Als Kind lernt man die Welt auch durch die Augen anderer kennen. Die Großen, die Erwachsenen, machen dabei hoffentlich vieles richtig. Es kommt aber der Moment, in dem man auf eigenen Füßen stehen, eine eigene Meinung entwickeln und sich kritisch mit der Welt auseinandersetzen muss.
Die Sicht auf die Welt ist immer auch medial geprägt. Wir lernen durch Bilder und Darstellungen und lassen uns davon leiten.
1569 veröffentlichte Gerardus Mercator seine berühmte Projektion des Globus. Dabei war seine Sicht sehr stark auf die westliche Welt fokussiert, und die Größenverhältnisse der Kontinente waren dadurch bei weitem nicht immer richtig.
1921 entwickelte dann Oswald Winkel die Winkel-Tripel-Projektion. Ich hab sie oben eingefügt. Sie zeigt zum Beispiel, dass Afrika tatsächlich viel größer ist als die meisten von uns das gelernt hatten, weil es selten anders zu sehen war. Es wäre vernünftig gewesen, diese neue Welt-Sicht überall zu übernehmen. Tatsächlich hat es aber weitere 105 Jahre gedauert, bis die Vereinten Nationen sie vor kurzem offiziell anerkannt haben, obwohl sie schon seit 1998 von National Geographic offiziell für allgemeine Weltkarten verwendet wird. Die Weltsicht durfte sich nicht ändern. Es kam sehr gelegen, Afrika weiterhin als deutlich kleiner darzustellen. Denn “klein” bedeutet in der Sprache der Macht “unbedeutend”. Und es wird auch wieder dauern, bis nun diese “neue” Karte in den Köpfen Fuß fasst.
Als Christen und Christinnen haben wir eine eigene Meinung zur Sicht auf die Welt. Denn neben der geografischen haben wir auch eine Welt des Glaubens, die wir zu schätzen wissen. So sehen wir die Welt, die uns umgibt, als Schöpfung Gottes, und schon dies sollte und muss uns dazu bringen, respektvoll mit ihr umzugehen. Es ist nicht wichtig, wo ein Mensch herkommt, sondern allein die Tatsache, dass es sich um einen Menschen handelt.
Eine ganz neue Sicht auf die Welt aber ist uns erst recht nicht fremd. In der Offenbarung des Johannes lesen wir: „Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen.“ (Offb 21,1)
Und dieser neue Himmel und diese neue Erde erschrecken uns nicht, im Gegenteil: Sie sind Ziel unserer Hoffnung. Das ist unsere Art, auf eigenen Füßen zu stehen. Und damit können wir auch die Hoffnung in die Welt ausstrahlen.
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