Artikel ist auf Koreanisch erschienen in: 가톨릭평론Catholic Review 47.2025, S. 86-92
Die Katholische Kirche kennt verschiedene Möglichkeiten, Menschen in ihrer seelischen und körperlichen Not zu begleiten. Ein wichtiger Bereich in diesem Zusammenhang ist das sakramentale Amt, das traditionell aus Bischof, Priester und Diakon besteht.
Jeder Priester wird zunächst zum Diakon geweiht und erst danach zum Priester. Das Kirchenrecht sagt, dass ein Mann mindestens sechs Monate als Diakon arbeiten muss, bevor er zum Priester geweiht werden kann.
Die Wurzeln des Diakonats reichen bis in die früheste Zeit der Kirche zurück. In der Apostelgeschichte (Apg 6,1-6) lesen wir, dass sieben Männer ausgewählt wurden, um den Dienst an den Bedürftigen zu übernehmen und den Aposteln Raum für Gebet und Verkündigung zu schaffen. Der Begriff „Diakon“ leitet sich vom griechischen diakonos ab – das Wort übersetzen wir mit „Diener“. Dabei ist die Grundlage, dass Christus selbst der erste Diakon war und ist.
Das war der erste Schritt zu einer Entwicklung, die zunächst etwa 400 Jahre andauerte, in denen Diakone zum Beispiel in Rom wichtige Aufgaben wahrgenommen haben. Sie waren die Leiter von sogenannten Diakonien. Wir können das heute verstehen als Kombination aus karitativen Aufgaben (Versorgung der Armen und Bedürftigen, Verteilung von Lebensmitteln und Kleidung, Sorge um Witwen), ferner Krankenfürsorge, Unterstützung von Gefangenen, sowie liturgischen Diensten wie die Beerdigung von mittellosen Christen. Sie verwalteten auch die finanziellen und materiellen Ressourcen der Gemeinde.
Der Diakonat erlitt ab dem 4. Jahrhundert nach Christus allerdings einen Bedeutungsverlust, weil immer mehr auf den priesterlichen Dienst fokussiert wurde. Viele karitative Aufgaben wurden auch von den Klöstern übernommen – das Charisma des Ständigen Diakonats ging weitgehend verloren.
Durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965), vgl. Lumen Gentium 29, wurde nun nach etwa 1500 Jahren der Diakonat als eigene und beständige hierarchische Stufe wiederhergestellt. Daraus ergibt sich die heutige Bezeichnung „Ständiger Diakonat“. Die Weihe zum Diakon steht verheirateten und zölibatär lebenden Männern offen. Sie müssen, wenn sie verheiratet sind, in der Regel mindestens 35 Jahre alt sein und sich einige Jahre in der Ehe bewährt haben. Die Ehefrau muss außerdem dem Bischof gegenüber ihr Einverständnis zur Weihe ihres Ehemannes erklären.
Wer unverheiratet ist, kann schon früher geweiht werden, muss aber dann wie ein Priester das Zölibat versprechen. Wer zum Ständigen Diakon geweiht wurde, gehört wie die Priester und Bischöfe zum Klerus und wird in ein Bistum inkardiniert.
Der Ständige Diakon übernimmt drei wesentliche Aufgabenbereiche:
Liturgischer Dienst: Der Diakon assistiert dem Priester am Altar. Er steht dort auch stellvertretend für die Armen, Benachteiligten und Bedürftigen, zu denen er gerufen ist. Er verkündet das Evangelium und predigt in der Heiligen Messe. Er spendet die Taufe, leitet Trauungen und Begräbnisse und ist auch Vorsteher von Wortgottesfeiern. Er segnet im Auftrag der Kirche auch zum Beispiel Häuser und Menschen.
Verkündigung des Wortes: neben der Predigt arbeitet er als Katechet und in missionarischen Kontexten.
Dienst am Nächsten: Sein besonderer Auftrag ist es, den Armen, Kranken und Ausgegrenzten zu dienen und die Nächstenliebe der Kirche sichtbar zu machen.
