Predigt an Weihnachten 2025
Du Papa – wieso hat denn das Christkind das gleiche Geschenkpapier genommen, das auch neben deinem Schreibtisch steht?
Diese Frage, liebe Schwestern und Brüder, kann so manchen Vater und manche Mutter in Verlegenheit bringen. Wie antwortet man darauf?
Eine mögliche Antwort wäre: naja, das Christkind kauft in der gleichen Filiale von Daiso ein wie wir auch. Und vielleicht wäre das ja auch eine Antwort, die das Kind akzeptiert.
Aber eigentlich ist das doch etwas ganz Wunderschönes. Wenn das Christkind im gleichen Geschäft einkauft wie wir, dann tun wir da schon mal das gleiche wie das Christkind, und das sollten wir auch sonst tun. Denn dazu ruft uns Weihnachten auf.
Ich möchte an drei Punkten zeigen, was Weihnachten für uns bedeuten kann.
1. An Weihnachten berühren sich Himmel und Erde.
Wenn Kinder uns die Welt erklären bzw. das, wie sie das alles so sehen, dann sagen sie zum Beispiel: Der Himmel ist der Ort, an dem Gott wohnt. Und auf der Erde wohnen wir, die Menschen. Wenn wir also an Weihnachten sagen, dass Gott Mensch geworden ist, dann hat da etwas stattgefunden, das Menschen immer wieder fasziniert hat. Da ist Gott greifbar, da ist Gott begreifbar geworden. Hörbar. Fühlbar. Erlebbar. Mit allen Sinnen Gott begegnen: Das ist Weihnachten, weil er Mensch geworden und Gott geblieben ist.
2. Wo war das denn? Wo hat das stattgefunden?
Wenn ich sage, dass sich Himmel und Erde berührt haben, dann lautet die nächste Frage: An welchem Ort ist das denn passiert? Diese Frage war von Anfang an wichtig, und deswegen steht ja im Evangelium auch, dass das in Bethlehem passiert ist. Wir Menschen brauchen Orte, um etwas Heiliges, etwas Himmlisches besser verstehen, besser begreifen zu können. Es tut gut, zu spüren, dass da etwas Heiliges ist, das uns erfüllt, aus dem wir leben können.
Ich selbst war leider noch nicht in Bethlehem. Im Moment ist es auch gar nicht so gut, dorthin zu fliegen. Aber auch wenn Jesus in Bethlehem geboren wurde, ist der Ort, an dem Himmel und Erde sich berühren, nicht auf Bethlehem beschränkt. Wir können und wir sollen dem Heiligen an jedem Ort dieser Welt begegnen, einfach indem wir Jesu Wort ernst nehmen. Wir begegnen ihm beim Hören auf sein Wort, bei der Feier der Sakramente und in der Art und Weise, wie wir unseren Nächsten begegnen. Sie wissen schon: Die Nächsten sind die, die barmherzig handeln und an denen wir barmherzig handeln. Alles was wir einem anderen tun, das haben wir auch Christus getan.
3. Was heißt das jetzt konkret?
Diese Barmherzigkeit sollte unser ganzes Denken dominieren, sie sollte das Fundament für unsere Ethik sein. Himmel und Erde berühren sich immer wieder, weil Christus in diese Welt gekommen ist und uns damit das größte Weihnachtsgeschenk gemacht hat, das überhaupt denkbar ist. Wo zwei oder drei in seinem Namen zusammen sind, da ist er mitten unter ihnen. Und genau das tun wir auch heute. Wir sind sogar mehr als zwei oder drei hier in der Kirche, aber es beginnt schon damit, dass ich mir bewusst mache: Ich hab hier und heute eine Banknachbarin, einen Banknachbarn. Und da beginnt bereits die Verantwortung füreinander, jetzt und hier in der Kirchenbank. Wir werden heute auch wieder einander den Friedensgruß geben – und das kann man ja schon jetzt in Gedanken vorbereiten, indem ich friedlichen Gedanken, weihnachtliche Gedanken in meinem Kopf den Vorrang gebe.
Frohe Weihnachten, sagen wir ja in diesen Tag gerne und oft. Merry Chrismas auf Englisch.
Merry Christmas heißt wörtlich übersetzt: Frohe Christmette, also froher Weihnachtsgottesdienst. Wir wünschen einander, selbst im absolut säkularen Bereich, im Wortsinn eine wunderbare Gottesdiensterfahrung an Weihnachten.
Gottesdiensterfahrung aber heißt nichts anderes als Erfahrung in der Begegnung mit Gott. Das ist der tiefste Sinn von Gottesdienst: Es ist Gottes Dienst an uns. Denn ohne diesen göttlichen Dienst könnten wir nichts, gar nichts, nicht mal dienen. Erst durch seinen Dienst an der Menschheit, durch seine Menschwerdung, sind wir in der Lage, auch ihm zu dienen – so wie er das dann ja auch möchte.
Es hat seinen Sinn, dem Kind zu erklären, warum das Christkind das gleiche Geschenkpapier verwendet. Denn das ist erste Impuls und auch der beste Einstieg dahin, dass wir selbst immer mehr hineinwachsen in die christliche Ethik, die am ersten Weihnachtsfest grundgelegt wurde.
Künftig kann uns jedes Geschenkpapier daran erinnern, dass wir Christus immer ähnlicher werden sollen. Wenn wir dem Menschen Christus immer ähnlicher werden, dann werden wir auch Gott immer ähnlicher. Wir kommen so Gott immer näher. Und er kann sich nichts schöneres vorstellen, als dass uns das gelingt.
Merry Christmas – ein gesegnetes, frohes Fest euch und Ihnen allen.
Amen.