Lebet auf

Predigt an Neujahr 2023

Zu Beginn der Predigt: GL 245, 1

Menschen, die ihr wart verloren,
lebet auf, erfreuet euch!
Heut ist Gottes Sohn geboren,
heut ward er den Menschen gleich.
Ref.: Lasst uns vor ihm niederfallen,
ihm soll unser Dank erschallen:
Ehre sei Gott, Ehre sei Gott,
Ehre sei Gott in der Höhe!

Liebe Schwestern und Brüder,
es sind sehr deutliche Worte in diesem Weihnachtslied. Der Text ist jetzt über 200 Jahre alt.
Der Dichter war katholischer Priester und hat mit seinen Liedern die Menschen damals gut
erreicht – denn er kannte sie und er kannte ihre Not. Und so richtete er den Text an:

(gesungen:) Menschen, die ihr wart verloren.

Menschen im Schatten des Lebens. Verarmte, obdachlose Menschen. Menschen mit Depressionen und unfreie Menschen. Menschen, die schuldig geworden waren und Menschen, die suizidal waren. Menschen folglich, die sich nicht unterschieden von vielen Menschen heute. Und diesen Menschen sagt er: 

(gesungen:) lebet auf, erfreuet euch!

Wer niedergedrückt ist, wer ziemlich am Ende ist, und nun hört, er solle wieder aufleben, ja
sich sogar freuen – der würde das ja vielleicht ganz gerne. Aber da braucht es schon einen
triftigen Grund, dem zu trauen. Was könnte der Grund sein, mich besser zu fühlen?
Und sofort kommt die Antwort auf diese Frage:

(gesungen:) Heut ist Gottes Sohn geboren, heut ward er den Menschen gleich.

Es ist die Botschaft von Weihnachten. Die Botschaft der Geburt Gottes, die Botschaft, dass
Gott selbst Mensch wird und Anteil nimmt an unserem Schicksal.
Da gibt es nur eine Antwort, die angemessen erscheint:

Lasst uns vor ihm niederfallen,
ihm soll unser Dank erschallen:
Ehre sei Gott, Ehre sei Gott,
Ehre sei Gott in der Höhe!

Das ist ja auch die Reaktion der Hirten aus dem heutigen Evangelium: Sie rühmten Gott und
priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten (Lk 2,20).

Singen wir die zweite Strophe:
Welche Wunder reich an Segen
Stellt uns dies Geheimnis dar.
Seht, der kann sich selbst nicht regen
Durch den ist und alles war.

Diese Strophe spielt mit einem großen Kontrast:
Das kleine Kind, gerade neugeboren, ist völlig angewiesen auf die Sorge und Hilfe durch die
Eltern. Das ist bei Säuglingen nun mal so. Aber gleichzeitig ist es der Retter, der Heiland, der
Erlöser, der Sohn Gottes. Wer will das verstehen? Welche Wunder stellt uns dies Geheimnis
dar? Und wird uns zu dem noch zum Segen?
Weihnachten ist ein Fest des größten Wunders, das sich Menschen nur vorstellen können:
Gott wird Mensch. Gott wird sogar Baby. Über Jahrhunderte hat man sich auf Synoden und
Konzilien darüber gestritten, wie das zu verstehen ist. War dieser Jesus wirklich Gott? Oder
hatte er nur einen Scheinleib, und war gar nicht so richtig Mensch? Unser Glaube sagt: Ganz
Mensch und ganz Gott. Das ist ja gar nicht zu verstehen – es ist aber etwas, für das wir
uns entscheiden können, es zu glauben.

Singen wir die dritte Strophe:
Selbst der Urquell aller Gaben
leidet solche Dürftigkeit
Welche Liebe muss der haben
der sich euch so ganz geweiht.

Es ist die Liebe, die das alles bewirkt. Die Liebe Gottes zu uns Menschen. Wir können diese
Liebe Gottes nur erahnen. Wir können sie zumindest ein wenig spüren. Am besten ist es,
wenn wir Gott mit ganzem Herzen gegenübertreten und ihm sagen: „Herr, ich hab keine
Worte für das, was ich spüre. Nimm du meine Liebe an als Antwort auf das übergroße
Geschenk, das du mir durch Jesus Christus gemacht hast.“

Und deswegen heißt es in der vierten Strophe, die wir jetzt singen:
Menschen, liebt, o liebt ihn wieder
und vergesst der Liebe nie!
Singt mit Andacht Dankeslieder
und vertraut, er höret sie.

Gerade im Singen ist es zu spüren, wie gut es tut, Gott zu lieben und von ihm geliebt zu
werden.
Augustinus hat mal gesagt: Wer singt, betet doppelt. Und deswegen singen wir auch so viel
im Gottesdienst. Es ist Weihnachten, immer noch. Und: Heute ist Neujahr. Gehen wir in
dieses neue Jahr hinein, in dem wir Gott und die Menschen lieben.
Amen.

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