In dieser dreifachen Ausrichtung wird der Ständige Diakonat zu einer Brücke zwischen der Kirche und der Welt. Das wird auch wichtig beim regelmäßigen Stundengebet (mindestens Laudes und Vesper), das der Diakon täglich für die Menschen und in der Gemeinschaft der Kirche betet.
Am 28. April 1968 wurden in Köln in Deutschland die ersten Männer zu Ständigen Diakonen geweiht. Heute sind es weltweit über 50.000 Ständige Diakone, die eine wichtige Rolle in den Pfarreien und in der besonderen Seelsorge spielen. Fast 3.300 deutsche Diakone gibt es. Sie sind zum Teil im Hauptberuf, also in Vollzeit bei der Kirche angestellt. Sie haben meistens ein fünfjähriges universitäres Theologiestudium und zusätzlich eine zwei- bis vierjährige Ausbildung in der Seelsorge absolviert, bevor sie die dreijährige nebenberufliche Ausbildung zum Diakon durchlaufen. Zum Teil haben sie einen zivilen Beruf und arbeiten sechs bis acht Stunden pro Woche in der Gemeinde mit. Dafür lernen sie zwei Jahre Theologie im Fernkurs und beginnen dann die dreijährige nebenberufliche Ausbildungszeit bis zur Weihe. Die meisten ständigen Diakone sind verheiratet.
Einer dieser deutschen hauptberuflichen Ständigen Diakone bin ich – und ich bin im Moment offensichtlich der einzige in Korea. Ich werde darauf immer wieder angesprochen. Daher möchte ich an dieser Stelle ein paar Gedanken weitergeben und zur Diskussion einladen über die Frage, was der Ständige Diakonat in Korea bedeuten könnte.
Gott beruft Menschen auf unterschiedliche Weise in verschiedene Dienste. Es gibt die Berufung zum Mensch sein, die Berufung zum Christ sein und die Berufung zur besonderen Nachfolge Christi. Ergänzend gibt es die Berufung zur Ehe, aber auch jede Berufung im Alltag, die in Treue zum Evangelium und mit dem Ziel, Gott zu verherrlichen, gelebt wird.
Berufungen können sich auch ergänzen und befruchten – ich selbst bin seit 34 Jahren verheiratet und seit 22 Jahren Diakon. Das ist eine Kombination, die mir tagtäglich hilft, Jesus zu entdecken und ihm nachzufolgen.
Mit Joh 17,21-23 und Lumen Gentium 28 kann man zurecht sagen: Der Priester hat die Aufgabe, für die Einheit in der Gemeinde zu sorgen, während Lumen Gentium 29 betont, dass die Diakone an den Grenzen der Kirche und der Welt dienen. Somit sind sie berufen, die Botschaft Christi in die Gesellschaft zu tragen, insbesondere durch ihren Dienst an den Bedürftigen und den Randgruppen. So gibt es zwei besondere Berufungen, die nicht in Konkurrenz zueinander stehen, sondern sich auf wunderbare Weise ergänzen: Der Priester übt schwerpunktmäßig stellvertretend den Heilungsdienst des Bischofs aus, und der Diakon hat den schwerpunktmäßig den bischöflichen Auftrag zum Wohl des Einzelnen und zum Aufbau der kirchlichen Gemeinschaft, was seine Mitwirkung an der Spendung der Sakramente im Rahmen seines Auftrags nicht ausschließt. Der Diakon hat den Finger am Puls der Zeit und achtet darauf, was die Kirche vom Bischof benötigt und was die Welt von der Kirche erwartet.
Die verheirateten Diakone geben weltweit ein besonderes Zeugnis ab für Ehe und Familie. Die Kombination von Ehe und Weihe bringt viele Menschen dazu, sich ihnen anzuvertrauen, weil sie viele Erfahrungen in die Gemeinden mitbringen aus dem oft anspruchsvollen Alltag mit Kindern und auch in Beziehungsfragen zwischen Mann und Frau. Es sind oft der Kirche fernstehende Menschen, die über das Gespräch mit einem Diakon neues Interesse an der Kirche bekommen und den Weg zur Gemeinde finden, weil die Diakone verheiratete und geweihte Kleriker sind. Diakone bauen immer wieder Brücken hin zum Kern der Kirche. Wie die Priester stehen sie in einer besonderen Nachfolge Christi – jeder in seiner Berufung und nach seinem Auftrag.
