Ja ja oder nein nein

Predigt am 6. Sonntag im Jahreskreis, A 12.02.2023

Dein Wort sei Ja ja oder nein nein – alles andere ist vom Bösen.

Liebe Schwestern und Brüder,
das ist eine harte Aussage von Jesus.
Gerade auch in der asiatischen Gesellschaft wird das Wort NEIN ja eher selten
ausgesprochen. Wie oft habe ich in den letzten Monaten auf Englisch gehört: It
is difficult – es ist schwierig. Gemeint ist aber nicht, dass es schwierig ist,
sondern dass es nicht geht. Oder dass es nicht gewünscht ist.
Was macht es so schwer, nein zu sagen? Immer geradeaus zu sagen, was ist,
das haben wir nicht so gerne. Wir sprechen dann gerne von Notlügen oder
davon, dass man dem anderen ja nicht wehtun möchte. Ich erlebe auch in der
Begegnung von asiatischer mit deutscher Kultur, dass das zu Problemen führt:
Die eine Seite lässt die andere Seite raten, was gemeint ist. Oder andersrum
fühlt sich die eine Seite von der anderen vor den Kopf gestoßen, weil zum
Beispiel ein klares Nein ausgesprochen wird.
Mit einem Nein kann ich persönlich besser umgehen als mit einem it is difficult.
Denn dann hab ich immer noch Hoffnung, dass es eine positive Antwort auf
meine Frage geben könnte. Das ist meine Prägung, mein kultureller
Hintergrund.
Nachdem diese Ja ja – nein nein – Forderung von Jesus am Ende des heutigen
Evangeliums steht, ist es sinnvoll, noch mal zu schauen, was er zuvor gesagt
hat. Jesus hat aber so vieles gesagt, dass ich nur drei Punkte herausgreife. Das
heutige Evangelium bietet nämlich Stoff für sehr viele Predigten.
1. Jesus gebraucht keinen Weichspüler für das Alte Testament. Er steht für
klare Regeln. Das Gesetz und die Worte der Propheten werden nicht
aufgehoben, sondern erfüllen sich durch ihn.
2. Wir sollen uns untereinander versöhnen, also klären, was zwischen uns
steht, bevor wir zum Gottesdienst gehen.
3. Wir sollen nicht schwören. Unser Wort soll etwas gelten: Wenn man sich
auf unser Wort verlassen kann, brauchen wir gar nicht zu schwören.
Diese Klarheit tut allen Menschen gut und verhindert viele
Missverständnisse.
Und auch die anderen Beispiele, die er bringt, zeigen, dass er ein großer Freund
von Klarheit ist.
Es ist zutiefst christlich, für die Menschen um mich herum als verlässlicher
Partner erlebt zu werden. Jemand, auf den man zählen kann. Jemand, dessen
Wort keinen Interpretationsspielraum lässt.
Ja, es stimmt: Ich mach mir dadurch nicht immer Freunde. Denn meine Klarheit
kann ja auch bedeuten, dass ich nein sage und das muss man ja nicht gut
finden.
Aber dann weiß der andere wenigstens, woran er ist.
Jesus sagt uns heute nicht, das wir andere fertig machen sollen. Aber er
plädiert dafür, dass wir uns nicht gegenseitig die Zeit stehlen, weil der andere
nun rätseln muss, was ich denn nun gemeint habe.
Gönnen wir uns gegenseitig eine Klarheit, die unser Leben letztlich bereichert.
Amen.

Entdecke mehr von Edgars Reiseblog

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen