Der erste Diakon

Predigt an Taufe des Herrn 11.01.2026

Liebe Schwestern und Brüder,

heute feiern wir ein Tauffest.

Taufe heißt: Ich beginne ein Leben, das ganz und gar mit Jesus Christus verbunden ist. Ich werde getauft auf den dreifaltigen Gott, den Vater, den Sohn und den heiligen Geist. Taufe heißt: Mir wird die Tür zum Reich Gottes geöffnet.

Und alle meine Schuld wird abgewaschen.

All das heißt Taufe.

Da stellt sich doch die Frage: Warum hat sich Jesus taufen lassen? Er war doch Gottes Sohn, er ist Teil der Dreifaltigkeit. Und bei seiner Taufe ist auch der Heilige Geist wie eine Taube auf ihn herabgekommen, und die Stimme Gottes hat ihn bestätigt: Das ist mein geliebter Sohn. Jesus wurde auch nicht erst Teil der Dreifaltigkeit, als er getauft wurde, das war er vorher auch schon.

Wir brauchen einen anderen Zugang, um zu verstehen, was Jesus dazu gebracht hat, sich taufen zu lassen.

Drei Punkte möchte ich hier nennen:

Der erste Punkt: Jesus lässt sich taufen, um bei den Menschen zu stehen.

Jesus tritt an den Jordan als Mitgehender. Er stellt sich dorthin, wo Menschen mit ihrer Schuld, ihrer Sehnsucht und ihrer Hoffnung stehen.

Er teilt ihr Leben, ohne zu verurteilen. Seine Taufe ist ein Zeichen:
Gott steht neben den Menschen, geht mit, ist solidarisch.

Der zweite Punkt: Jesus möchte mit den Menschen seinen Weg beginnen.
Jesus ist auf die Welt gekommen, um vom Reich Gottes zu erzählen. Im Grunde ist sein ganzes irdisches Leben eine einzige Einladung, sich auf Gott einzulassen, ihn zu suchen und zu wissen: er lässt sich von uns finden.

Die Zeit der Verkündigung beginnt Jesus bewusst mit seiner eigenen Taufe.

Gottes Weg beginnt nicht irgendwie ganz abgehoben, sondern mitten im Leben. Jesu Auftrag wächst in der Beziehung zu uns, nicht in der Distanz. Seine Taufe markiert den Start eines Dienstes, der mit den Menschen geht, nicht an ihnen vorbei.

Der dritte Punkt: Jesus möchte den Menschen Gottes Nähe zusagen.

Unser Leben kommt immer wieder mal an einen Punkt, an dem wir sehen: So geht es nicht weiter. Wir brauchen Orientierung, wir brauchen aufmunternde Worte, wir brauchen ein Geländer, an dem wir uns festhalten können, weil wir sonst straucheln und fallen.

Jesus steht dafür ein. Er sagt es immer wieder: Ich bin der Weg. Das bedeutet: Mit mir gibt es Sicherheit in deinem Leben. Auf mich kannst du dich verlassen. Ich bin dir nahe. Und durch mich ist dir Gott nahe.

Alle drei Punkte weisen ihn als den ersten Diakon der Geschichte aus. Für mich als Diakon ist das besonders wichtig. Denn genau in diesen drei Punkten entdecke ich die Grundlage für mein Diakonat.

Ich schaue auf Jesus am Jordan. Jesus steht in der Reihe der Taufbewerber. Sie alle wollen von Johannes getauft werden. Johannes tauft sie, um sie zur Umkehr zu bringen. Und Umkehr heißt: Sich neu ausrichten auf Gott.

Genau dort lässt Jesus sich taufen. Mitten unter Menschen, die kommen, wie sie sind, mit allen ihren Unzulänglichkeiten. Menschen, die mitbekommen, was bei der Taufe Jesu passiert. Sie hören die Stimme des Vaters. Und die sagt nicht: „Du wirst Großes tun“ sondern: „Du bist mein geliebter Sohn.“

Diese Zusage, diese Liebe steht vor allem Tun. Vor aller Leistung.

Auch für mich.

Ich bin Diakon, und ich weiß: Mein Dienst beginnt nicht bei Aufgaben, nicht bei Funktionen, nicht bei Zuständigkeiten, nicht bei meiner Leistung.

Mein Dienst beginnt dort, wo Jesus beginnt: an der Seite der Menschen.
Wenn Jesus der erste Diakon ist, dann deshalb,
weil er Gottes Nähe nicht irgendwie organisiert, sondern lebt.

Die Beziehung ist wichtig. Jesus geht nicht voraus, um bewundert zu werden,
sondern geht mit, um niemanden allein zu lassen.

Ich gehöre zu diesen Menschen, die nicht allein gelassen werden.

Denn: Ich bin ja auch getauft. Meine Taufe verbindet mich mit dem Weg Jesu.
Mit seiner Art, Mensch zu sein. Mit seiner Art, das Reich Gottes zu verkünden.
Mit seiner Entscheidung für bedingungslose Nähe.

Taufe heißt für mich und heißt für jeden und jede von uns: Ich gehöre nicht mir selbst, sondern ich gehöre zu Gott. Wer getauft ist, steht nicht über den Menschen. Er ist auch nichts besseres. Nein, er ist jemand, der mitten unter den Menschen ist und durch sein Leben neugierig macht auf Jesus und sein Wort.

Das Fest der Taufe des Herrn stellt uns heute eine klare Frage:

Wo stehen wir?

Stehen wir an der Seite der Menschen, oder sind für uns Strukturen, Regeln und Gesetze wichtiger?

Stehe ich dort, wo Leben geteilt wird, oder dort, wo Abstand sicherer erscheint?

Jesus zeigt mir:
Gott ist dort, wo Menschen nicht allein gelassen werden.

Darum ist dieses Fest für mich eine dankbare Erinnerung an meine eigene Taufe
und an meinen eigenen Auftrag.

Amen.

 

 

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