Geheimzahl 2343

Predigt am Christkönigsfest 23.11.2025 

Liebe Kinder, liebe Schwestern und Brüder,

gestern Vormittag haben sich die Kommunionkinder im Gemeindesaal getroffen, und wir haben uns gemeinsam Gedanken über das heutige Fest gemacht. Dabei haben wir uns zunächst gefragt: Woran erkennt man eigentlich einen König?

Die Kinder haben schnell herausgefunden: Ein König hat besondere Zeichen. Er trägt eine Krone. Er hat ein Zepter als Zeichen seiner Macht. Er trägt einen königlichen Mantel. Und schließlich sitzt er auf einem Thron. Gold, Glanz, besondere Kleidung und ein besonderer Platz – so stellt man sich einen König vor.

Und dann haben wir heute im Evangelium gehört: Jesus ist ein König. Pilatus fragt ihn: „Bist du ein König?“ Und Jesus antwortet: „Ja, ich bin ein König.“ Aber zugleich macht er deutlich: Ich bin ein ganz anderer König. Mein Reich ist nicht von dieser Welt.

Wenn wir auf Jesus schauen, merken wir schnell: Er hatte keinen goldenen Thron. Er hatte kein Zepter. Er trug keinen prächtigen Mantel. Und auch seine Krone sah ganz anders aus – eine Dornenkrone. Keine Krone aus Gold, die zeigt: Seht her, wie wichtig ich bin, sondern ein Zeichen von Leiden und Schmerz.

Daran wird deutlich: Jesus ist ein ganz anderer König. Es geht ihm nicht darum, über andere zu herrschen. Es geht ihm darum, den Menschen nahe zu sein – besonders denen, die leiden. Er will, dass wir mitfühlen, dass wir mitleiden, dass wir uns um andere kümmern.

Dafür gibt es ein schönes Wort: Sympathie. Das kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich: mitleiden. Sympathisch sein heißt: Ich nehme wahr, dass es einem anderen nicht gut geht. Ich bin ihm nahe. Ich frage mich: Was braucht dieser Mensch jetzt? Wie kann ich helfen?

So zeigt uns Jesus, was wahre Königswürde bedeutet: Nähe, Mitgefühl und Liebe.

Die Zeichen eines Königs können wir deshalb auch auf unser eigenes Leben übertragen.

Der Thron zum Beispiel muss kein goldener Sessel sein. Aber jeder Mensch braucht einen Platz, an dem er zur Ruhe kommen kann. Einen Ort, an dem er still wird, durchatmen kann, bei sich selbst ankommt – mitten im Lärm und in der Hektik des Alltags.

Der Mantel ist ein Zeichen für Schutz und Wärme. Wir brauchen Schutz – nicht nur vor der Kälte des Winters, sondern auch vor der Kälte der Welt, vor Gleichgültigkeit, Härte und dem, was uns verletzt.

Das Zepter kann ein Zeichen für unsere Fähigkeiten sein. Jeder Mensch hat Talente. Der eine kann gut singen, der andere gut rechnen, malen, organisieren oder anderen Mut machen. Diese Fähigkeiten dürfen wir zeigen. Sie sind nicht zum Verstecken da. Wenn jemand gut backen kann, freut sich die ganze Gemeinde darüber. Wenn jemand gut zuhören kann, ist das ein großes Geschenk. Unsere Talente sollen anderen zugutekommen.

Und schließlich die Krone. Jeder von uns hat eine Krone verdient – keine Krone des Herrschens, sondern eine Krone der Würde. Denn jeder Mensch ist etwas Besonderes. Jeder Mensch ist wertvoll in den Augen Gottes.

Gott möchte, dass wir den Weg in sein Reich finden. Dieses Reich hat einen Namen: das Paradies. Im Evangelium hören wir den Satz, den Jesus zu dem Mann am Kreuz sagt: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“

Damit wir uns das gut merken können, habe ich eine Zahl mitgebracht: 23,43. Das ist so etwas wie eine persönliche Geheimzahl. Dahinter verbirgt sich eine Bibelstelle: Lukas 23,43. Dort steht dieser Satz Jesu.

Diese Zusage gilt nicht nur für den einen Menschen am Kreuz. Sie gilt für uns alle. Jesus möchte, dass wir den Weg in Gottes Reich finden.

Die Dornenkrone erinnert uns dabei: Dieser Weg ist nicht immer leicht. Das Leben ist kein Spaziergang. Wir erleben Sorgen, Krankheit, Konflikte, Verlust und Leid. All das gehört zu unserem Leben dazu.

Aber genau hier gilt die Zusage: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ Gott lässt uns auf diesem Weg nicht allein.

Deshalb liegt die Dornenkrone auch auf dem Altar. Wenn wir Eucharistie feiern, dann feiern wir das ganze Geheimnis unseres Glaubens: Leiden, Tod und Auferstehung Jesu. Ohne Karfreitag gibt es kein Ostern. Ohne Dunkelheit kein Licht.

Darum können wir uns diese „Geheimzahl“ merken: Lukas 23,43. Sie erinnert uns daran, worauf wir vertrauen dürfen.

Jesus ist ein König – anders als alle anderen. Ein König der Liebe. Ein König, der leidet. Ein König, der uns nahe ist. Und ein König, der uns den Weg ins Leben zeigt.

Amen.

 

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