahrung zu wissen, dass das, was schon in der Kindheit an Ostern wichtig war – nämlich Ostereier zu suchen –, auch viele Jahrzehnte später noch Bedeutung hat. Und nicht nur irgendeine Bedeutung, sondern eine, die mich froh macht. Vielen Dank dafür.
Dieses Osternest mit den Eiern und den Süßigkeiten bräuchten wir eigentlich nicht, um Ostern zu feiern. Für unseren Glauben ist es nicht notwendig. Aber es ist schön, es zu haben.
Was für unseren Glauben notwendig ist, daran erinnert uns Ostern: Es gibt eine Botschaft. Eine Botschaft, die nicht erst seit ein paar Jahrzehnten durch diese Welt geht, sondern seit über 2000 Jahren. Eine Botschaft, die durch alle Sprachen und Kulturen getragen wurde. Eine Botschaft, ohne die wir heute nicht hier wären. Eine Botschaft mit einer großen Überzeugungskraft und Ausstrahlung. Sie hat Menschen immer wieder aufgerichtet, sie aus tiefster Verzweiflung herausgeführt und war Licht in dunklen Zeiten – manchmal vielleicht nur wie ein kleines Teelicht, aber genug, um den nächsten Schritt im Leben zu erkennen.
Woher kennen wir diese Botschaft? Natürlich könnten wir sagen: von unseren Eltern, von Paten, aus dem Religionsunterricht oder durch andere Menschen. Das stimmt. Aber dahinter steht eine lange Tradition. Diese Tradition reicht zurück bis zu den Aposteln – zu den Männern, die mit Jesus unterwegs waren und die die Botschaft von Kreuz, Tod und Auferstehung in die Welt getragen haben. Sie gründeten Gemeinden, und so gibt es heute auch uns hier als deutschsprachige katholische Gemeinde.
Doch wenn man darüber nachdenkt, fällt etwas auf: Gerade diese Apostel, die später die Botschaft verkündet haben, waren es auch, die unter dem Kreuz nicht standgehalten haben. Sie hatten Angst, sie sind geflohen. Petrus hat Jesus sogar dreimal verleugnet.
Woher wussten die Apostel also von der Auferstehung? Wer hat ihnen die Botschaft gebracht?
Wir haben es im Evangelium gehört: Es war Maria Magdalena. Eine Frau war die erste Zeugin am leeren Grab. Sie berichtete, dass der Leichnam nicht mehr da war – dass Jesus lebt. Sie war die erste Verkünderin der Auferstehung.
Und die Apostel? Sie glaubten ihr zunächst nicht. Die Botschaft erschien ihnen zu unglaublich. Erst nachdem sie selbst zum Grab gelaufen waren und gesehen hatten, dass es wirklich leer war, konnten sie glauben.
Das kennen wir auch aus unserem eigenen Leben. Wenn uns etwas erzählt wird, das kaum vorstellbar ist, dann fragen wir nach Beweisen. Wir wollen Sicherheit, wir wollen es selbst sehen, bevor wir glauben können.
Vielleicht ist das eine Frage an uns: Wo lassen wir uns noch überraschen? Denn die Auferstehung war eine gewaltige Überraschung.
Und noch etwas bleibt bemerkenswert: Die erste Zeugin war eine Frau. Wenn wir ehrlich hinschauen, zieht sich das bis heute durch die Kirche. Wer trägt vielerorts den Glauben weiter? Wer hält Gemeinden lebendig? Sehr oft sind es Frauen. Auch das ist ein Gedanke, über den man nachdenken kann.
Entscheidend aber ist etwas anderes: dass wir uns für diesen Überraschungsmoment des Glaubens offenhalten. Wenn uns jemand mit Freude begegnet und sagt: „Ich bin froh, dass Ostern ist. Ich bin froh über die Auferstehung“, dann dürfen wir uns davon anstecken lassen.
Christus ist auferstanden. Das ist die Botschaft der Freude. Eine Botschaft, die uns zuerst staunen lässt, dann lächeln, dann vielleicht sogar lachen – und die wir ausstrahlen und weitergeben sollen, egal ob Mann oder Frau.
Doch damit stellt sich eine wichtige Frage: Was bedeutet das eigentlich für uns? Was heißt es für mein Leben, für dein Leben, für unseren Glauben?
Auferstehung bedeutet nicht, dass einfach etwas Vergangenes wieder zum alten Zustand zurückkehrt. Es ist etwas Neues. Auch die Begegnungen der Jünger mit dem Auferstandenen zeigen: Es war eine neue Wirklichkeit, eine neue Qualität des Lebens.
Auferstehung ist Hoffnung. Eine Hoffnung, die Neues entstehen lässt. Eine Hoffnung, die wir als Wunder bezeichnen dürfen – ein Wunder, das in die Zukunft hineinwirkt.
Das bedeutet nicht, dass alle Probleme plötzlich verschwinden. Aber es bedeutet: Wir dürfen das Schwere und Belastende verwandelt sehen im Licht der Auferstehung. Wir dürfen uns öffnen für neue Hoffnung. Wir dürfen das Staunen, das Lächeln und die Freude zulassen.
Und dann beginnt etwas Wichtiges: Diese Hoffnung weitererzählen – zuerst einmal uns selbst. Uns selbst sagen, wie gut es ist, an die Auferstehung zu glauben. Und dann auch anderen davon erzählen.
Dieses Weitergeben geschieht nicht nur mit Worten. Natürlich sind Worte wichtig: „Christus ist auferstanden. Halleluja.“ Aber genauso wichtig ist unsere Haltung. Dass wir sagen: Ja, ich bin Christin. Ja, ich bin Christ. Und ich lebe aus dem Glauben an den auferstandenen Jesus Christus.
Liebe Schwestern und Brüder, das ist die Mitte unseres Glaubens. Das ist die Botschaft, die uns Zukunft und Hoffnung gibt. Das ist das Wunder, das wir heute feiern.
Christus ist auferstanden.
Er ist wahrhaft auferstanden. Halleluja.
Amen.