Predigt am 05.01.2025
Liebe Schwestern und Brüder,
drei Männer machen sich auf den Weg. Sie wohnen im Iran und haben eine Strecke von etwa 2500 Kilometern vor sich, denn das ist ungefähr die Entfernung von ihrer Heimat bis nach Bethlehem. 2500 Kilometer – mindestens.
Was diese drei Männer damals getan haben, ist eine enorme Leistung, etwas, worüber wir gar nicht genug staunen können. Sie haben ja nicht einfach nur eine Wanderung gemacht. Eine Strecke von 2500 Kilometern zu Fuß ist an sich schon gewaltig. Aber sie hatten ein Motiv. Sie hatten etwas am Himmel gesehen. Einen Stern. Und weil sie weise Menschen waren, klug, gebildet und erfahren, sagten sie sich: Diesem besonderen Stern müssen wir nachgehen. Wir müssen verstehen, was da geschieht.
In ihnen lebte die Hoffnung, dass dieser Stern eine Botschaft trägt – eine Botschaft, die es wert ist, 2500 Kilometer zu gehen. Und danach natürlich auch wieder zurück.
Wenn in der kommenden Woche unsere Kinder als Sternsinger unterwegs sind, wenn sie mit dem Stern von Haus zu Haus gehen, den Segen bringen und Geld für Kinder in Not sammeln, dann erinnern sie genau daran: dass Menschen sich einst auf den Weg gemacht haben, um herauszufinden, was Gott ihnen zeigen will.
Im Evangelium haben wir vom Stern gehört, in unseren Liedern kam er ebenfalls vor. Und ich möchte heute mit Ihnen darüber nachdenken, was es bedeutet, sich aufgrund eines Sterns, aufgrund einer Hoffnung – man könnte auch sagen: aufgrund eines Glaubens – auf den Weg zu machen.
Diese drei Männer waren Pilger. Pilger sind Menschen, die sich auf den Weg machen, die unterwegs beten, nachdenken, miteinander sprechen, ihr Leben bedenken und sich öffnen für die Begegnung mit Gott. Genau das haben die Weisen getan. Sie waren Pilger der Hoffnung.
Und „Pilger der Hoffnung“ ist auch das Leitwort des Heiligen Jahres 2025, das Papst Franziskus ausgerufen hat. Viele Menschen werden nach Rom pilgern, aber auch in jeder Diözese und überall auf der Welt wird dieses Heilige Jahr gefeiert. Es ist ein Jahr der Neuausrichtung auf Gott – auf den, der uns geschaffen hat, der uns durch Jesus Christus erlöst hat.
Pilger der Hoffnung damals – Pilger der Hoffnung heute.
Ich sehe dabei mehrere Parallelen.
Erstens: Die Weisen sind aufgebrochen. Sie haben vieles hinter sich gelassen. Monate waren sie unterwegs. Wer so lange unterwegs ist, braucht etwas, das ihn trägt: Gespräche, Gedanken, Austausch, eine innere Substanz. Auch wir sind eingeladen, im Heiligen Jahr aufzubrechen und zu fragen: Wohin führt mein Weg? In meinem Leben, in meinem Beruf, in meinen Beziehungen?
Zweitens: Die Weisen haben gesprochen, gefragt, Informationen eingeholt. Sie gingen nach Jerusalem, suchten das Gespräch. Auch wenn die Motive des Herodes nicht gut waren – zunächst wurde miteinander geredet.
Und ich glaube, genau das fehlt unserer Welt heute. Wir reden zu wenig miteinander. Wir hören zu wenig aufeinander. Es gibt so viel Unfrieden, so viele Spannungen. Frieden beginnt damit, dass wir wieder lernen zuzuhören – in der Familie, in der Partnerschaft, am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft.
Drittens: Die Weisen haben geteilt. Gold, Weihrauch und Myrrhe – kostbare Geschenke. Geschenke für einen König.
Doch das wichtigste Geschenk ist oft nicht materiell. Es ist Zeit. Aufmerksamkeit. Das Handy weglegen und wirklich zuhören. Sich dem anderen zuwenden.
Die Weisen gingen sogar noch weiter: Sie beteten an. Sie erkannten: Hier ist ein heiliger Ort. Hier ist Gottes Gegenwart. Ihre Hoffnung hatte sich erfüllt.
Liebe Schwestern und Brüder,
auch wir sind Pilger der Hoffnung. Gerade in einer Zeit voller Unsicherheit brauchen wir diese Haltung. Wie es beim Propheten Jesaja heißt: „Werde Licht.“ Wir sollen Menschen sein, die Hoffnung ausstrahlen, die zum Frieden beitragen, die zuhören, die Brücken bauen.
Pilger der Hoffnung zu sein heißt:
großzügig zu geben,
Zeit zu schenken,
und den Menschen zu zeigen: Wir glauben. Wir haben Hoffnung.
Unser Glaube sagt: Diese Hoffnung wird sich erfüllen.
Es wird weiterhin Schwieriges geben. Aber wir sind als Christinnen und Christen berufen, die Hoffnung weiterzutragen.
Darauf kommt es an.
Amen.