Predigt am 10.08.2025: Nicht alles glauben
Habt ihr schon einmal eine Bibelstelle im Internet gesehen, die so schön war, dass Sie sie am liebsten sofort weiterschicken wollten – und später gemerkt: So steht das gar nicht in der Bibel?
Wir leben in einer Welt voller schneller, schöner, manchmal auch falscher Verse im Internet.
Heute lade ich euch ein, genauer hinzuschauen – und den Schatz der Bibel selbst zu entdecken.
Motto: „Nicht alles glauben, was du im Internet findest“
Liebe Schwestern und Brüder,
wir leben in einer Zeit, in der uns die sozialen Medien und das Internet in Sekundenschnelle schöne, tröstliche Bilder mit Bibelversen liefern. Manche davon sind wunderbar. Manche berühren uns tief. Aber – und das ist wichtig – nicht alles, was dort steht, stimmt so auch in der Bibel.
Vor kurzem habe ich ein solches Bild gesehen. Es war liebevoll gestaltet und wollte Mut machen. Darauf stand:
– Jeden Tag denkt Gott an dich – Psalm 68,15
– Jede Stunde schaut Gott nach dir – 2 Thessalonicher 3,3
– Jede Minute kümmert sich Gott um dich – 1 Petrus 5,7
– Jede Sekunde liebt er dich – Jeremia 31,3
Das klingt schön. Aber wenn wir in die Bibel schauen, merken wir:
– Der angegebene Psalm 68,15 sagt gar nichts von „Gott denkt an dich“, sondern beschreibt eine Schneelandschaft am Berg Zalmon. Ein Vers, der besser passen würde, steht ein paar Zeilen weiter: „Gepriesen sei der Herr, Tag für Tag! Gott trägt uns, er ist unsere Rettung.“
– 2 Thessalonicher 3,3 spricht tatsächlich von Gottes Treue und Bewahrung – aber ohne jede Zeitangabe.
– 1 Petrus 5,7 dagegen stimmt ganz genau: „Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch!“
– Jeremia 31,3 spricht von der „ewigen Liebe“ Gottes zu seinem Volk. Das lässt sich durchaus auf unser Leben übertragen.
Ich erzähle euch das nicht, um uns das schöne Bild madig zu machen, sondern um zu zeigen:
Es lohnt sich, hinzuschauen. Nicht alles glauben, was du im Internet findest – selbst wenn es fromm klingt.
Ein anderes Beispiel: Vielleicht habt ihr schon einmal gehört, die Bibel sage 365-mal „Fürchte dich nicht“ – für jeden Tag im Jahr einmal. Das klingt großartig, ist aber leider nicht richtig. Je nach Übersetzung finden sich um die hundert Stellen mit „Fürchte dich nicht“ oder „Fürchtet euch nicht“. Immer noch eine ganze Menge – und sie zeigt, wie sehr Gott uns Mut machen will. Aber wir sollten ehrlich mit den Fakten umgehen.
Das Schöne ist: Wenn wir selber in der Bibel nachschlagen, finden wir den Trost, den Gott uns schenken will – vielleicht sogar noch schöner und tiefer als in einem Internet-Post.
Und damit bin ich schon beim heutigen Evangelium, in dem Jesus sagt: „Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, im Himmel.“
Wo finde ich diesen Schatz? Ich glaube: Ich finde ihn, wenn ich mich mit Gottes Wort beschäftige. Wenn ich die Bibel selbst in die Hand nehme – nicht nur, um Verse zu überprüfen, sondern um mich beschenken zu lassen.
Denn in der Bibel entdecke ich die Geschichten von Menschen, die erfahren haben, wie Gott trägt, wie er bewahrt, wie er liebt. Ich entdecke die vielen „Fürchte dich nicht“-Verse, die mich durch schwere Zeiten tragen. Und ich entdecke den größten Schatz: die Zusage, dass Gott an meiner Seite ist – heute, morgen und in Ewigkeit.
Darum lade ich euch ein:
Nehmt die Bibel in die Hand. Prüft, was ihr hört oder lest. Und lasst euch überraschen, wie reich dieser Schatz ist, der nicht abnimmt.
Amen.