Predigt am 10. Mai 2026 zu Joh 14,15-21
Sie sind aus der Mode gekommen. Vielleicht waren sie aber auch schon immer unbeliebt: Ich rede von den 10 Geboten. Die sind etwa 3200 Jahre alt.
In Bayern sind sie Teil des Religionsunterrichts der vierten Klasse. Da erklärt man den Kindern, dass das wichtige Regeln aus der Bibel sind. Sie sollen Menschen helfen, gut miteinander zu leben und Gott zu vertrauen. Und dann wird jedes einzelne Gebot vorgestellt: Zum Beispiel das erste Gebot. Es lautet „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“. Man kann das übersetzen mit: Du sollst nur an Gott glauben. Gott möchte, dass wir ihm vertrauen und dass wir ihn wichtig nehmen. Gott soll einen besonderen Platz in deinem Leben haben.
Dieses erste Gebot würde eigentlich komplett ausreichen. Wenn sich alle Menschen daran halten würden, dann würde auf Gottes Wort gehört werden, und die Welt wäre sofort ein sehr friedlicher, liebevoller Ort.
Aber weil wir Menschen sehr viele Erklärungen brauchen, um etwas wirklich zu verstehen und dann auch noch danach zu handeln, kommen noch weitere Gebote. Wir sollen den Sonntag heilig halten, Vater und Mutter ehren, nicht töten, treu sein, nicht stehlen, nicht lügen, nicht gierig sein. Da ist manches dabei, dass wir als ganz richtig erkennen – zum Beispiel: Du sollst nicht töten. Das klingt doch ganz vernünftig, und die allermeisten Menschen halten sich daran.
Anderes vermeiden wir eher und wollen nicht so genau hinhören. Das achte Gebot lautet ja: Du sollst nicht lügen. Aber lügen ist Teil unseres Alltags. Wir wollen nicht das Gesicht verlieren, vor allem wenn wir etwas falsch gemacht haben. Und wenn dann die Gefahr besteht, erwischt zu werden, lüge ich lieber, als mich zu meiner Schuld zu bekennen. Das kennen wir alle.
Den Kindern in der Grundschule erklären wir, dass die Wahrheit wichtig ist, denn ehrlich zu sein hilft dabei, dass wir einander vertrauen. Die Kinder verstehen das sofort; sie haben ein gutes Gespür dafür, was eine Lüge ist. Als Erwachsene blenden wir dieses Gefühl aber gerne aus.
Es ist schwer, sich immer an alle Gebote zu halten. Die 10 Gebote sind aber die Grundlage für viele Gesetze und Werte weltweit. Und diese Gesetze schützen unser Zusammenleben. Sie sind die Basis für unsere Moral und unsere Ethik.
Über 1000 Jahre nach ihrer Entstehung gab es diesen Wanderprediger, den wir alle kennen. Jesus heißt er. Und dieser Jesus hat ist durch das Land gewandert und hat sich angeschaut, wie die Menschen zu leben – und natürlich auch, ob sie denn so leben, wie Gott es möchte. Und weil das eben gar nicht immer der Fall war, hat er ihnen die 10 Gebote noch mal neu erklärt. Er hat das so gemacht, dass er die Gebote nochmal zusammengefasst hat. Er hat gesagt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben … und deinen Nächsten wie dich selbst.“
Das war für ihn das allerwichtigste. Es war das Doppelgebot der Liebe.
Nur haben die Jünger das immer noch nicht verstanden, was er damit meint. Und daher setzt er noch eins drauf, und diesen Satz haben wir heute im Evangelium gehört: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“
Jesus hat gemerkt, dass wir Menschen uns mit Regeln immer wieder sehr sehr schwer tun. Wir sind quasi Profis darin, diese Regeln zu brechen. Und auch das Doppelgebot der Liebe zu Gott, zum Nächsten und zu mir selbst fällt uns schwer.
Und deswegen spricht er diesen Satz aus: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“
Es geht ihm nicht zuerst um das Beachten von Regeln und Gesetzen, auch wenn die wichtig sind. Es geht ihm darum, dass wir eine Beziehung zu ihm, zu Jesus Christus haben. Wenn wir ihn sehen, wenn wir auf ihn hören, wenn wir Jesus zur Nummer 1 in unserem Leben machen, dann kommen wir auch dazu, sein Gebot der Liebe zu beachten. Und dann sind wir auch bei den 10 Geboten angekommen.
„Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ Es ist nicht kompliziert, Christ zu sein, es ist nicht kompliziert, Christin zu sein.
Unsere Beziehung zu Jesus Christus ist der Schlüssel. Und wenn wir dann hingehen und anderen Menschen Liebe zeigen, dann zeigen wir zugleich auch unsere Liebe zu Jesus.