Neben diesen grundsätzlichen Überlegungen gilt es, immer im konkreten Land genau zu schauen, welche Aufgaben sich für Ständige Diakone zusätzlich ergeben. Jede Kultur hat ihre eigenen Herausforderungen. Diakone suchen überall die Menschen in Not auf und bauen Strukturen, um ihnen im Namen der Kirche zu helfen.
Ich sehe einige besondere mögliche Einsatzfelder für Diakone in Korea, neben den oben genannten. Dazu gehört der interreligiöse Dialog. Ich werde ab und zu von Anhängern des Schamanismus kontaktiert, die das Gespräch suchen und Antworten auf Sinnfragen ihres Lebens brauchen, die sie im Schamanismus nicht finden.
Die Sorge um Menschen in den Gefängnissen ist ein weiteres Arbeitsfeld, das ganz typisch zum Diakonat dazu gehört. Auch die Sorge um die Menschen in den Pflegekrankenhäusern ist denkbar. Eine katholische diakonale Präsenz hier könnte viele Härten mildern und für die teilweise notwendigen Verbesserungen sorgen.
Diakone könnten auch die Seelsorge für Menschen mit Behinderungen erweitern. Sie würden dadurch die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen mehr und mehr mit katholischem, kirchlichen Leben füllen.
Eine besondere Seelsorge für Kinder und Jugendliche in den Schulen wäre ebenso denkbar. Der Leistungsdruck ist hier sehr hoch, und die Suizidraten der Jugendlichen sind besorgniserregend. Diakone könnten hier mitarbeiten an katholischen Präventionsprogrammen (die natürlich psychologisch fundiert sein müssen), die Perspektiven aufzeigen und den betroffenen jungen Menschen Hoffnung geben, weil sie in Jesus Christus einen Freund an ihrer Seite kennen lernen.
Viele Menschen in Korea leiden unter großer Einsamkeit. Diakone könnten auch hier Brücken bauen und sie integrieren in die Gemeinschaft der Kirche.
Ständige Diakone gehören nach dem Willen des Zweiten Vatikanischen Konzils ganz selbstverständlich in das Leben der Kirche. Sie sind Auge und Ohr des Bischofs, wie es in einer alten syrischen Kirchenordnung heißt, und arbeiten Hand in Hand mit den Priestern zusammen. Mit ihrer eigenen Berufung bereichern sie das Leben einer Diözese.
Die Einführung des Ständigen Diakonats in einem Land braucht Zeit. Es lohnt sich, die bischöflichen Beauftragten für den Ständigen Diakonat in anderen Ländern zu kontaktieren. Diakone aus über 50 Ländern sind auch zusammengeschlossen bei ProDiaconiaChristi, dem Internationalen Diakonatszentrum, das bereits 1959 gegründet wurde und seit 1969, beflügelt durch das zweite Vatikanische Konzil, den Diakonat weltweit fördert: www.diaconia-idc.org
Ein solcher Diskurs wird sicherlich fruchtbar werden.
Der Autor: Diakon Dr. theol. Edgar Krumpen. Er ist 59 Jahre alt, verheiratet, hat zwei erwachsene Söhne und ist inkardiniert in das süddeutsche Bistum Augsburg. Die Weihe zum Diakon war 2002. Er war Religionslehrer, Gemeinde- und Studentenseelsorger, Klinikseelsorger, hat ein ambulantes Hospiz geleitet und war Leiter der Notfallseelsorge, einem Projekt mit 250 Mitarbeitern, die Tag und Nacht für Menschen in akuter seelischer Not waren nach schweren Verkehrsunfällen, nach Suizid, nach Naturkatastrophen und Amokläufen. Seit 2022 leitet er die Deutschsprachige Katholische Gemeinde Korea www.dkgkorea.info. Kontakt: edgar.krumpen@diakone.net